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Nach Marx Philosophie, Kritik, Praxis

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Nach Marx

Indem die kapitalistische Produktionsweise in den letzten Jahren ihre Selbstverständlichkeit eingebüßt hat, sind auch der rein individualistische Freiheitsbegriff und mit ihm das gesamte normative Gerüst des Liberalismus in die Krise geraten. Die Gesellschaftskritik von Karl Marx stellt nach wie vor attraktive Alternativen bereit. Die Beiträge dieses Bandes erörtern systematisch Aktualität, Relevanz und Grenzen der Marx'schen Philosophie. Sie untersuchen Marx' Bedeutung für den philosophischen Zusammenhang von Freiheit und Gemeinschaft und diskutieren politische Konsequenzen hinsichtlich der rechtlichen, ideologischen und ökonomischen Analyse und Kritik der Gegenwart.

Rahel Jaeggi ist Professorin für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Daniel Loick ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 518
    Erscheinungsdatum: 17.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518731031
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1427kBytes
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Nach Marx

9 Rahel Jaeggi und Daniel Loick
Marx' Aktualitäten – Zur Einleitung

1. Aktualität der Kapitalismuskritik und Aktualität von Marx

Die Menschen werden obdachlos, weil zu viele Wohnungen gebaut wurden, sie hungern, weil zu viele Lebensmittel produziert wurden: Selten in der jüngeren Geschichte ist das Vertrauen in die Rationalität des kapitalistischen Wirtschaftssystems so schwer erschüttert worden wie im Zuge der Finanzkrisen der letzten Jahre. Diese Krisen, die zugleich auch politische, polizeiliche, ökologische und letztlich lebensweltliche Krisen sind, haben offenbar die Plausibilität des Kapitalismus in vielerlei Hinsicht in Frage gestellt. Der Schock darüber, dass ein ganzes Weltwirtschaftssystem durch für die meisten undurchschaubare Mechanismen ins Wanken geraten konnte, aber auch der Umstand, dass die politischen Reaktionen darauf so hilflos und für viele auch auf empörende Weise ungerecht zu sein scheinen, nährte nach Jahren des Burgfriedens (zumindest in den Ländern der westlichen Hemisphäre) und der Verlagerung politischer und sozialer Auseinandersetzungen in (auf den ersten Blick) andere Sphären plötzlich wieder die Zweifel an der längerfristigen Stabilität und Nachhaltigkeit des Kapitalismus. Die Kapitalismuskritik erlebt eine Renaissance, nicht nur da, wo sie jenseits aller Konjunkturen ohnehin immer schon hartnäckig (weiter)betrieben worden ist, sondern quer durch die politischen wie auch wissenschaftlichen Lager.

Das ist erstaunlich, macht man sich klar, dass nur einige Jahre vorher selbst die Verwendung der Vokabel "Kapitalismus" anrüchig geworden zu sein schien, so dass diese aus der öffentlichen Diskussion ebenso wie aus den Diskursen der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften fast verschwunden war. Weniger erstaunlich ist es vielleicht, dass sich in einer solchen Situation viele auch wieder demjenigen Theoretiker zuwenden, der wie kein anderer Ressourcen dafür anzubieten scheint, den Kapitalismus als eine nicht nur latent gewalttätige, sondern auch systematisch krisenhafte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu identifizieren, zu analysieren 10 und mit Blick auf die Möglichkeiten einer verändernden Praxis zu kritisieren. Nicht nur die Kapitalismuskritik, auch Marx ist also aktuell – wie nicht zuletzt die immense Resonanz auf das weltweit sich intensivierende Angebot an Marx-Schulungen, Tagungen und Kongressen bezeugt.
2. Vorsicht mit der Aktualität

Mit dieser Aktualität allerdings sollte man es sich nicht zu leicht machen. Die theoretische Anstrengung, die Marx unternommen hat, erlaubt es bekanntlich nicht, sich unbefangen über die Ungerechtigkeit kapitalistischer Verhältnisse zu empören. Auch wäre es – sosehr mit Marx der Anspruch auf ein "Praktischwerden" der Theorie verbunden ist – bekanntermaßen falsch, in ihm den Ansprechpartner für die mancherorts beschworene "Wiederbelebung der Utopie" zu suchen. Und einfache Antworten auf die oben skizzierte Krisenwahrnehmung, sowohl was deren Verständnis als auch was deren Lösung anginge, findet man bei Marx ebenfalls nicht.

Nicht also, dass Marx, wie viele seiner (und unserer) Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, den Kapitalismus für ein zu überwindendes Übel hält, macht die Bedeutung seines Werkes aus; interessant wird es vielmehr durch die spezifische Weise , in der er sich einerseits der vordergründig moralisierenden Beschreibung enthält, die praktisch-normative Einstellung aber andererseits nicht einfach der Analyse systemischer Komplexitätsanforderungen und Eigendynamiken moderner Gesellschaften opfert. Seine Originalität macht auch nicht aus, dass Marx, wie viele seiner

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