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Studien zu Wolfgang Harich Zweite, völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. von Heyer, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2016
  • Verlag: Books on Demand
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Studien zu Wolfgang Harich

Die zweite Auflage der Studien zu Wolfgang Harich enthält 13 Aufsätze des Autors, die in den letzten Jahren entstanden sind. Darunter Studien zu den Debatten um Hegel und um die Logik, zu Harichs wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkten sowie zu seinen ökologischen Überlegungen der 70er und 80er Jahre.

Andreas Heyer, Dr. phil., Jahrgang 1974. Er arbeitet zu den politischen Utopien der Antike und der Neuzeit sowie zur Epoche der französischen Aufklärung. Seit 2012 ist er der Herausgeber der 'Nachgelassenen Schriften Wolfgang Harichs'. Der erste Band dieser Edition erschien 2013 unter dem Titel 'Hegel zwischen Feuerbach und Marx'. Zahlreiche Monographien und Aufsätze zu den genannten Forschungsschwerpunkten sowie zur Philosophiegeschichte der DDR.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 672
    Erscheinungsdatum: 24.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741215605
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 733kBytes
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Studien zu Wolfgang Harich

Harichs Weg zu einem undogmatischen Marxismus, 1946-1956

1. Einleitung

Harichs schriftstellerisches und philosophisches Lebenswerk entstand in den fünfzig Jahren zwischen 1945 und 1995. Dabei sind vor allem die großen Ereignisse, die sein Leben prägten und Handeln bestimmten, heute noch präsent. Zuvorderst ist natürlich das politische Engagement im Jahr 1956 zu nennen, das zu Harichs Verhaftung führte. Zusammen mit Walter Janka, Manfred Hertwig, Bernhard Steinberger, Gustav Just, Heinz Zöger und Richard Wolf hatte er eine Reform der Verhältnisse der DDR angedacht - ein Plan, der ihn für mehrere Jahre ins Zuchthaus nach Bautzen brachte.

Gerade mit Blick auf diese leidvolle Erfahrung war es ein mutiger und sicherlich für manche überraschender Schritt, dass Harich nach der Wende den Vorsitz der Alternativen Enquête-Kommission Deutsche Zeitgeschichte übernahm, die sich der einseitigen Analyse der DDR-Geschichte entgegenstellte. Harichs Frau berichtete in ihren Erinnerungen, welch teilweise grotesk anmutende Angst er vor der Staatssicherheit hatte. 12 Doch nun ging es ihm nicht um eine nachträgliche Bestrafung der DDR-Führung, sondern, im tatsächlichen Wortsinn, um Aufarbeitung der Vergangenheit. Was für den Osten zutreffe und von diesem verlangt werde, müsse auch für den Westen zur Geltung kommen - so Harichs Credo nach der Wende. 13

Ebenfalls im kollektiven Gedächtnis erhalten ist Harichs Kampf gegen Friedrich Nietzsche. Spätestens nach dem Erscheinen des Nietzsche-Artikels von Heinz Pepperle in der Sinn und Form setzte er alle Mittel seiner Sprache, seiner Polemik und seiner ideengeschichtlichen Kenntnisse ein, um gegen die sich anbahnende Nietzsche-Renaissance in der DDR zu argumentieren. 14 Eine Auseinandersetzung, die in der 1994 publizierten Streitschrift gegen Nietzsche ihren Höhepunkt fand. 15 Harich wurde mit seiner lautstarken Nietzsche-Kritik zum Feindbild einiger DDR-Schriftsteller (allen voran Stephan Hermlin), die in der Annäherung an Nietzsche ein Signal für die Öffnung der kulturellen und intellektuellen Grenzen sahen. 16 Das trug erheblich zu seiner Isolation bei. Wie kaum ein anderes Gebiet zeigt diese Beschäftigung Harichs seinen Begriff des literarischen und philosophischen Erbes in der DDR. Wir werden darauf zurückkommen. Hier kann der Hinweis genügen, dass Nietzsche für Harich vor allem eines war: Der ideologische Wegbereiter des Nationalsozialismus 17 , der der reaktionären Philosophie des Bürgertums die entscheidenden Komponenten beigegeben habe - "die Abtötung des Gewissens." 18

Ein drittes Themenfeld, mit dem Harichs Name bis heute verbunden ist, stellt die ökologische Frage dar. 1975 legte er Kommunismus ohne Wachstum vor. 19 Ein Werk, das erstmals die ökologische Frage in der DDR thematisierte. Darüber hinaus begründete die Schrift in der DDR den Diskurs der politischen Utopie. Harich forderte einen wachstumslosen Kommunismus, da angesichts der ökologischen Frage die Zukunftsgesellschaft keinen Überfluss verteilen könne. Ganz im Gegenteil gehe es um das Überleben aller auf der Basis gedrosselter Bedürfnisse. Die Wahl stehe zwischen Öko-Kommunismus und Öko-Faschismus. 20 Die Ökologie wurde neben der Verwirklichung der Deutschen Einheit zu Harichs Hauptthema. Sie führte ihn zu den Grünen in Österreich und der Bundesrepublik, motivierte eine Vielzahl kleiner Schriften und Aufsätze (die die Ökologie in größere Zusammenhänge einbettete, zum Bsp. eine umfassende Friedenspolitik 21 ) und sorgte etwa dafür, dass er die Weihnachtstage des Jahres 1989 mit der Abfassung eines Programmentwurfs für die neugegründete Partei Die Grünen der DDR verbrachte. 22

Neben diesen großen Themenkreisen steht eine Vielzahl von kleinen Texten, Thesen, Polemiken und Kämpfen, die Harichs Leben über die Jahre hinweg begleiteten. Ihre verbindende Klammer, üb

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