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Unternehmen als moralische Akteure von Neuhäuser, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2011
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Unternehmen als moralische Akteure

Unternehmen sind nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Akteure. Vor allem aber sind sie entgegen verbreiteter Ansichten auch moralische Akteure, das heißt, sie sind grundsätzlich fähig, den moralischen Standpunkt einzunehmen, auch wenn sie dies in der Praxis selten tun. Daraus erwächst eine politische und moralische Verpflichtung: Auch für Unternehmen gelten die Menschenrechte als moralischer und rechtlicher Maßstab, daran müssen sich ihr Handeln und erst recht ihr Unterlassen messen lassen. Christian Neuhäuser zeigt mit beeindruckenden philosophischen Mitteln und anhand exponierter Beispiele unternehmerischen Handelns, inwiefern und inwieweit Unternehmen moralisch zur Rechenschaft gezogen werden können. Dies hat weitreichende philosophische, ethische und nicht zuletzt politische Konsequenzen. Christian Neuhäuser ist Professor für Praktische Philosophie an der TU Dortmund.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 20.04.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518748602
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1321 kBytes
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Unternehmen als moralische Akteure

37 Kapitel 1
Verantwortung und ihre Grenzen
in korporativen Umwelten

Auf den ersten Blick gibt es zwei Möglichkeiten, der Idee von verantwortlichen Unternehmen Sinn zu verleihen. Entweder wird damit ausgedrückt, dass Unternehmen selbst, also beispielsweise Coca-Cola, Nestlé oder Siemens, Verantwortung haben. Oder nicht die Unternehmen selbst sind gemeint, sondern vielmehr die individuellen Mitarbeiterinnen innerhalb der Unternehmen. Die Unterscheidung dieser beiden Möglichkeiten ist von großer Wichtigkeit, denn bei Verantwortung geht es immer um ein kompliziertes Beziehungsgeflecht in Form einer dreistelligen Relation. ?[1] Für Verantwortungszuschreibungen muss geklärt werden, erstens wer verantwortlich ist, zweitens wofür und drittens wem gegenüber er verantwortlich ist. Bezogen auf den hier behandelten Kontext ist die erste Frage, ob ein Unternehmen als solches oder die Mitarbeiter verantwortlich sind, zentral. Dies stellt keine Besonderheit philosophischer Theorie dar, denn es geht auch praktisch oft darum, für schädigende Ereignisse oder geschädigten Menschen gegenüber verantwortliche Akteure zu finden. Wenn Kinder ihre Eltern verlieren, dann steht fest, wem gegenüber und wofür Verantwortung übernommen werden soll, aber es bedarf noch einer geeigneten Person, die diese Verantwortung übernimmt. Wenn natürliche Kräfte, beispielsweise Flutwellen, Wirbelstürme oder Erdbeben Menschen bedrohen, dann werden verantwortungsbewusste Akteure gesucht, die sie davor schützen. In diesen Fällen sind die zweite und die dritte Frage bereits beantwortet, es geht um die Fürsorge für Kinder und den Katastrophenschutz für bedrohte Menschen. Unklar bleibt in erster Linie, wer diese Verantwortung übernehmen könnte. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass dafür eine ganz andere Frage bereits beantwortet sein muss. Wer überhaupt für diese Verantwortungsübernahme in Betracht 38 kommt, sprich: wer in der Lage ist, Verantwortung zu tragen, also verantwortungsfähig ist. ?[2]

Das gilt auch, wenn die Verantwortung von Unternehmen bestimmt werden soll. Dafür muss eine Auswahl in Bezug auf die Alternative Unternehmen/Mitarbeiterinnen getroffen werden, wobei sich nicht nur zwei, sondern tatsächlich drei Möglichkeiten ergeben: Entweder können nur die individuellen Mitarbeiterinnen oder nur die Unternehmen verantwortlich sein oder aber beide sind verantwortlich. ?[3] Dass Mitarbeiterinnen für zumindest einen Teil ihrer Handlungen verantwortlich sind, wird kaum jemand leugnen und soll auch hier nicht bestritten werden. Daher lautet meine zentrale Frage: Geht es nur um die individuellen Mitarbeiterinnen, wenn bei Unternehmen von Verantwortung die Rede ist, oder auch um die Unternehmen selbst? Die zweite Lesart der Idee verantwortlicher Unternehmen besitzt schon allein deswegen einige Anziehungskraft, weil sie der sozial, ökonomisch und politisch bedeutenden Rolle von Unternehmen angemessen erscheint. Besonders die großen multinationalen Unternehmen begegnen uns als mächtige Akteure, die es an Einfluss, Kapitalkraft und manchmal auch an militärischer Stärke durchaus mit einigen Staaten aufnehmen können. ?[4]

39 Die Attraktivität dieser Position erhöht sich noch durch den Umstand, dass Unternehmen tatsächlich auch wie Akteure behandelt werden. Wie die drei Beispiele aus der Einleitung zeigen, besteht ein zumindest subjektiver Anspruch, der Deutschen Bank, den Automobilherstellern und der Credit Suisse Vorwürfe zu machen und von ihnen mehr Verantwortung erwarten zu können. So etwas geht jedoch vernünftigerweise nur bei moralischen Akteuren. Für die Auffassung, dass Unterne

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