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Von Sinnen und Sinn

  • Erscheinungsdatum: 17.07.2006
  • Verlag: Projekt Verlag GbR
eBook (ePUB)
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Von Sinnen und Sinn

Der dritte Band der Reihe Aspekte der Medizinphilosophie, 'Von Sinnen und Sinn', beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten des Begriffs Sinn im interdisziplinären Feld zwischen Medizin, Geistes- und Sozialwissenschaften und ihren angrenzenden Gebieten.
Der Titel greift absichtlich verschiedene Konnotationen des Wortes Sinn auf, die sich in den einzelnen Aufsätzen wiederfinden.
So geht es zum einen um den 'Bedeutungssinn', die Funktion der Sprache für die Konstruktion von Lebenszielen, die Veränderung von Lebenssinn bei Krankheit sowie um die Möglichkeiten der Sprache in Psychoanalyse und Philosophie. Dieser Bedeutungsaspekt des Wortes 'Sinn' wird in noch abstrakterer Form angewandt, wenn es im Weiteren um den Sinn des Gesundheitssystems im systemtheoretischen Sinne als auch um die wissenschaftliche Metapher des Blinden Flecks geht.
Zum anderen greift der dritte Band der Reihe den Bereich Körpersinne wieder auf, der im ersten Band schon eine Rolle gespielt hat. Nicht nur ist von Zungen und Gesichtern in der Bandbreite ihrer etymologischen Wortgeschichte die Rede, sondern auch von der Gefahr der sinnlichen Literatur im historischen Diskurs.
Ergänzt wird der Band um einen dritten Aspekt des Wortes Sinn, den Wahn-Sinn, der schlaglichtartig beleuchtet wird.

Christian Hoffstadt, Dr. phil, Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft an
der Universität Karlsruhe;
Mitbegründer und Reihenherausgeber der Buch- und Veran-staltungsreihe 'Aspekte der
Medizinphilosophie' sowie Begründer und Reihenherausgeber der Buchreihen 'Komik und
Gewalt - Comic and violence - comique et violence' und 'Post-apocalyptic Studies'. Seit 5/2013 Koordinator der Graduiertenakademie der Universität Tübingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 223
    Erscheinungsdatum: 17.07.2006
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783897332980
    Verlag: Projekt Verlag GbR
    Größe: 1394kBytes
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Von Sinnen und Sinn

Wir reden also SINNd wir

Beiträge zur Sinnfrage aus der Psychologie und konkrete Umsetzungen im psychotherapeutischen Prozess

Brit Sesemann

Herantasten an den Sinn

Psychologen wählen gerne den empirischen Zugang zum Thema. Im Vorfeld meiner Beschäftigung mit dem Sinn befragte ich einen achtjährigen Jungen, was der Sinn im Leben sei. Er antwortete mir ohne zu überlegen: "Spaß haben und Freunde finden". Eine ältere Klientin aus der Klinik, in der ich psychotherapeutisch tätig bin, sah mich auf meine Frage nach dem Sinn des Lebens nur misstrauisch an und fragte zurück: "Wie meinen Sie das?"

Einmal auf den Sinn aus, ließ die Schablone meiner selektiven Wahrnehmung einen SPIEGEL-Artikel vom August 2004 in mein Bewusstsein durch, in dem es um "Wunschbestellungen im Universum" ging. Die Autorin Bärbel Mohr des so betitelten Buches beschreibt darin, wie man sich was immer das Herz begehrt per Bestellung im Universum verschaffen kann: einen Lebenspartner, eine neue Wohnung, einen Parkplatz vor der Haustüre oder den Anruf eines Freundes. Eines müsse man dabei jedoch beachten. Man dürfe das Universum auf keinen Fall bei seinen Besorgungen stören. Der Autor des Artikels, Stefan Klein , interpretiert dies im Sinne eines raffinierten Anstoßes einer gezielten selektiven Wahrnehmung. Zum einen bedeutet Wahrnehmung - wie aus der Wahrnehmungspsychologie bekannt - im Wesentlichen ein Übersehen des subjektiv nicht Bedeutsamen. Zum anderen werden durch eine solche Intervention Suchprozesse angeregt. Geht der Wunsch nicht in Erfüllung, wird der Vorfall übersehen, um "das Universum nicht zu stören". Tritt dagegen der Fall ein, dass gerade in diesem Moment ein Parkplatz vor der Haustüre frei wird oder der ersehnte Freund anruft, wird der Wünschende in seinem Vorgehen bestätigt, und es werden wiederum Suchprozesse nach weiteren Übereinstimmungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit in Gang gesetzt. Beide Ausgänge sind damit günstig. Schon aus Ökonomiegründen, so der Autor weiter, braucht das Gedächtnis Ordnung und Sinn, und könne daher nicht immer logisch funktionieren. Evolutionär hat es sich bewährt, dem Zufall zu misstrauen. Kleinkinder würden niemals sprechen lernen, würden sie nicht versuchen, in wiederkehrenden Lauten der Erwachsenen Sinn zu suchen. Forscher würden niemals etwas Neues entdecken, suchten sie nicht nach Zusammenhängen zwischen scheinbar Unverbundenem. Hier wird der Sinn also als Suche nach Verbindung und Bedeutung definiert, ein Mechanismus, der uns Menschen offenbar "am Laufen" hält.

Aber wie sieht es mit dem übergeordneten Sinn im Leben aus? Jener, welcher über den Zusammenhang und die Bedeutung einzelner Ereignisse hinaus unser Leben auf etwas hinstreben lässt? Über dieser Frage geriet ich selbst in die Gefahr einer Sinnkrise und suchte nach Antworten im Bereich der Psychotherapie, wo man unweigerlich auf den Namen Viktor E. Frankl stößt, einen Mann, dem es offenbar nicht schwerfiel, klare Antworten auf die Sinnfrage zu geben, eine Fähigkeit, die mir von Vornherein suspekt ist, dennoch aber Antworten, die zum Nachdenken anregen.

Die Frage nach dem Sinn

Nach Viktor E. Frankl , Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien, Begründer der 'Logotherapie' oder 'sinnorientierten Psychotherapie', der sogenannten dritten Wiener Richtung der Psychotherapie neben Alfred Adler und Sigmund Freud zeigt sich der Sinn im Leben in der Erfüllung und der Begegnung . Auch hier findet man wieder die zwei Bereiche, welche schon unser Achtjähriger angesprochen hatte: die Erfüllung einer konkreten Aufgabe und die Aufnahme sozialer Beziehungen. Frankl postuliert einen Willen zum Sinn als Motivation sui generis. Der Mensch sucht einen Grund zum Glücklichsein, nicht das Glück selbst. Sinn bringt diesen Grund zum Glücklic

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