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'Wir freuen uns, dass Sie da sind!' Beratung und Therapie mit Vätern

  • Verlag: Carl-Auer Verlag
eBook (ePUB)
28,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

'Wir freuen uns, dass Sie da sind!'

Das Thema Väter in Therapie und Beratung erlebt unterschiedliche Wellen der Aktualität. Bei der Arbeit mit Familien und Paaren erscheint es heute dringlicher und komplexer denn je. Dieses Buch gibt Beraterinnen und Beratern in verschiedenen Kontexten zunächst im Überblick Konzepte und Forschungsergebnisse an die Hand. Dem folgt eine breit gefächerte Einsicht in bewährte Praxis der Arbeit mit Vätern auf so unterschiedlichen Feldern wie Frühe Hilfen, Suchtberatung, Behinderung, Strafvollzug oder Gewalt. Die Beiträge des Bandes zeigen, welche enorme praktische Relevanz systemische Ansätze in der Beratungs- und Therapiepraxis haben können, ganz besonders in der Arbeit mit Vätern. Mit Beiträgen von: Volker Baisch - Jörn Borke - Andreas Eickhorst - Jürgen Haas - Michael Matzner - Thomas H. Meyer-Deharde - Melanie Mohme - Christoph Moormann - Hans-Georg Nelles - Elisabeth Nicolai - Rainer Orban - Jürgen Rams - Rüdiger Retzlaff - Ansgar Röhrbein - Sabine Röhrbein - Eberhard Schäfer - Felicia Schröck - Marc Schulte - Jochen Schweitzer - Heike Stammer - Seyhan Tasdemiroglu - Hella-Talina Tatomir - Ludger Thiesmeier - Mete Tuncay - Reiner Weik - Thomas Wendland. Andreas Eickhorst, Dr. rer. nat., Dipl.-Psychologe; Promotion über Vatererleben; wiss. Referent beim Nationalen Zentrum Frühe Hilfen am Deutschen Jugendinstitut in München; zuvor Koordinator des Frühe-Hilfen-Projektes 'Keiner fällt durchs Netz' am Universitätsklinikum Heidelberg; Mitglied im Väter-Experten-Netz Deutschland sowie im Münchner Informationszentrum für Männer; Vorsitzender im Augsburger Väterverein Papagen. Ansgar Röhrbein, Dipl.-Päd.; leitet das Märkische Kinderschutz-Zentrum in Lüdenscheid. Nebenberuflich arbeitet er als Lehrtherapeut für das Helm-Stierlin-Institut (hsi) in Heidelberg und das Institut für systemische Forschung, Therapie und Beratung (ISFT) in Magdeburg, wo er gleichzeitig zweiter Vorsitzender ist. Als Supervisor begleitet er Teams und Unternehmen auf dem Weg zu einer fürsorglichen Mitarbeiterkultur und väterfreundlichen Rahmenbedingungen. Er ist Mitglied im Väterexperten-Netz Deutschland (VEND e.V.) und gestaltet die Väterarbeit in NRW aktiv mit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 285
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783849780395
    Verlag: Carl-Auer Verlag
    Größe: 1602 kBytes
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'Wir freuen uns, dass Sie da sind!'

1 Vatersein heute - Hintergründe und Fakten

Michael Matzner

Zur Bedeutung von Vätern für die Entwicklung von Kindern

Väter sind wichtige Bezugs- und Bindungspersonen ihrer Kinder

Die Bindungsforschung (Grossmann u. Grossmann 2008a) zeigt auf, dass schon Babys Beziehungen aktiv gestalten und frühzeitig, ungefähr gegen Ende des ersten Lebensjahres, zu mehreren Personen Bindungen mit differenten und spezifischen Qualitäten entwickeln können. Der Vater ist somit eine alternative und gleichwertige Bezugsund Bindungsperson für das Kind. Außerdem ermöglicht er dem Kind ergänzend zur Mutter-Kind-Dyade die Konstruktion eines weiteren psychischen Systems in Form der Mutter-Vater-Kind-Triade, womit er auch die Individuation des Kindes fördert. Väter zeigen Neugeborenen gegenüber ebenfalls ein "intuitives Elternverhalten" und sind

"gleichermaßen in der Lage, ein Kind von Geburt an mit der notwendigen Sensitivität angemessen zu betreuen und zu versorgen, sein Bedürfnis nach Kommunikation zu stillen und seine Entwicklung entsprechend zu fördern. Beide Eltern entwickeln unter entsprechenden Bedingungen enge emotionale Beziehungen zum Kind, und das Kind seinerseits entwickelt enge emotionale Beziehungen zu beiden Elternteilen, und zwar individuelle Beziehungen, die eigenständig zu sehen sind" (Fthenakis 1988, S. 283).

Außerdem können zwei elterliche Bezugspersonen Einseitigkeiten in der Erziehung vermeiden und einer symbiotischen Beziehung zwischen dem Kind und einem Elternteil - zumeist der Mutter - vorbeugen.

Väter besitzen "distinktive Charakteristiken"

Väter erfüllen spezifische Funktionen und haben deswegen eine besondere Bedeutung für die Entwicklung ihrer Kinder. Man spricht von den "distinktiven Charakteristiken" des Vaters (Seiffge-Krenke 2004, 2009). Viele Väter gehen mit Kindern anders um als Mütter und ermöglichen ihnen damit wichtige Erfahrungen. Die Betonung spielerischer Aktivitäten fördert die Motorik und die körperliche Entwicklung des Kindes. Väter stimulieren Kinder visuell und akustisch stärker und haben mit ihnen einen aufregenden Körperkontakt. Sie sind eher taktil und kinästhetisch orientiert, während Mütter eher emotional interagieren und auf Nähe bedacht sind. Das Toben und Kämpfen mit dem Vater ist gerade für Jungen sehr wichtig. Es fördert die Übung des Umgangs mit Konfrontationen, Mut und Selbstbehauptung, die Beherrschung der Emotionen, den Respekt vor dem Gegner, das Deuten seiner Körpersprache, das Aneignen von Regeln und nicht zuletzt das konstruktive Kanalisieren von körperlichen Aggressionen und Kräften (Le Camus 2001; Pollack 1998). Dabei sind Väter mit Söhnen tendenziell strenger, wilder und direktiver im Spiel und mit ihren Töchtern eher weicher, vorsichtiger und unterstützender. Interessanterweise sprechen Väter auch anders als Mütter mit ihren Kleinkindern. Ihr Vokabular ist oft präziser und umfassender, sodass die Kinder ihren Wortschatz erweitern können (Seiffge-Krenke 2004; Grossmann u. Grossmann 2008a; Le Camus 2006). Darüber hinaus lenken Väter Lernvorgänge ihrer Kinder oft anders. Sie sind herausfordernder, erschließen ihren Kindern die Umwelt, konfrontieren sie mit Risiken und Gefahren, belassen ihnen größere Freiräume und fördern damit ihre Selbstständigkeit (Seiffge-Krenke 2004, 2009; Ahnert 2010). Ballnik, Martinetz und Ballnik (2005) sprechen in diesem Zusammenhang von der "Weltöffnungsfunktion" des Vaters. Die distinktiven Charakteristiken von Müttern und Vätern sind "zumindest partiell von ihrem biologischen Geschlecht bestimmt" (Le Camus 2006, S. 124). Wenn es also um die optimale Förderung von Jungen und Mädchen geht, sind Väter und Mütter nicht austauschbar. Le Camus (2006) betont wie die Mehrzahl der Experten die große Bedeutung von Elternschaft im Sinne des doppelten Unterschieds der Generationen und der Geschlechter. Infolgedessen favorisiert er einen

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