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Achtsamkeit in der Suchttherapie von Mundle, Götz (eBook)

  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
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Achtsamkeit in der Suchttherapie

Unangenehme Gefühle und Gedanken, innere Anspannung und Craving als drängender Handlungsimpuls sind zentrale Bestandteile von Suchttherapie. Achtsamkeitsbasierte Ansätze in der Suchttherapie fokussieren hierbei nicht auf Veränderung, sondern auf die Fähigkeit, diese schwierigen Gedanken, Gefühle und Handlungsimpulse mitfühlend anzuschauen, ohne diesen folgen zu müssen. Erstmals im deutschsprachigen Raum gibt dieses Buch einen Überblick über achtsamkeitsbasierte Ansätze in der Suchttherapie. Ausführlich dargestellt werden die 'Achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention bei Substanzabhängigkeit & das MBRP Programm', das 'DBT-S-Programm' sowie die Prinzipien von Selbstmitgefühl. Prof. Dr. Götz Mundle ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Als ausgebildeter MBRP- und MBCT-Therapeut und als Leiter des Zentrums für Seelische Gesundheit - Oberberg City Berlin besitzt er eine hohe Expertise im Bereich Suchttherapie und Achtsamkeit.

Produktinformationen

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Achtsamkeit in der Suchttherapie

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Achtsamkeit in der Psychotherapie


"Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenüber steht. Das notwendigste Werk ist stets die Liebe."

Meister Eckhart (1260-1328)

Die Integration von Achtsamkeit in die westliche Psychologie und Psychotherapie wird als "dritte Welle" der Psychotherapie bezeichnet (Heidenreich und Michalak 2009, 2014). Im Gegensatz zur buddhistischen Psychologie wird im heutigen westlichen Verständnis der Psychotherapie versucht, die Essenz buddhistischer Meditationsformen ohne einen "religiösen" Überbau zu übernehmen, wobei buddhistische Philosophie und Psychologie große Überschneidungen aufweisen. Beide Wissenschaften beschäftigen sich mit den Ursachen von Leiden und Möglichkeiten der Befreiung von Leiden.

Trotz der schnellen und weiten Verbreitung der Prinzipien von Achtsamkeit in der Psychotherapie, ergeben sich für Psychotherapeuten, die sich intensiv mit dem Thema Achtsamkeit auseinandersetzen, vielfältige therapeutische und persönliche Herausforderungen. Bei genauerer Betrachtung der Quellen von Achtsamkeit werden viele Grundprinzipien und Selbstverständlichkeiten westlicher Psychologie in Frage gestellt. Veränderungen durch "Nicht-Verändern-Wollen" erreichen zu können, stellt einen Paradigmenwechsel des therapeutischen Grundverständnisses für westliche Therapeuten dar (Weiss und Harrer 2010). Die Integration achtsamkeitsbasierter Therapieprinzipien, wenn diese in ihren Wurzeln und in ihrer Radikalität verstanden und verinnerlicht werden, wirft im therapeutischen Handeln viele Fragen auf, die nicht einfach zu beantworten sind. Wie kombiniere ich eine achtsame Grundhaltung mit notwendigen Veränderungsmodellen westlicher Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie? Welche Möglichkeiten der Ergänzung und welche Grenzen gibt es bei der Integration von Achtsamkeit in unser westlich geprägtes Verständnis von Psychotherapie als aktiven Veränderungsprozess?
Definition von Achtsamkeit

Der Begriff Achtsamkeit beschreibt ein grundlegendes Prinzip buddhistischer Meditationspraxis. Thich Nhat Hanh (1998), ein vietnamesischer buddhistischer Mönch, beschreibt Achtsamkeit wie folgt:

"Achtsamkeit ist die Fähigkeit, in jedem Augenblick unseres täglichen Lebens wirklich präsent zu sein ... Achtsamkeit ist eine Art von Energie, die jedem Menschen zur Verfügung steht. Wenn wir sie pflegen, wird sie stark, wenn wir sie nicht üben, verkümmert sie. ... Achtsamkeit lässt uns erkennen, was im gegenwärtigen Augenblick in uns und um uns herum wirklich geschieht". Und er führt weiter aus: "Wirkliches Leben erfahren wir nur im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit ist schon vorüber, und die Zukunft ist noch nicht da. Nur im gegenwärtigen Augenblick können wir das Leben wirklich berühren."

Grundgedanke dieser Ausführungen ist, dass Lebendigkeit, Lebensqualität und Lebenszufriedenheit im Kern nur im gegenwärtigen Moment erlebbar sind. Mittels Achtsamkeit stärken wir unsere Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu sein und damit unsere Fähigkeit, lebendig zu sein. Aufgabe von Psychotherapie in diesem Grundverständnis ist es, Patienten zu helfen, gegenwärtig zu sein und mittels Achtsamkeit die Fähigkeit zu fördern, den momentanen Augenblick zu erleben und zu akzeptieren, so wie er ist. Psychische Gesundheit setzt in diesem Grundverständnis Achtsamkeit als Grundbaustein der Psychotherapie voraus.

John Kabat-Zinn (1990), einer der wesentlichen Initiatoren achtsamkeitsbasierter Therapieverfahren in der westlichen Psychologie und Medizin, liefert eine nicht religiös gebundene, moderne und praxisorientierte Definition:

Achtsamkeit bedeutet auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein, absichtsvoll ("on purpose"), im gegenwärtigen Augenblick ("present moment") und ohne zu urteilen ("non-judg

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