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ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen

  • Erschienen: 28.06.2012
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist inzwischen auch in der Erwachsenen-Psychiatrie ein anerkanntes Störungsbild. Dessen Behandlung erfordert bei Erwachsenen eine andere therapeutische Herangehensweise als bei Kindern und Jugendlichen. In dem Werk werden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt, auf deren Basis sowohl grundlegendes Wissen über die ADHS als auch besondere Aspekte, wie z. B. Komorbiditäten mit Suchterkrankungen und dem Asperger-Syndrom, beschrieben werden. Ebenso werden häufig begleitende Phänomene wie Kreativität und Delinquenz thematisiert.

Professor Dr. Martin D. Ohlmeier, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, ist Gründer und langjähriger Leiter der ADHS-Ambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2008 ist er Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Kassel. Dr. Mandy Roy ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. Neben der Arbeit in der ADHS-Spezialambulanz hat sie auch eine Spezialambulanz für das Asperger-Syndrom aufgebaut.

Produktinformationen

    Größe: 8309kBytes
    Herausgeber: Kohlhammer
    Untertitel: Ein Praxisbuch für Therapeuten und Betroffene.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 194
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783170274105
    Erschienen: 28.06.2012
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ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen

5 Die Suche nach dem Rausch: Substanzabhängigkeit bei ADHS 1

Vanessa Prox-Vagedes, Martin D. Ohlmeier

Bei Patienten mit einer ADHS besteht eine hohe Prävalenz an komorbiden Abhängigkeitserkrankungen. Wilens (2004) geht davon aus, dass ca. einer von fünf ADHS-Patienten unter einer komorbiden Substanzabhängigkeit leidet. Andere Studien beschreiben sogar eine Komorbidität von bis zu 71 % (Schubiner et al. 2000). Bei Patienten mit ADHS und Substanzmissbrauch kommt es auch zu einem früheren Beginn und einer stärkeren Ausprägung des Substanzmissbrauchs als bei Suchtpatienten ohne ADHS (Carroll u. Rounsaville 1993; Levin u. Kleber 1995; Wilens et al. 1997). Das Durchschnittsalter bei Beginn eines Substanzmissbrauchs bei ADHS-Patienten wurde in einer Studie mit 19 Jahren angegeben, während in einer Kontrollgruppe von Suchtpatienten ohne ADHS die Suchterkrankung im Durchschnitt erst im 22. Lebensjahr begann (Wilens et al. 1997). Andere Autoren beschrieben für ADHS-Patienten ein verdoppeltes Lebenszeitrisiko für eine Suchterkrankung und stellten fest, dass ADHS in Verbindung mit einer komorbiden Störung (Depression, Angststörungen etc.) zusätzlich das Risiko einer Suchtentwicklung erhöht (Biederman et al. 1995; Disney et al. 1999). Insbesondere jugendliche ADHS-Patienten, bei denen eine Komorbidität bezüglich Verhaltensstörungen oder einer bipolaren Störung vorliegt, zeigen ein besonders hohes Risiko für eine Substanzabhängigkeit. Allerdings ist auch bei Jugendlichen mit ADHS ohne weitere Komorbidität das Risiko für eine Substanzabhängigkeit erhöht - häufig findet sich eine Abhängigkeit bereits im jungen Erwachsenenalter (Wilens 2004). Auch eine Langzeitstudie von Mannuzza und Kollegen (1993) konnte zeigen, dass das Risiko für hyperaktive Kinder, im Erwachsenenalter eine Substanzabhängigkeit zu entwickeln, deutlich höher ist als bei gesunden Kontrollprobanden (Mannuzza et al. 1993). Aufgrund dieser Beobachtungen ist bei Vorliegen einer Substanzabhängigkeit das Augenmerk generell auch auf das eventuelle Vorhandensein einer ADHS zu richten, da die Patienten von der Behandlung der Komorbidität unter Umständen erheblich profitieren können. Eine frühzeitige Diagnosestellung erscheint auch in Bezug auf ein erhöhtes Maß an delinquentem Verhalten bei ADHS-Patienten notwendig. Rösler und Kollegen diagnostizierten bei 129 männlichen Gefängnisinsassen in 45 % der Fälle eine ADHS. Nach vorliegenden Untersuchungsergebnissen ist ADHS bei dieser Population auch sehr häufig mit einer Alkohol- und Substanzabhängigkeit kombiniert (Rösler et al. 2004b). Neben der strafrechtlichen Relevanz weisen adoleszente männliche ADHS-Patienten mit einer komorbiden Substanzabhängigkeit ein erhöhtes Risiko auf, einen Suizidversuch zu begehen (Kelly et al. 2004). In dieser Patientengruppe sollte dementsprechend besonders intensiv auf Suizidalität geachtet werden. Die Entwicklung einer Abhängigkeit scheint offensichtlich mit persistierenden ADHS-Symptomen im Zusammenhang zu stehen. In einer Studie von Tarter und Kollegen (2007) wurde die Verbindung zwischen Hyperaktivität in der Kindheit und Substanzabhängigkeit im jungen Erwachsenenalter untersucht. Die Studienergebnisse konnten zeigen, dass das Ausmaß an Hyperaktivität im Kindesalter ein wichtiger Prädiktor für die spätere Entwicklung einer Substanzabhängigkeit ist. Tarter und Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Hyperaktivität zu neurotischen Verhaltensweisen führt, die ein geringes Selbstwertgefühl zur Folge haben, im Zuge dessen es zu sozialem Rückzug und Substanzabhängigkeit kommt. Die Ergebnisse dieser Studie weisen somit darauf hin, dass "Hyperaktivität" als Risikofaktor sowohl für internalisierte als auch externalisierte Störungen zu betrachten ist (Tarter et al. 2007). Auch die Gruppe um Elkins konnte zeigen, dass Hyperaktivität beziehungsweise Impulsivität auf spätere Probleme mit Substanzmissbrauch hinweist. Selbst ein einzelnes ADHS-

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