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ADHS in Schule und Unterricht Pädagogisch-didaktische Ansätze im Rahmen des multimodalen Behandlungskonzepts von Frölich, Jan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.11.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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ADHS in Schule und Unterricht

Viele Studien haben mit genetischen, neurobiologischen und -psychologischen Befunden zum besseren Verständnis von ADHS beigetragen. Doch es fehlt nach wie vor an theoriegeleiteten Interventionen, die es Lehrern und Therapeuten ermöglichen, aus einer Kenntnis der neurobiologischen Ursachen heraus effektive pädagogische und didaktische Maßnahmen abzuleiten. Dabei geht es auch um motivationale und gedächtnisbezogene Aspekte. Das Buch verbindet aktuelle Forschungsergebnisse mit pädagogisch-didaktischen Konsequenzen und handlungsanleitenden Schritten.

Priv. Doz. Dr. Dr. Jan Frölich ist als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in freier sozialpsychiatrischer Praxis in Stuttgart niedergelassen. Professor Dr. Manfred Döpfner, Dipl.-Psych., ist Leitender Psychologe der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität Köln. Professor Dr. med. Tobias Banaschewski ist Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am ZI in Mannheim.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 20.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170269422
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 1852 kBytes
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ADHS in Schule und Unterricht

2 Ursachen und Entwicklung der ADHS


Die verursachenden Grundlagen der ADHS werden in einem Zusammenspiel komplexer biologischer und psychosozialer Faktoren vermutet, im Sinne eines biopsychosozialen Störungsmodells. Grundsätzlich ist von einer erhöhten biologischen Vulnerabilität, d. h. Anfälligkeit, eine ADHS zu entwickeln, auszugehen, in welche sowohl genetische als auch neurobiologische Faktoren (z. B. weitere von einer ADHS betroffene Familienmitglieder, Frühgeburtlichkeit, Noxen während der Schwangerschaft) einfließen. Die ADHS-Symptomatik manifestiert sich häufiger in klinisch signifikanter Form, wenn eine starke Disposition dazu vorliegt. In diesen Fällen sind die Kinder bereits sehr früh in der Entwicklung auffällig, z. B. in Form ausgeprägter Schlafstörungen im Säuglingsalter sowie starker motorischer Unruhe und Impulsivität bereits im Kleinkindalter. In den meisten Fällen spielt für die Symptomausprägung aber auch eine unzureichende äußere, pädagogische Steuerung eine wichtige Rolle als auch im schulischen Verlauf der Grad der Anforderungen an das Kind im Hinblick auf eine angemessene Regulationsfähigkeit der Aufmerksamkeit sowie der Impulskontrolle. Je höher die diesbezüglichen Anforderungen sind, desto eher wird die ADHS-Symptomatik erfahrungsgemäß beeinträchtigend zum Vorschein kommen. Umgekehrt ergeben sich hieraus natürlich auch durchaus Ansätze für kompensatorische Einflüsse.

Tabelle. 2.1 gibt eine Übersicht über bedeutsame Faktoren für die Ursachen und Entstehung der ADHS:

Tab. 2.1: Bedeutsame Faktoren für die Ursachen und Entstehung der ADHS (adaptiert nach Remschmidt & Heiser, 2004)

Im Einzelnen können folgende pathogenetisch, d. h. ursächlich wirksame Faktoren beschrieben werden:
2.1 Genetische Aspekte

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen weisen eine stark erhöhte genetische Belastung auf. Hierzu einige Häufigkeitsangaben: Das Risiko, an einer ADHS zu erkranken, ist 8-fach erhöht bei Verwandten ersten Grades von Kindern, die von einer ADHS betroffen sind (Mick & Faraone, 2008; Waldman & Gizer, 2006). Zwischen 10 und 35% der Geschwister und der Eltern von Kindern mit einer ADHS sind selbst von dem Störungsbild betroffen (Faraone et al., 1995). Kinder von Erwachsenen mit einer ADHS haben ein Risiko von 40 bis 60%, selbst betroffen zu sein (Kessler et al., 2006). Hervorzuheben ist zudem, dass Begleitstörungen, namentlich Störungen des Sozialverhaltens, Substanzmissbrauch und depressive Störungen, verstärkt bei Familienangehörigen auftreten, deren Kinder von einer ADHS in Verbindung mit einer Störung des Sozialverhaltens betroffen sind (Waschbusch, 2002). Es wird vermutet, dass so genannte hyperkinetische Störungen des Sozialverhaltens, bei denen eine ADHS in Kombination mit einer Störung des Sozialverhaltens auftritt, einen unabhängigen Subtyp der ADHS darstellen.

Sowohl Adoptionsstudien als auch Zwillingsstudien weisen eine hohe Heritabilität (Erblichkeit) auf von 0.76. Dieser Grad der Erblichkeit entspricht ungefähr dem, wie er vergleichsweise für die Körpergröße veranschlagt wird (0.8 bis 0.91) und ist sogar höher als der für die Intelligenz (0.55 bis 0.70) (Faraone et al., 2005). Dies bedeutet, dass ADHS zu denjenigen psychischen Störungen gehört, welche mit am stärksten durch genetische Faktoren beeinflusst werden. Die verbleibenden 20 bis 25% der phänotypischen Varianz 2 erklären sich durch sozialisationsbedingte und sozioökonomische Faktoren als auch individuelle Faktoren, wie Frühgeburtlichkeit oder pränatale Schädigungen durch Alkohol- oder Substanzmissbrauch (Waldman & Gizer, 2006).

Molekulargenetische Untersuchungen konnten so genannte Kandidatengene 3 identifizi

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