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Akute Belastungsstörung Ein Therapiemanual von Kröger, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
eBook (PDF)
32,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Akute Belastungsstörung

Nach belastenden Ereignissen, z.B. einem Verkehrsunfall, körperlicher bzw. sexueller Gewalt oder gar einer Großschadens- und Katastrophenlage, entwickelt ein Teil der Betroffenen eine akute Belastungsstörung. Allerdings werden die Betroffenen häufig nicht erkannt und ausreichend versorgt. Um die psychosoziale Notfallversorgung von Opfern, Angehörigen und Einsatzkräften zu verbessern, wurde dieses Manual entwickelt. Es stellt zunächst präventiv angelegte Versorgungskonzepte vor, die international empfohlene psychosoziale Interventionen berücksichtigen und erläutert anschließend praxisorientiert ein sieben Sitzungen umfassendes Programm zur kognitiv-behavioralen Behandlung der akuten Belastungsstörung. Ziel der traumafokussierenden Behandlung der akuten Belastungsstörung ist es, zwei bis drei Wochen nach dem traumatischen Ereignis in kurzer Zeit die aufgetretenen Beschwerden zu normalisieren, ein individuelles Störungsverständnis mit dem Betroffenen zu entwickeln, Intrusionen, Vermeidungsverhalten und Übererregung zu reduzieren, negative Bewertungen und Interpretationen zu modifizieren und die Anwendung der gelernten Fertigkeiten im Selbstmanagement zu fördern. Konkrete Handlungsanleitungen, zahlreiche Fallbeispiele und wörtliche Dialoge veranschaulichen das therapeutische Vorgehen. Zudem werden Hinweise gegeben, wie bei extremer Traumatisierung und bei posttraumatischen aufgetretenen Emotionen wie Wut, Scham, Schuld und Ekel vorgegangen und wie der Einbezug von Angehörigen gestaltet werden kann. Der Umgang mit Hindernissen vor und während der konkreten Umsetzung der einzelnen Behandlungsschritte wird praxisorientiert erörtert. Diagnostische Instrumente und Therapiematerialien, die zusätzlich auf einer CD-ROM vorliegen, bieten konkrete Hilfestellungen bei der einzelfallbezogenen Erfassung der Beschwerden und der anschließenden Behandlung.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 148
    Erscheinungsdatum: 01.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840924187
    Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
    Größe: 3140 kBytes
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Akute Belastungsstörung

2.6 Differenzialdiagnosen

Um die ABS in Betracht zu ziehen, müssen die Kriterien für ein traumatisches Ereignis erfüllt sein. Bei kritischen Lebensereignissen, die eine ähnliche Symptomatik, wie bei der ABS beschrieben, hervorrufen können (u. a. sexuelle, außerpartnerschaftliche Beziehung, Entlassung aus einem langjährigen Beschäftigungsverhältnis), wird die Diagnose einer Anpassungsstörung vergeben. Liegen in ausreichender Anzahl posttraumatische Symptome vor, wird aber das Zeitkriterium von einem Monat überschritten, muss eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden. Eine ABS sollte nicht vergeben werden, wenn damit nur eine Verschlechterung einer bereits vorher bestehenden psychischen Störung dargestellt werden soll.

Normale Trauerreaktionen können kurzfristig eine ähnliche Reaktion hervorrufen und schließen keine ABS aus. Voraussetzung ist das Versterben einer nahe stehenden Person. Die Stimmung ist weniger ängstlich, sondern eher traurig bzw. niederge schlagen. Der Betroffene beschäftigt sich eher mit der Bedeutung der Person und dessen Verlust als vielmehr mit dem konkreten Ereignis. Nach interpersonellen traumatischen Ereignissen treten häufig Symptome wie Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle und Suizidalität auf, so dass auch eine Episode der Major Depression (zusätzlich) vorliegen kann.

Ausgeschlossen werden sollten psychische Störungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors (u. a. in Folge von Kopfverletzungen während des traumatischen Ereignisses) und substanzinduzierte Störungen (u. a. nach Alkoholintoxikationen). Einige Betroffene erleben unter extremer Belastung psychotische Symptome. In einem solchen Fall sollte eine Kurze Psychotische Störung diagnostiziert werden.

Wenn finanzielle Wiedergutmachung, versicherungsrechtliche Ansprüche, die Entlastung bzw. berufliche Freistellung durch die Krankenrolle oder forensische Fragestellungen eine Rolle spielen, sollte Simulation ausgeschlossen werden.

Kapitel 3 Störungsmodelle

Da nur ein Teil der Betroffenen mit ABS eine PTBS entwickeln und eine PTBS auch ohne eine vorhergehende ABS auftreten kann, spricht das für zusätzliche moderierende Faktoren. Im Folgenden sollen daher psychophysiologische und kognitive Reaktionen beschrieben werden, die einen Erklärungsbeitrag zur Entwicklung der posttraumatischen Symptomatik leisten können.

3.1 Welchepsychophysiologischen Reaktionen begünstigen die Entwicklung einer anhaltenden posttraumatischen Belastung?

Die Beobachtung psychophysiologischer Prozesse und neuroanatomische Funktionen haben zu Modellen geführt, die inzwischen eine erhebliche Bedeutung gewonnen haben (siehe Bryant, 2003b; Yehuda, 2001, für Übersichtsarbeiten).

3.1.1 Furchtkonditionierung

Basierend auf der Beobachtung einer erhöhten Reaktivität auf traumaassoziierte Reize wird angenommen, dass während des traumatischen Ereignisses die Freisetzung von Stresshormonen (u.a. Norepinephrine, Epinephrine und Kortisol) an zahlreiche neutrale Stimuli konditioniert werden. Anschließend können diese konditionierten Stimuli immer wieder eine sympathisch gesteuerte Erregung (z. B. einen höheren Blutdruck und Hautleitwiderstand) hervorrufen. Die Amygdala sorgt dafür, dass die traumaassoziierten Stimuli mit der Erregung assoziiert werden. Hinweise auf eine erhöhte sympathische Erregung wurden als Merkmal genutzt, um Personen mit einem erhöhten Risiko für PTBS zu identifizieren (vgl. Kasten).

Neuroanatomisch werden meist zwei Verarbeitungswege unterschieden (Brewin, 2001; Phelps & LeDoux, 2005): Erfolgt keine Verarbeitung der eingehenden Informationen über den Hippokampus und (lateralen) präfrontalen Kortex, der wahrgenommene Reize basierend auf deklarativen Gedächtnisinhalten differenziert bewertet und integriert, sondern erreichen die Informationen direkt die Amygdala, werden sie lediglich als Sinneseindrücke gespeichert. In dieser Form abgespei

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