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Angststörungen im Alter von Schmidt-Traub, Sigrun (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag
eBook (PDF)
26,99 €
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Angststörungen im Alter

Ängste sind im Alter sehr viel weiter verbreitet als bislang angenommen. Angststörungen im Alter werden häufig übersehen und bleiben daher unbehandelt. Meist treten sie gemeinsam mit Depressionen und verschiedenen körperlichen Erkrankungen auf. Ältere Personen begeben sich eher ungern in Psychotherapie und Psychotherapeuten schrecken häufig davor zurück, mit älteren Patienten zu arbeiten, obwohl diese meistens gut auf kognitive Verhaltenstherapie ansprechen. Der Band informiert über Angststörungen im Alter und zeigt Therapiemöglichkeiten auf. Das Buch informiert ausführlich über das Alter und den Alterungsprozess und geht auf die Diagnostik von Angststörungen ein.

Die weiteren Kapitel stellen verschiedene Angststörungen dar und beschreiben Besonderheiten der Behandlung von alten und hochbetagten Menschen. Multimodale, evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten auf der Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie werden insbesondere umfassend für die generalisierte Angststörung vorgestellt, da diese im Alter am häufigsten vorkommt. Es werden auch störungsübergreifende Behandlungsbausteine aufgezeigt, die sich gleichzeitig für die Behandlung von depressiven Störungen eignen. Ergänzt werden sie durch Behandlungsvorschläge für altersspezifische Begleitprobleme, wie Schlafstörungen, Schmerzen oder Inkontinenz. Zahlreiche Behandlungsbeispiele mit alten und hochbetagten ängstlichen Menschen veranschaulichen das therapeutische Vorgehen. Das Buch schließt damit eine Lücke bei der Behandlung von Ängsten im Alter.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840923289
    Verlag: Hogrefe Verlag
    Größe: 6386 kBytes
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Angststörungen im Alter

3 Überlegungen zu Diagnostik und Therapie von Angststörungen im Alter (S. 72-73)
Sofern sie nicht dement sind, erfüllen auch ältere Patienten die psychischen Voraussetzungen für eine psychotherapeutische Behandlung. In einer vergleichenden Studie zur Psychotherapiefähigkeit von älteren und jüngeren Patienten, die in einer Ambulanz behandelt wurden, konnten in den untersuchten Gruppen keine Unterschiede in der Eingangsdiagnostik oder Diagnosehäufi gkeit – das galt für alle psychischen Störungen – gefunden werden (Maercker et al., 2004). Die älteren Patienten zeigten jedoch eine höhere psychische Funktionsfähigkeit und in zwei von acht interpersonellen Merkmalen sogar günstigere Ausgangswerte. Die von ihnen benötigte Anzahl von psychotherapeutischen Behandlungsstunden war infolgedessen auch signifi kant geringer (nur 21) als bei jüngeren Erwachsenen.

Warum besteht aber bei älteren Menschen eine geringere Nachfrage nach Psychotherapie? In Kindheit, Jugend und jüngerem Erwachsenenalter der Geburtskohorten aus den zwanziger und dreißiger Jahren grassierten noch starke Vorurteile gegenüber psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung. Vorurteile bestanden bei Psychiatern und Psychotherapeuten ebenso wie bei Patienten. In der psychiatrischen Lehrmeinung der Nachkriegsjahre wurden Kriegsheimkehrer trotz schrecklicher Fronterfahrungen in der Regel für psychisch unversehrt erklärt. Die meisten Psychiater jener Zeit erwarteten von ihren Patienten, dass sie trotz aller Widrigkeiten des Lebens hartnäckig und mit Willenskraft zupacken (Goltermann, 2009). Wen wundert es, dass die meisten Vertreter dieser Altersgruppen heute noch psychische Probleme für Schwäche halten und sie deshalb eher verschweigen als in psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung zu gehen.

Psychotherapie wird aber nicht nur aus Schamgefühlen oder Vorurteilen (vgl. S. 91) von älteren Menschen gemieden. Manchmal spielen auch ganz pragmatische Gründe eine Rolle, wie körperliche Bewegungseinschränkungen oder der Geldmangel für Fahrkarten zur Praxis. Nicht zuletzt wissen viele Senioren nicht, dass ihnen psychotherapeutische Behandlung als Leistung der Krankenkasse zusteht.

Hausärzte und Internisten sind häufig die erste Anlaufstelle für ältere Patienten. Nicht immer wird nach psychischen Problemen gefragt. Die diagnostische Nosologie wird zudem erheblich erschwert durch komorbide somatische Erkrankungen, Medikamentenwirkungen und funktionelle Einschränkungen. So kommt es, dass in etwa 50 % der Fälle bei älteren Menschen Angststörungen übersehen werden (Ayers et al., 2007, Wisocki, 2002). Nach der Auswertung von einschlägigen Studien nennen Ayers et al. (2007) und Boerner (2004) folgende Gründe für das häufi ge Übersehen von Angststörungen im Alter:

- Pathologische Ausprägungen der Angst lassen sich bei Betagten nicht so leicht von normaler Angst unterscheiden. Herausforderungen im Alter, wie z. B. das Ausscheiden aus dem Beruf, Leistungseinbußen oder Sterben und Tod von Nahestehenden, lösen bei vielen älteren Personen Ängste aus. Angesichts solcher Erfahrungen würden auch eine ganze Reihe von jüngeren Personen Angst bekommen. Diese normalen Ängste im Alter tragen dazu bei, irrationale Ängste zu überlagern.

- Angststörungen stellen sich im Alter etwas anders dar. Die geringere Bewegungsfreude und das soziale Rückzugsverhalten von älteren Menschen mit agoraphobischen und sozial-phobischen Ängsten werden von den Betroffenen oftmals selbst und von ihren Ärzten als Alterserscheinungen abgetan und heruntergespielt.

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