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Autismus Eine sehr kurze Einführung von Frith, Uta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.05.2015
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (ePUB)
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Autismus

Autismus ist eine Störung, die zurzeit in aller Munde ist. In der Literatur und in Filmen und Reportagen wird dabei oft über Menschen berichtet, die einerseits sehr viele alltägliche Dinge nicht tun können, andererseits aber über absolut faszinierende Inselbegabungen verfügen. Doch wie sieht die Realität hinter dieser Berichterstattung aus?

Diese Sehr kurze Einführung bietet einen klaren Überblick über den aktuellen Wissensstand zu Autismus und zum sog. Asperger Syndrom. Uta Frith, eine herausragende Expertin zum Thema, erklärt das breite Spektrum an verschieden Störungsformen, das sich hinter diesen beiden Bezeichnungen verbergen kann. Die Autorin geht der Frage nach, ob es tatsächlich zu einem plötzlichen Anstieg der Erkrankungszahlen gekommen ist, und sie stellt die neurowissenschaftlichen, psychologischen, genetischen und Umweltfaktoren vor, die Einfluss nehmen können beim Auftreten dieser Störung.

Dieses kurze und gut lesbare Buch klärt zudem die psychologischen Hintergründe des Savant-Phänomens und gibt wertvolle Einblicke darin, wie es sich anfühlt, als Menschen mit Autismus Spektrum Störung zu leben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 209
    Erscheinungsdatum: 07.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456752945
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Übersetzt von: Übersetzung: Neubauer, Jürgen
    Originaltitel: Autism
    Größe: 5019kBytes
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Autismus

[9] Kapitel 1

Das Autismusspektrum

Ist es Autismus?

Stellen Sie sich eine junge Mutter mit ihrem Kind vor. Sie liebt ihr Söhnchen heiß und innig, und er ist ein hübsches Kerlchen. Doch gelegentlich spürt sie die nagende Frage in sich aufkommen, ob Mickey wirklich ein normaler, glücklicher Junge werden wird. Woher soll sie zum Beispiel wissen, dass er nicht unter Autismus leidet? Das Thema macht immer wieder Schlagzeilen. Immerhin soll fast ein Prozent aller Kinder von Autismus betroffen sein, und Jungen sogar fünfmal so häufig wie Mädchen.

Der Gedanke, dass ihr eigenes Kind autistisch sein könnte, weckt alle möglichen Ängste. Aber was sind die ersten Anzeichen des Autismus? Hat es etwas zu bedeuten, dass Mickey viel weint, wenig schläft und sich nur schwer beruhigen lässt? Dianes Mutter behauptet zwar, das sei völlig normal. Doch Diane macht sich Sorgen, dass Mickey sich nicht immer zu ihr umdreht, wenn sie von der anderen Seite des Zimmers aus nach ihm ruft.

[10] Diane begann, sich mit dem Thema Autismus zu beschäftigen, doch die Information trug nicht zu ihrer Beruhigung bei. Sie las, dass autistische Kinder oft erheblich in ihrer allgemeinen Entwicklung zurückblieben. Bei vielen Kindern wurden die ersten Symptome erst im zweiten Lebensjahr erkennbar. Manche Kinder lernten nicht sprechen, andere waren kleine Genies. Wie viele Menschen, die zum ersten Mal mit dem Thema Autismus in Berührung kommen, war Diane einerseits verwirrt, aber andererseits auch neugierig.

Das Rätsel Autismus

Auch ich war verwirrt und neugierig, als ich als Studentin in den 1960er-Jahren zum ersten Mal dem Thema Autismus begegnete. Mehr noch, die Kinder, die ich während meiner Ausbildung zur klinischen Psychologin im Londoner Maudsley Hospital kennenlernte, faszinierten mich und stellten mich vor ein Rätsel. Genau diese Faszination war es auch, die mich motivierte, keine Anstellung als klinische Psychologin anzunehmen, sondern mich der Forschung zuzuwenden. Damals arbeiteten vier Pioniere der Autismusforschung am Maudsley Hospital: der Kinderpsychiater Michael Rutter, die Epidemiologin Lorna Wing und die Psychologen Neil O'Connor und Beate Hermelin. Ich hatte einige ihrer Aufsätze gelesen, aber ich hatte keine Ahnung, dass sie alle in demselben Krankenhaus arbeiteten.

[11] In ihren Aufsätzen schilderten die Wissenschaftler fortschrittliche Wahrnehmungs- und Gedächtnisexperimente, die sie mit autistischen Kindern durchgeführt hatten. In diesen Experimenten verglichen sie Kinder, die als geistig behindert galten, mit Kindern, die damals zum ersten Mal überhaupt als autistisch bezeichnet wurden, und stellten eindeutige Unterschiede fest. Diese Unterschiede waren ein Hinweis auf einen unterschiedlichen Verstand und ließen sich nicht durch mangelnde Intelligenz oder Motivation wegerklären. Ich staunte über die Eleganz der Experimente und darüber, dass sie derart eindeutige Ergebnisse erbrachten. Beate Hermelin und Neil O'Connor hatten Möglichkeiten gefunden, Fragen zu beantworten, die mir damals großes Kopfzerbrechen bereiteten. Warum sind autistische Kinder zum Beispiel außerstande, scheinbar einfache Aufgaben zu erledigen? Und warum fällt es ihnen leicht, Aufgaben zu lösen, die anderen Kindern Schwierigkeiten bereiten? Warum ist ein Kind, das ein gutes Gedächtnis für Wörter besitzt, nicht in der Lage, deren Bedeutung zu verstehen? Diese Widersprüche und Rätsel sollten mich nicht mehr loslassen und motivierten mich, nach Antworten zu suchen.

Auch vierzig Jahre später ist die Faszination dieselbe geblieben. Auf einige meiner Fragen haben wir zwar inzwischen Antworten gefunden, die ich in diesem Buch vorstelle, doch es gibt nach wie vor viel zu [12] entdecken, und das Rätsel Autismus ist nach wie vor ungelöst.

Schon sehr früh machte ich die Erfahrung, dass beim Autismus nichts so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Nur weil ein Kind nicht auf I

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