text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Bipolare Störungen

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
30,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Bipolare Störungen

Die Versorgungssituation in Deutschland weist für Menschen mit bipolaren Störungen deutliche Defizite auf und entspricht häufig nicht den Bedürfnissen der Patienten und ihrer Angehörigen. Der Behandlungspfad Bipolare Störungen stellt ein ambulantes Versorgungsmodell für eine leitliniengerechte und schnittstellenübergreifende Behandlung bipolarer Patienten vor. Ziele dabei sind, Abläufe zu standardisieren, zu koordinieren und Transparenz zu schaffen für Leistungserbringer und Patienten. Der Behandlungspfad ist ein innovatives Instrument zur Verbesserung der Therapie von an bipolaren Störungen erkrankten Menschen. Denise Kästner (Dipl.-Psych.), Dorothea Büchtemann (Dipl.-Soz.), Steffi Giersberg (Dipl.-Sozialpäd.), Christian Koch und Dr. Anke Bramesfeld haben während ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeitende im Kompetenztandem 'Vernetzte Versorgung' des Innovations-Inkubators der Leuphana Universität Lüneburg maßgeblich an der Erstellung des Behandlungspfades mitgewirkt. Prof. Dr. Wolfram Kawohl ist Stv. Chefarzt und Leiter des Zentrums für Soziale Psychiatrie an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und Privatdozent an der Med. Fakultät der Universität Zürich. Er ist als Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg tätig. Dr. Jörn Moock (Dipl.-Soz.) verantwortet die Koordination und operative Leitung des Kompetenztandems 'Vernetzte Versorgung'. Prof. Dr. Wulf Rössler (Dipl.-Psych.), langjähriger Klinikdirektor und Vorsteher an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK), lehrt als Seniorprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Universität Sao Paulo.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Bipolare Störungen

3 Ergebnisse

3.1 Defizite in der Versorgung bipolarer Störungen

Versorgungsprobleme, die im Rahmen des Needs Assessment in Literatur und Experteninterviews beschrieben wurden, treffen teilweise nicht nur auf bipolare Störungen zu, sondern gelten für schwere psychische Erkrankungen generell, wie z. B. die fehlende strukturierte Diagnostik, die Einbeziehung von Angehörigen und knappe Behandlungskapazitäten bei Ärzten und Psychotherapeuten. Spezifisch für bipolare Erkrankungen zutreffende Versorgungsdefizite sollen jedoch im Folgenden im Zentrum stehen.
3.2 Diagnostik

Unter- und Fehldiagnostik

Unter- und Fehldiagnostik, vor allem der hypomanischen Phasen und bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, kommen häufig vor. Zwischen 9 und 12 Jahre vergehen zwischen den ersten Symptomen und der korrekten Diagnose. Dadurch verzögert sich der Beginn einer adäquaten Behandlung und das Risiko für ungünstigere Verläufe steigt (Bauer et al. 2008; Hauser et al. 2007; Pfennig et al. 2011).

Mangelnde Anwendung der internationalen diagnostischen Kriterien und unzureichendes Abfragen, aber auch - auf Patientenseite - Erinnern eventueller vergangener affektiver Episoden werden als Ursachen benannt (Bauer et al. 2008; Braeunig und Krueger 2011; Bruchmüller und Meyer 2009; Wolkenstein et al. 2011). Gerade bei Patienten mit wenigen oder mehrdeutigen Symptomen ist die Trefferquote dann gering (Braeunig und Krueger 2011; Bruchmüller und Meyer 2009; Meyer und Meyer 2009; Wolkenstein et al. 2011). Aus Expertensicht tragen ferner Hemmungen auf Seiten des Patienten im Anamnesegespräch, Stigmatisierung, fehlender Leidensdruck bei Hypomanie sowie speziell bei Hausärzten und Psychotherapeuten auch mangelnde Kenntnisse und Erfahrung mit bipolaren Störungen [FAP; FAW; P; PTE; PTP] 4 zu den diagnostischen Problemen bei.

Als Lösungsansätze werden vor allem die Dissemination der strukturierten Diagnostik empfohlen (Bruchmüller und Meyer 2009; Wolkenstein et al. 2011), [P; PTE; PTP] sowie die Sensibilisierung und ggf. Schulung der Hausärzte, die oft die erste Anlaufstelle der Patienten sind [FAP; PTE].
3.3 Psychiatrische Behandlung und Pharmakotherapie

Ein wichtiges Versorgungsdefizit in der ambulant-psychiatrischen Behandlung, nicht nur bipolarer Patienten, liegt nach übereinstimmenden Aussagen der befragten Experten im Zeitmangel der Fachärzte ("Fünf-Minuten-Praxis", A). Dieser bewirkt zum einen lange Wartezeiten auf einen (Erst-)Termin, zum anderen fehlt die Zeit für Gespräche, für die Einbeziehung des Patienten und für ein stringentes Monitoring von Wirkungen und Nebenwirkungen. Bedarfsorientierte, kurzfristige oder engmaschige Termine in Akut-, Krisen- und Entlassungssituationen sind kaum realisierbar mit der möglichen Folge eskalierender Episoden und (erneuter) Krankenhausaufenthalte [A; FAW; GP; P; PTE]. Ferner wird kritisiert, dass Ärzte sich nicht ausreichend mit Patientenrechten und den Bestimmungen des Betreuungsrechts auskennen würden, sodass teilweise über den Patienten hinweg gehandelt und entschieden werde [A].

Evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen

Bezüglich der Pharmakotherapie werden in der Literatur die verordneten Medikamente, deren Nebenwirkungen und Monitoring sowie die Medikamentenadhärenz thematisiert. Im Gegensatz zu aktuellen Empfehlungen weisen Untersuchungen auf einen Trend zu Kombinationstherapien mit mehreren Wirkstoffen sowie auf einen relativ geringen Anteil an Lithium-Nutzern hin: Nach Schätzung von Pfennig et al. (2011) wird nur jeder siebte Patient mit Lithium behandelt und laut Quante et al. (2010) erhalten nur 54 % der Patienten eine Monotherapie (Pfennig et al. 2011; Quante et al. 2010; M

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen