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Das Messie-Syndrom Phänomen, Diagnostik, Therapie und Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2009
  • Verlag: Springer-Verlag
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Das Messie-Syndrom

Messies (von mess, engl., Unordnung) werden Menschen genannt, die ihren Lebensbereich drastisch einschränken, indem sie zum Beispiel ihre Wohnungen mit Dingen überfüllen. Mit diesem Buch wird das Phänomen erstmals wissenschaftlich und klinisch beschrieben. Die dahinter liegenden psychodynamischen Prozesse werden ebenso behandelt wie die Gruppenpsychoanalyse für Messies oder die Wirkung von Selbsthilfegruppen. Ziel ist es, das Messie-Phänomen besser zu verstehen, um dann Konsequenzen für die psychotherapeutische Arbeit abzuleiten.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 324
    Erscheinungsdatum: 30.09.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783211765203
    Verlag: Springer-Verlag
    Größe: 2885 kBytes
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Das Messie-Syndrom

Die Messie-Bewegung in der Schweiz (S. 189-190)

Johannes von Arx

1. Die Anfänge

Die Messie-Bewegung in der Schweiz hat einen genauen Geburtsmonat: September 2001. Man müsste eigentlich von einer Zwillingsgeburt sprechen: Zum einen wurde in Zürich am 6. September die erste Selbsthilfegruppe der Schweiz gegründet. Zum anderen erreichte am 28. September das Schweizer Fernsehen mit der populären Sendung "Quer" erstmals eine breite Öffentlichkeit zum Thema "Messie". Danach setzte sich die Reihe an Publikationen in ziemlich regelmäßiger Folge fort.

Die Vorgeschichte: Im Juli 2001 erhielt der Fachpsychologe Heinz Lippuner von der Offenen Tür Zürich (OTZ, eines der schweizerischen Selbsthilfezentren, vergleichbar mit der "Ambulanz" der SFU) einen Anruf aus Deutschland, die Hilferufe von Schweizerinnen und Schweizern, welche namentlich über deutsche Fernsehsendungen zum ersten Mal das Wort "Messie" gehört hätten, häuften sich. Das waren Betroffene, welche Hilfe suchten. Lippuner selbst wurde schlagartig mit einem Problem konfrontiert, das ihm bis dato unbekannt war. Doch das löste bei ihm den Impuls aus, in der Schweiz die erste Messie-Selbsthilfegruppe zu begleiten und in der Folge auch eng am Thema zu bleiben und die sich bildende Bewegung zu unterstützen.

Er war es denn auch, der am Abend des 6. Septembers ein gutes Dutzend Frauen und Männer in der OTZ begrüßte. Obwohl das Wort "Messie" zum damaligen Zeitpunkt fast gänzlich unbekannt war, trafen sich ungewöhnlich viele Hilfesuchende. Für diesen Gründungsabend der ersten Messie-Selbsthilfegruppe war bloß mit Flugblättern in Praxen von Ärzten und Psychologen sowie in zwei großen Konsumentenzeitungen geworben worden. Diese Schar gespannter und redelustiger Messies erzählte teilweise abenteuerliche Messie-Geschichten. Aber nicht nur solche. Die Aussage einer Berufskollegin, welche der Schreibende von viel früher her kannte, zeigte auf eindrückliche, unvergessliche Art das große Spektrum des Selbstverständnisses der Messies: "Ein leerer Schreibtisch, ein Bleistift und ein Schreibblock genügen - damit richte ich ein Chaos an". Mit den üblichen Abgängen nach ein paar Abenden und Zuzügen kam damit eine recht geschlossene Gruppe zustande, welche mehr als fünf Jahre zusammenblieb.

2. Die Messie-Thematik in den Medien

Durch die Ankündigung der Gruppengründung wurde auch das Schweizer Fernsehen auf das Messie-Thema aufmerksam. Dessen Sendung "Quer" befasste sich jeweils freitags mit besonderen menschlichen Problemen, Schicksalen, Randgruppen. Einen Betroffenen, Melchior, hatten die Sendungsmacher bereits gefunden. Man wollte jedoch zwei Messies porträtieren, die bereit waren, ihre Wohnung filmen zu lassen und vor der Kamera auszusagen. Weil die Zeit drängte, wandten sich die Produzenten des Fernsehens in der Hoffnung, im Kreis der eben gegründeten Selbsthilfegruppe jemanden zu finden, an Lippuner. Mit dem Einverständnis auch der Gruppe stellte ein Redakteur zu Beginn des zweiten Abends der Selbsthilfegruppe sein Anliegen vor.

Wiederum ein Glücksfall war, dass ich mich im Rahmen einer langjährigen Psychotherapie auch mit meinem Messiesein auseinandergesetzt hatte. Dies nicht nur auf das Problem bezogen, sondern auch aus der Warte des freien Journalisten, der ich ja bin. Ich erkannte, dass es sich um ein absolutes Tabuthema handelt und eine breite und seriöse Aufklärungsarbeit dringend vonnöten war. Weiters überlegte ich mir nicht nur, ob ich mich in diesem Themenfeld engagieren, sondern auch, ob ich mich - falls geboten - persönlich outen soll.

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