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Depressive Störungen bei Krebserkrankungen Psychodynamische Therapie

  • Verlag: Hogrefe Verlag
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Depressive Störungen bei Krebserkrankungen

Depressive Störungen stellen die häufigste psychische Begleiterscheinung bei Krebserkrankungen dar. Dieser Band stellt ein manualisiertes Behandlungskonzept vor, das zur psychotherapeutischen Behandlung von Krebspatienten mit einer depressiven Erkrankung entwickelt wurde. Das einleitende Kapitel gibt grundlegende Informationen über Besonderheiten depressiver Erkrankungen bei Krebspatienten, depressive Störungsbilder, Epidemiologie, Verlauf und Prognose sowie Differenzialdiagnose und Komorbidität. Die weiteren Kapitel gehen auf Störungsmodelle und Risikofaktoren ein und stellen vorhandene psychotherapeutische Behandlungsansätze vor, die bei onkologischen Erkrankungen angewendet werden können. Das in diesem Band beschriebene Behandlungskonzept orientiert sich an dem supportiv-expressiven Ansatz von Luborsky. Im Zentrum steht die Identifikation des zentralen Beziehungskonflikt-Themas (ZBKT) des Patienten, auf das bei der Behandlung mithilfe deutender (expressiver) und stützender (supportiver) Interventionen fokussiert wird. Der Ablauf der Therapiephasen und die Behandlungsprinzipien werden anhand von Fallbeispielen erläutert. Die Behandlung ist als Kurzzeittherapie mit einer Behandlungsdauer von 25 Sitzungen konzipiert, und ihre Wirksamkeit konnte in einer empirischen Studie nachgewiesen werden.

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Depressive Störungen bei Krebserkrankungen

18 2 Störungstheorien und -modelle

2.1 Risikofaktoren für depressive Störungen bei Krebskranken

In den letzten Jahren hat sich die Sichtweise von Depression und chronischer Krankheit gewandelt. Beispielsweise bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes geht man inzwischen von einem bidirektionalen Zusammenhang aus, d.h. dass beispielsweise eine koronare Herzerkrankung nicht nur mit einem erhöhten Depressionsrisiko einhergeht, sondern umgekehrt auch Depressionen auf vielfältige Weise zur Entstehung bzw. einem ungünstigen Verlauf von Herzerkrankungen beitragen. Bei Krebskranken ist der Weg von onkologischen Erkrankungsfaktoren zur Depression gut gesichert; zu umgekehrten Einflussmöglichkeiten sind die Kenntnisse lückenhaft bzw. strittig. Abbildung 1 gibt einen Überblick über Risikofaktoren für die Entstehung von Depressionen bei Krebskranken.

Wie Abbildung 1 zeigt, zeichnen sich depressive Störungen bei Krebskranken durch einen multifaktoriellen Hintergrund aus, dem bei der diagnostischen Abklärung Rechnung zu tragen ist. So wirken psychosoziale , krankheitsbezogene und medizinische Faktoren eng zusammen und rufen ein Kontinuum von Depressionen hervor, das von subsyndromalen Belastungen (deutlicher Distress, der aber die diagnostischen Schwellenkriterien nicht erfüllt), Anpassungsstörungen bis hin zu schweren depressiven Episoden oder auch chronisch verlaufenden depressiven Verstimmungen im Sinne der Dysthymie reicht.

Wichtig ist es, bei dem Verdacht auf eine Depression bei einem Krebskranken eine möglichst genaue Abklärung der genannten Faktoren durchzuführen und in der Behandlungsplanung die erhobenen Risiko- bzw. Schutzfaktoren zu berücksichtigen. Maßgeblich für die Belastung durch die Erkrankung (vgl. Abb. 1 ) sind (1) psychosoziale und anamnestische Faktoren, (2) krankheitsbezogene und (3) medizinische Behandlungsfaktoren:

Psychosoziale und anamnestische Faktoren : Ein erhöhtes Depressionsrisiko findet sich allgemein bei jüngeren, weiblichen, sozial isolierten Patienten und Personen mit einem geringeren Bildungsstand bzw. Sozialstatus ( Schwarz et al., 2008 ). Dies gilt insbesondere auch für Patienten, die in der familiären Vorgeschichte oder in der eigenen Anamnese psychische Vorerkrankungen (vor allem frühere Depressionen, Angststörungen, substanzgebundene Suchterkrankungen) und/oder frühere unverarbeitete 19 Verluste bzw. Traumatisierungen aufweisen. Weitere Risikofaktoren sind Merkmale der Persönlichkeit (z.B. Perfektionismus vs. Offenheit für neue Erfahrungen).

Abbildung 1: Risikofaktoren für Depressionen bei Krebskranken (modifiziert nach Li et al., 2012 , S. 1188)

Hervorzuheben ist, dass Krebs - im Unterschied zu anderen chronischen Erkrankungen mit vergleichbaren prognostischen Aussichten (z.B. chronische Nierenerkrankungen) - mit negativen Stereotypen belegt ist, die vielfach die Krankheitsbewältigung erschweren. Susan Sontag sprach von "Krankheit als Metapher" ( 1978 ), dies betrifft bei Krebs vor allem Vorstellungen von unheilbarem Siechtum, Verfall, Selbstzerstörung oder Bösem, das im Innern des eigenen Körpers um sich greift. Entsprechend legt der "Kampf gegen den Krebs" das Bild eines Feindes nahe, der mit äußerst einschneidenden Mitteln ("Stahl, Strahl, Chemo") bekämpft und besiegt werden muss ( Söllner et al., 2002 ). So wie soziale Einbindung eine wesentliche Ressource für viele Krebskranke darstellt, können so 20 ziale Isolation, Einsamkeit oder auch schädliche oder verunsichernde soziale Interaktionen ganz wesentlich zur Entstehung einer Depression beitragen. Ähnliches gilt für Bindungsunsicherheit oder -vermeidung (vs. sichere Bindung) in Form von mangelndem Vertrauen, in kritischen Sit

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