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Die Kunst und Wissenschaft der Psychotherapie

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2015
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (ePUB)
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Die Kunst und Wissenschaft der Psychotherapie

Besser als jedes Lehrbuch es vermöchte, spiegelt dieses Buch den aktuellen Diskurs in der wissenschaftlichen Psychotherapie aus einer entspannten Haltung heraus wider. Die Herausgeber versammeln darin die Texte internationaler Experten aus Europa und den USA. Es geht in diesem Band um Beziehungen, Einsicht, "Responsiveness" oder die neurobiologische Begründung der Psychotherapie. Einzelne Beiträge sind stark inhaltlich geprägt, andere greifen spezifische aktuelle Thematiken auf. Andere wiederum führen den aufmerksamen Leser zu einer Reflexion des heutigen positivistisch geprägten Wissenschaftsbetriebs. Auch bezüglich konkreter therapeutischer Überlegungen gibt es eine Vielzahl von Beiträgen, etwa zur Spiel- und Motivebene oder zur Psychotherapie via Internet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 261
    Erscheinungsdatum: 08.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456752235
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 3619 kBytes
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Die Kunst und Wissenschaft der Psychotherapie

Neurowissenschaftliche Erforschung von Psychotherapieeffekten

Sabine C. Herpertz

Klaus Grawe (2002, 2004) war der erste Psychotherapieforscher, der den Neurowissenschaften eine wichtige Rolle bei der Erforschung von psychotherapeutischen Effekten zuwies und dabei den Begriff der Neuropsychotherapie prägte. Er empfahl Psychotherapeuten, sich mit den neurobiologischen Grundlagen sowohl von psychischen Störungen als auch von psychotherapeutischen Interventionen zu beschäftigen. Dies bedeutete, neurowissenschaftliche Erkenntnisse in der psychotherapeutischen Arbeit kontinuierlich zu berücksichtigen und dazu zu nutzen, Hypothesen über psychotherapeutische Wirkmechanismen zu erstellen, d.h. über Prozesse, die bei Patienten mit bestimmten Erkrankungen in kausaler Beziehung zu Veränderungen stehen (Kazdin & Nock, 2003). Grawes Ideen zur Neuropsychiatrie wurden von Walter, Berger und Schnell (2009) weiter spezifiziert, indem sie hierunter eine angewandte Forschung verstehen, die zum Ziel hat, neuronale Mediatoren und funktionelle Ziele psychotherapeutischer Effekte zu identifizieren und psychotherapeutische Interventionen auf der Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zu entwickeln.

Grawes konsistenztheoretisches Modell (2004) bildet einen Rahmen für das Verständnis psychotherapeutischer Effekte auf der Basis der Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn. Danach ist es die Zielsetzung von Psychotherapie bzw. die Aufgabe des Psychotherapeuten, dem Patienten möglichst viele Kongruenzerfahrungen mit seinen aktivierten motivationalen Zielen zu ermöglichen (Caspar, 2007), da diese die Einstellung von Konsistenz erleichtern. Dabei basiert das konsistenztheoretische Modell auf der Grundannahme, dass die Regulationsmechanismen auf der Systemebene des Gehirns prinzipiell auf die Aufrechterhaltung/Erreichung von Konsistenz, d.h. der Vereinbarkeit oder Synergie parallel ablaufender Informationsverarbeitungsprozesse, ausgerichtet sind. Diese wiederum dienen der Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Bindung, Selbstwerterhöhung, Kontrolle, Lustgewinn usw. Entsprechend wird der Abgleich zwischen aktivierten motivationalen Schemata und Rückmeldungen aus der Umwelt normalerweise durch übergeordnete Prozesse der Informationsverarbeitung des Gehirns in Richtung der Zielerreichung gesteuert, wobei die einzelnen Prozesse der funktionellen Domänen (z.B. Aufmerksamkeitssteuerung, Gedächtnis, Affektregulation) des Gehirns synergetisch so zusammenwirken, dass eine Zielerreichung möglich ist. Therapeutisches Lernen wäre dann zu erwarten, wenn mit Konsistenz einhergehende neuronale Muster wiederholt und anhaltend aktiviert werden.

In einem bemerkenswerten Artikel, erschienen in Psychotherapy Research 2003, hat Franz Caspar vor nunmehr zehn Jahren bereits im Titel das aktuell viel diskutierte Verhältnis von Psychotherapie und Neurobiologie mit der Frage umrissen: "Challenge, Chance or Enrichment?" Hier beschrieb er die Faszination von Neurowissenschaftlern, aber auch Psychotherapeuten, die Beobachtung primär subjektiver psychologischer Phänomene über explizite und implizite Befragungen und Verhaltensmessungen hinaus auf eine objektivere Ebene zu stellen und dem menschlichen Gehirn von Gesunden und Kranken beim "Denken und Fühlen zuzusehen". Es war diese Faszination und Neugierde, die den Neurowissenschaften auf ihren Erfolgsweg verholfen haben, und gleichzeitig der Wunsch einer ganzen Disziplin, an den Errungenschaften und der Wertschätzung der Naturwissenschaften und der somatischen Medizin zu partizipieren. So erfuhr die Psychotherapie zweifelsohne eine Stärkung ihrer Position durch die neurobiologische Forschung, indem diese den "objektiven" Nachweis von Veränderungen im Gehirn bei psychotherapeutisch erfolgreich behandelten Patienten erbringen konnte.

Lauter ist allerdings heute die Frage geworden, inwieweit die (zeit- und kostenintensiv gewonnenen) neurobiologischen Ergebniss

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