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Die Macht der Kindheit Wie negative Erfahrungen uns stärker machen von Jay, Meg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.11.2018
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Macht der Kindheit

"Es ist unmöglich, dieses Buch zu lesen, ohne sich darin zu erkennen - klarer, als je zuvor." The New York Times Wer in jungen Jahren mit einer trinkenden Mutter, einem übergriffigen Vater oder mobbenden Mitschülern zu kämpfen hatte, weiß, dass solche Erlebnisse das eigene Verhalten prägen. Psychologin und Erfolgsautorin Meg Jay erklärt, wie wir aus frühen Rückschlägen Positives ziehen können, und aus vermeintlichen Schwächen eine ungeahnte mentale Stärke erwachsen kann. Meg Jay promovierte in Klinischer Psychologie und Gender Studies an der University of California, Berkeley. Heute lehrt sie als Professorin an der University of Virginia und unterhält eine private Praxis in Charlottesville. Ihre Artikel erscheinen regelmäßig u.a. in der New York Times , der Los Angeles Times oder USA Today . The Defining Decade (2012), ihr Debüt auf dem Buchmarkt, war in den USA ein Bestseller, ihr TED Talk zum Thema "Warum die 30er nicht die neuen 20er sind" gehört mit über 10 Millionen Abrufen zu den erfolgreichsten des Formats.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 05.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455001365
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Originaltitel: Supernormal
    Größe: 1029 kBytes
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Die Macht der Kindheit

1 Supernormal

Es gibt keine größere Qual, als eine unerzählte Geschichte in dir herumzutragen.

Maya Angelou [2]

Im persönlichen Gespräch wirkte Helen auf mich genauso diszipliniert, wie sie am Telefon geklungen hatte. Zu ihrem ersten Termin erschien sie auf die Minute pünktlich, saß kerzengerade auf dem Sofa, eine Hand über die andere gelegt, wobei die untere Hand sich verkrampfte. Wir tauschten ein paar Freundlichkeiten aus, unter anderem fragte ich sie, ob sie meine Praxis ohne Probleme gefunden hatte. Auf diese Frage antwortete Helen, fast beiläufig, dass sie spät aus einer Besprechung gekommen und schnell ins Auto gestiegen sei, allerdings auf halbem Weg einen Platten hatte, in die nächste Werkstatt rollte, dort in aller Eile ihren Schlüssel abgab und im Fortgehen rief, sie sei in einer Stunde wieder da. Dann habe sie einen Bus genommen, der in die richtige Richtung fuhr, sei nach etwa anderthalb Kilometern ausgestiegen und von dort die paar Blocks hierher gerannt.

"Sie hören sich an wie eine Superheldin", sagte ich.

Über Helens Wange liefen plötzlich Tränen, und sie schaute mich ironisch und traurig an. "Sie haben ja keine Ahnung", erwiderte sie.

Helen erzählte mir, dass sie den größten Teil der letzten Jahre seit der Uni - "Wie viele sind das jetzt?" Sie machte eine Pause, um zu zählen. "Zehn? Elf?" - damit zugebracht hatte, im Auftrag von NGO s um die Erde zu reisen, um für eine bessere Welt zu kämpfen. Soziale Gerechtigkeit in Afrika. Klimagerechtigkeit in Südost-asien und Lateinamerika. Gerechtigkeit für Kinder und Jugendliche in Osteuropa und der Karibik. Helen ging dorthin, wo man sie brauchte. Doch dann, eines Tages, schickte ihre Mutter ihr eine Nachricht, dass sie zu Hause gebraucht würde.

Helens Vater hatte sich in dem Haus umgebracht, in dem sie aufgewachsen war. Es war ein schlichtes Haus in einem Vorort etwa zwei Stunden von San Francisco entfernt. Dort gab es einen Garten zum Spielen, und Helen und ihre zwei jüngeren Brüder hatten jeder ein eigenes Zimmer. Vielleicht war das der Grund, warum vor vielen Jahren niemand gehört hatte, wie der Jüngste mitten in der Nacht aus dem Haus zum Pool schlich. Vielleicht hatte deshalb niemand gesehen, wie er ertrank.

Noch bevor sie ein Teenager war, hatte Helen begonnen, ebenfalls in der Nacht aus dem Haus zu schleichen. Zuerst wollte sie einfach nur wissen, wie die Welt für ihren kleinen Bruder ausgesehen hatte, kurz bevor er starb. Doch dann machte sie damit weiter, weil sie so allem entfliehen konnte, wenigstens für eine Weile. Ihr Vater drängte nicht darauf, irgendwo anders einen Neuanfang zu machen. Ihre Mutter weinte nicht und weigerte sich, die Erinnerungen an ihr jüngstes Kind - einschließlich der Kerben im Rahmen der Küchentür, die sein Wachstum angaben - hinter sich zu lassen. Tagsüber lief Helen durch die Korridore der Schule, wo sie sich lächelnd gute Noten erarbeitete - für ihre Eltern war es wichtig, dass sie "die Starke" war, und so war sie es denn auch. Im Dunkel der Nacht jedoch wanderte Helen entlang der Häuserblocks, und wenn sie in den gelben Lichtschein der Straßenlaternen hinein- und wieder heraustrat, gab es niemanden, für den sie stark sein musste, niemanden, den sie retten musste.

Als sie von ihren beruflichen Reisen rund um den Erdball zurückkehrte, fuhr Helen mit dem Mietwagen durch dieselben Straßen und war sich nicht sicher, was ihr mehr gegen den Strich ging: die Tatsache, dass die Häuser alle gleich aussahen, oder das Gefühl, dass ihres nie wie der Rest gewirkt hatte. Danach fuhr sie zum Büro ihres Vaters und packte seine persönlichen Dinge in einen Karton, darunter eine leere Wasserflasche, die verdächtigerweise in der unteren Schublade versteckt lag. Als sie den Deckel abschraubte und ihre Nase daranhielt, roch sie Alkohol. Auch Helen hätte gern etwas getru

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