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Die Ordnung der Dinge Im Reich der Elemente von Kean, Sam (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2011
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Ordnung der Dinge

Woraus besteht die Welt, woraus Mikroben, Meere, der Mensch? Kean gelingt etwas Schönes: Man kapiert's auch ohne dröge Formeln. Das Hauptgebäude der modernen Chemie, das Periodensystem der Elemente, sieht langweilig aus, doch in ihm verbergen sich spannende Geschichten über Alchimisten, Entdecker und Goldgräber, Medizinalräte und Quacksalber, Kriegsstrategen, Spione, Geschäftemacher und Spinner. So macht Naturwissenschaft Spaß! Das periodische System der Elemente ist nicht nur eine große wissenschaftliche Leistung, sondern auch eine Schatzkiste voller skurriler Episoden, die von Leidenschaft, Abenteuern, Betrug und Besessenheit handeln. Während Kean die Grundbausteine des Universums und die Ordnung, die sie schaffen, erklärt, erzählt er zugleich, welche Rolle sie vom Urknall bis heute gespielt haben. Wie etwa Gerhard Domagk das Leben seiner Tochter riskierte, um die ersten Antibiotika zu entwickeln. Wie Portugal sowohl den Nazis als auch den Alliierten zu astronomischen Preisen Wolfram lieferte, weil beide Seiten es dringend für den Krieg brauchten.

Sam Kean lebt als Journalist und Autor in Washington, DC. Seine Artikel und Reportagen erscheinen vor allem im New York Times Magazine sowie in den Zeitschriften Mental Floss , The New Scientist und im Science Magazine , bei dem er zurzeit als Reporter arbeitet. 2009 wurde er von der amerikanischen National Association of Science Writers als bester Wissenschaftsautor unter dreißig ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 09.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850031
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Originaltitel: The Disappearing Spoon and Other True Tales of Madnes, Love, and the History of the World from the Periodic Table of Elements
    Größe: 4596 kBytes
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Die Ordnung der Dinge

Einleitung

Als Kind neigte ich dazu, mit vollem Mund zu sprechen – nicht nur beim Essen, sondern auch, wenn mir beim Zahnarzt der Saugschlauch im Unterkiefer hing oder wenn ich einen Luftballon aufblies, der allerdings davonflog, sobald ich den Mund aufmachte. Ganz gleich, was ich im Mund hatte, ich brabbelte vor mich hin, selbst wenn niemand in der Nähe war. Dieser Angewohnheit verdanke ich, dass mich das Periodensystem in seinen Bann schlug, als ich zum ersten Mal mit einem Thermometer unter der Zunge alleingelassen wurde. Im zweiten und dritten Schuljahr war ich wohl ein Dutzend Mal mit einer Halsentzündung ans Bett gefesselt, die mich nervte, weil ich tagelang nur unter Schmerzen schlucken konnte. Aber ich hatte nichts dagegen, zu Hause zu bleiben und mir als "Medizin" Vanilleeis mit Schokoladensauce schmecken zu lassen. Außerdem hatte ich jedes Mal, wenn ich krank war, Gelegenheit, ein weiteres Quecksilberthermometer zu zerbrechen.

Ich lag da, mit dem gläsernen Stift unter der Zunge, und öffnete den Mund, um eine imaginäre Frage zu beantworten. Das hatte zur Folge, dass das Thermometer sich selbständig machte und zu Boden fiel, wo es zerbrach. Die Quecksilberkügelchen verteilten sich wie die Kugeln eines unvollständigen Kugellagers, und eine Minute später rutschte meine Mutter trotz ihrer kaputten Hüfte auf dem Boden herum, um sie wieder einzufangen. Mit einem Zahnstocher trieb sie je zwei der kleinen weichen Kugeln aufeinander zu, bis die größere die kleinere in sich aufnahm. Das wiederholte sie so lange, bis sie das gesamte Quecksilber zu einer einzigen zitternden Masse versammelt hatte.

Dann holte sie ein mit einem grünen Etikett versehenes Pillenfläschchen aus Plastik, das in der Küche auf einem Hängeregal zwischen einem Teddybären mit Angelrute und einem blauen Keramikkrug aufbewahrt wurde. Sie schob das wabernde Quecksilber auf einen Briefumschlag und goss es vorsichtig auf den nussgroßen Klumpen, in dem die früheren Opfer meines achtlosen Umgangs mit Thermometern begraben waren. Manchmal goss sie das Quecksilber zunächst in den Deckel des Fläschchens, damit meine Geschwister und ich uns ansehen konnten, wie das futuristisch wirkende Metall umhertanzte, sich teilte und wieder vereinigte. Mir taten jene Kinder leid, deren Mütter aus Angst vor Quecksilber sogar den Thunfisch vom Speiseplan gestrichen hatten. Die Alchimisten des Mittelalters hatten Quecksilber trotz ihrer Gier nach Gold für die mächtigste und poetischste Substanz im Universum gehalten. Als Kind hätte ich ihnen zugestimmt. Ich hätte sogar wie sie geglaubt, dass dieser Stoff sich Kategorien wie fest und flüssig, Metall und Wasser, Himmel und Hölle entziehe und Geister aus einer anderen Welt beherberge.

Später fand ich heraus, dass sich Quecksilber auf so besondere Art und Weise verhält, weil es ein Element ist. Im Unterschied zu Wasser (H 2 O) oder Kohlendioxid (CO 2 ), ja zu fast allem, was uns täglich begegnet, kann man Quecksilber nicht auf natürlichem Weg in andere Stoffe scheiden. Quecksilber zählt sogar zu den vornehmeren Elementen: Seine Atome lassen sich nur mit anderen Quecksilberatomen ein und beschränken die Berührung mit der Außenwelt auf ein Minimum, indem sie sich miteinander zur Kugel zusammenziehen. Die meisten Flüssigkeiten, die ich als Kind verschüttete, verhielten sich ganz anders. Wasser, Öl, Essig und Wackelpudding, der noch nicht abgekühlt war, zerliefen und hinterließen Flecken. Auch schärften mir meine Eltern immer wieder ein, nicht barfuß zu gehen, wenn ich ein Thermometer hatte fallen lassen, damit ich mir keine Glassplitter eintrat. Aber ich

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