text.skipToContent text.skipToNavigation

Die therapeutische Beziehung in der psychosozialen Medizin Klinische und anthroplogische Aspekte. von Boetticher, Dirk von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2014
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
21,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die therapeutische Beziehung in der psychosozialen Medizin

Beziehung ist ein Schlüsselbegriff im Selbstverständnis der v. a. psychodynamisch orientierten psychosozialen Medizin, die sich auch als 'Beziehungsmedizin' versteht. Das Werk untersucht Aspekte der therapeutischen Beziehung in ihrer historischen Entwicklung sowie in der aktuellen Psychotherapieforschung. Der Zusammenhang von Beziehung und Affekt wird praxisorientiert für die Bereiche Psychose, Psychosomatik, Trauma und Suizidalität beschrieben. Zur Darstellung der Besonderheit menschlicher Bezogenheit werden Befunde der empirischen (Tomasello), medizinischen (v. Weizsäcker) und philosophischen (Gadamer, Taylor, Honneth) Anthropologie verknüpft. Beziehung erweist sich dabei als ein immer schon wertendes und wertvermittelndes Geschehen.

Dr. Dirk von Boetticher ist Oberarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Göttingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 13.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170251397
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 3691kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die therapeutische Beziehung in der psychosozialen Medizin

Einleitung: Was ist Beziehung?

Die Frage ist nicht rhetorisch gestellt, sondern durchaus ernst gemeint und legitim bei einem Wort, das in der Alltagssprache weit verbreitet ist und als Begriff einen Schlüsselbegriff im Selbstverständnis gegenwärtiger psychodynamisch 1 orientierter psychosozialer Medizin darstellt, die sich ja auch als Beziehungsmedizin (Weiner 1989; Kraus und Csef 1995) versteht. Beziehung wird dabei zumeist in einer Weise verwendet, als verstünde sich von selbst, was damit gemeint sei, und als handle es sich um einen Begriff, der keiner weiteren Explikation bedarf. Sucht man dann nach einer Definition dessen, wovon, womit und wofür psychosoziale Medizin - als Beziehungsmedizin - eigentlich die Medizin sein soll, wird man zunächst einmal enttäuscht: Beziehung ist kein Begriff im Hauptregister der Gesammelten Werke Freuds - obwohl Freud den Begriff verwendete 2 - und weder als eigener Begriff im "Vokabular der Psychoanalyse" von Laplanche und Pontalis (1992), noch als Grundbegriff im "Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe" von Mertens und Waldvogel (2007) aufgeführt - Beziehung verteilt sich hier auf andere Begriffe wie Bindung, Interaktion, Objektbeziehung, Übertragung und Gegenübertragung, wird aber nicht als eigener Begriff geführt.

Die enorme Bedeutung der Beziehung für die Psychotherapie und psychosoziale Medizin unterstreichen nachdrücklich die klassischen Lehrbücher von Hoffmann und Hochapfel (2009), Ermann (2004), Schüssler (2011), Reimer und Rüger (2006), Wöller und Kruse (2010) und Thomä und Kächele (2006), doch was unter Beziehung genau zu verstehen und wie sie zu definieren sei, bestimmen sie nicht. Auch im Manual der OPD-2 (Arbeitskreis OPD 2006) werden von den drei psychodynamischen Achsen Beziehung , Konflikt und Struktur - die alle drei beziehungsbezogen sind - nur die Bedeutungen von Konflikt und Struktur, nicht aber die von Beziehung definiert. Beziehung wird zwar im Zusammenhang mit Übertragung und Gegenübertragung, Beziehungsmuster, Beziehungsverhalten, Beziehungswünschen und -ängsten vielfach umschrieben, doch nicht eigentlich definiert. 3

Thomä und Kächele sprechen von einer "zerstrittene[n] Begriffs-Familie" (Thomä und Kächele 2006, S. 74) um den Terminus Beziehung herum und beschreiben historisch und klinisch sehr genau die Spannungen zwischen den einzelnen Mitgliedern dieser Familie, die da heißen: " reale Beziehung , therapeutische Allianz , Arbeitsbündnis und Übertragung" (ebd.), ziehen es dann aber vor, mit bewusstem Bezug auf einen zentralen Begriff M. Bubers "die Einzigartigkeit des Verhältnisses" von Patient und Therapeut als "besondere Form einer Begegnung zu bezeichnen" (ebd., S. 93).

Definitionen 4 finden sich in dem ursprünglich von Uexküll herausgegebenen monumentalen Werk Psychosomatische Medizin (2011) und Küchenhoffs und Mahrer Klemperers Monographie über Psychotherapie im psychiatrischen Alltag (2009), doch sind diese Definitionen in beiden Werken sehr allgemein gehalten und gehen dabei auf die (anthropologische) Besonderheit der zwischenmenschlichen Beziehung gerade nicht ein. V. Uexküll und Wesiack definierten Beziehung in einem umfassenden Sinn zeichentheoretisch: Beziehung erscheint hier "als Begriff für den fundamental wichtigen Sachverhalt, dass sich Leben zwar auf jeder Integrationsebene in verschiedenartiger Erscheinung, im Prinzip aber in der gleichen systemischen Weise darstellt" (Uexküll und Wesiack 2011, S. 36). Beziehungen bestehen in dieser Perspektive "aus Zeichen bzw. Nachrichtenverbindungen" zwischen Molekülen, Zellen, Organen, Personen und Ökosystemen und "lassen sich als Fäden von Nachrichtennetzen beschreiben, die lebende Systeme mit anderen S

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen