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Existenzielle Themen in der Psychotherapie von Vogel, Ralf T. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.04.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
19,99 €
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Existenzielle Themen in der Psychotherapie

Achtet man im psychotherapeutischen Prozess sorgfältig auf die Themen, die die Patienten mitbringen, bemerkt man, dass sie um einige wenige Schwerpunkte kreisen, die auch den Therapeuten selbst nicht fremd sind. Es geht um den Tod, die Einsamkeit, um Freiheit und um die Frage nach dem Sinn des Lebens. In philosophischen und psychologischen Kreisen werden sie oft als 'existenzielle Themen' bezeichnet. Das Buch behandelt die Kompetenzen der großen Therapieschulen im Umgang mit diesen wichtigen Fragestellungen und bietet praxisnahe Vorschläge zur Umsetzung in therapeutische Handlungen.

Prof. Dr. phil. Ralf T. Vogel ist Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeut, Lehranalytiker und Supervisor an verschiedenen psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten und Honorarprofessor für Psychotherapie und Psychoanalyse an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. In Ingolstadt ist er in privater Praxis für Psychotherapie und Supervision tätig.

Produktinformationen

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Existenzielle Themen in der Psychotherapie

2. Vorlesung
Die Therapieschulen und ihre Berücksichtigung des Existenziellen

Kritisiert, geschätzt, der möglichst raschen Vernichtung preisgegeben: Therapeutische Schulrichtungen liegen bis heute im Widerstreit miteinander und bestimmen, wohl durchaus zu Recht, das Bild moderner Psychotherapie. Die Merkmale einer therapeutischen Schulrichtung (siehe Tab. 2) bauen stringent auf der zugrunde liegenden Philosophie, dem Menschenbild, der Weltanschauung, dem Basisparadigma, oder wie immer man den Boden des jeweiligen Denk- und Handlungsgebäudes nennen mag, auf.

Tab. 2: Merkmale therapeutischer Schulrichtungen 32

Darstellung des zugrunde liegenden anthropologischen Verständnisses und Bemühen um eine maximale Breite desselben (Philosophische Perspektive)

Umfassende Aussagen zur Einbettung des Verfahrens in die aktuellen kulturell-gesellschaftlichen Verhältnisse (Soziologische Perspektive)

Theorie der psychischen Störungen und deren Therapie (Krankheits- und Veränderungstheorie) (Psychopathologische Perspektive)

Theorie des therapeutischen Geschehens (Prozess- und Beziehungstheorie, Wirkfaktorentheorie) (Psychologische Perspektive im eigentlichen Sinne)

Wissenschaftlicher Nachweis der Quantität und Qualität ihrer Wirkung (Wirksamkeitsperspektive)
Wie nun berücksichtigen die Therapieschulen das "Existenzielle" in ihrer Theorie und Praxis? Es empfiehlt sich hierbei eine Aufteilung in die beiden "klassischen" Therapieschulen einerseits und die "Spezialisten" für Existenzielles andererseits.
Verhaltenstherapie und das Existenzielle

Viele Protagonisten der Verhaltenstherapie haben sich von den philosophischen Wurzeln des Psychotherapie entfernt, definieren ihre Therapierichtung als Naturwissenschaft und akzeptieren nur mathematisch-naturwissenschaftliche Forschungsmethoden. Der bekannte Hamburger Verhaltenstherapeut und Fachbuchautor Harlich H. Stavemann beschreibt "auch nach langjähriger Ausbildung in kognitiven Verfahren und Therapietechniken" eine Unvorbereitetheit "auf die lebensphilosophischen Fragen" der Patienten und stellt eine "gewaltige Lücke" fest, "die erst durch mühsames Auseinandersetzen mit und Reflektieren von relevanten Themen nach und nach zu füllen war" 33 . Er stellt einen eklatanten "Trainingsmangel" und vermeidende Einstellungen bezüglich philosophischer Themen fest und plädiert, als große Ausnahme seines Faches, für eine "Philosophische Wende" in seiner Disziplin 34 .

Auf den ersten Blick erscheint auch eine Verbindung existenzialistischer Aspekte mit dem Mainstream verhaltenstherapeutischer Theorieentwicklung unvereinbar. Erkenntnistheorietisch widersprechen bereits die positivistischen Grundparadigmen und die daraus abgeleitete, auf ausschließlich statistisch-naturwissenschaftlichem Niveau begründete empirische Orientierung allen existenzialistischphilosophischen Ansätzen grundlegend. Verhaltenstherapie ist in den sie dominierenden Hauptströmungen auch zunächst nicht idiosynkratisch orientiert, sondern interessiert sich, im Gegensatz zum Diktum des Existenzialismus, in erster Linie für das, was der Mensch mit anderen gemeinsam hat (statistische Gruppenvergleiche)! Jedoch, so stellen die beiden namhaften Verhaltenstherapeuten Noyen und Heidenreich fest, "... Tod, Freiheit, Isolation und Sinn zeigten sich dabei regelhaft auch in kognitiven Verhaltenstherapien, in denen ihnen aber nicht per se eine Bedeutung zukommt ..." 35 . Und zutreffend weisen sie darauf hin, "... dass die Menschenbilder beider Ansätze zunächst sehr unterschiedlich erscheinen und eine Integration deshalb unseres Erachtens sehr vorsichtig erfolgen sollte" 36 . Dem steht auf den ersten Blick die kurze Darstellung einer "Existenziellen Verhaltenstherapie" des Heidelberger

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