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Förderung von Lernprozessen von Mackowiak, Katja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.06.2008
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Förderung von Lernprozessen

Seit den Ergebnissen von Pisa und anderen Studien sind Begriffe wie selbstgesteuertes und lebenslanges Lernen, Bildung und Lernförderung wieder stark in die öffentliche Diskussion gerückt. Das vorliegende Buch vertieft diese Diskussion. Es beschäftigt sich mit der gezielten Förderung von Lernprozessen in Familie, Kindergarten, Schule und Hochschule. Fördermaßnahmen werden detailliert dargestellt und wirksame Lernprinzipien erörtert. Es wird genau beschrieben, wie Lernstörungen vermieden oder aufgehoben werden können. Prof. Dr. Katja Mackowiak lehrt Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Prof. Dr. Gerhard W. Lauth lehrt Psychologie in der Heilpädagogik an der Universität zu Köln. Dr. Ralf Spieß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Psychologie in der Heilpädagogik an der Universität zu Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 12.06.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170280649
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 9038 kBytes
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Förderung von Lernprozessen

2 Lernarten

In diesem Kapitel werden einzelne Lernarten dargestellt: Habituation, klassisches Konditionieren, operantes Lernen, Modelllernen, Diskriminationslernen, Begriffslernen, Regellernen und Problemlösen. Zum Teil handelt es sich dabei um "niedrigere" Lernarten, die implizit ablaufen; zum Teil um "höhere Lernarten", die größere Anforderungen stellen und durch Vorstellungen, Gedanken und Sprache gefördert werden.

Im Nachfolgenden werden die einzelnen Lernarten in ihren Eigenarten und Gesetzmäßigkeiten besprochen. Es wird diskutiert, in welchen menschlichen Lebensbereichen sie wichtig sind und wie man sich die bisherigen Erkenntnisse bei der Förderung von Lernprozessen zu Nutze machen kann. Dabei wird auch deutlich, dass die sogenannten "niedrigeren" Lernarten die Grundlage für sogenannte "höhere" Lernprozesse bilden.

Lernen entsteht durch Erfahrungen, die zu einer Veränderung des Verhaltens bzw. des Verhaltenspotentials führen. Dabei lassen sich verschiedene Arten des Lernens voneinander abgrenzen, die von einfachen Gewöhnungsprozessen bis hin zum Lösen von komplexen Problemen reichen.
2.1 Habituation (Gewöhnung)

Gewöhnung oder Habituation ist die einfachste Form des Lernens. Durch Habituation wird gelernt, einen bekannten Reiz in Situationen, in denen er nicht bedeutsam ist, zu ignorieren. Wir alle kennen diese Form des Lernens aus unserem Alltag. Wir belegen einen Reiz aus unserer Umwelt automatisch mit Aufmerksamkeit, wenn er neu ist und wir ihn nicht einordnen können. Sind wir diesem Reiz jedoch wiederholt ausgesetzt und erweist er sich als unbedeutend, schwächt sich die Reaktion darauf ab und es tritt Habituation ein. So nehmen wir in einer neuen Umgebung das gleichmäßige Geräusch der Fahrzeuge einer entfernten Autobahn nach einiger Zeit nicht mehr als störend wahr. Eltern können bei ihren Neugeborenen schon nach wenigen Wochen Habituation beobachten, wenn sie ihnen ein neues Glöckchen vorführen. Die Kinder werden sich anfangs zu der Glocke hin orientieren, sich nach einiger Zeit jedoch anderen Dingen zuwenden. Weil Habituation bei kleinen Kindern regelmäßig zu beobachten ist, wird sie als eine Methode eingesetzt, um Erkenntnisse über die mentalen Fähigkeiten von Kleinkindern, beispielsweise bei der Erkennung von Gesichtern oder der Anordnung von Objekten, zu gewinnen.

Warum es ein Lernprinzip wie Habituation gibt, ist sofort einleuchtend. Wir werden in unserem Alltag ständig mit neuen Reizsituationen konfrontiert und müssen permanent entscheiden, ob ein Reiz nützlich, gefährlich oder irrelevant ist. Aufgrund unserer beschränkten Aufmerksamkeitskapazität ist es daher sehr vorteilhaft, wenn wir in der Lage sind, unbedeutende Reize "automatisch" zu ignorieren. Ohne die Fähigkeit, sich an unbedeutende Reize zu gewöhnen, wäre unsere Aufmerksamkeit permanent überlastet und wir hätten nicht die Möglichkeit, bedeutsame Reize angemessen zu verarbeiten.

Dies können Sie selbst ausprobieren, indem Sie sich einmal in Ihrer jetzigen Umgebung umschauen. Versuchen Sie einerseits festzuhalten, welche Gegenstände es in Ihrer direkten Umgebung gibt und bemühen Sie sich gleichzeitig, sich ins Gedächtnis zu rufen, was Sie in diesem Kapitel bisher über Habituation gelesen haben. Sie werden feststellen, dass dies ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Ist unsere Aufmerksamkeitskapazität zu stark belastet, sind wir nicht in der Lage, relevanten Informationen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Habituation ist also grundsätzlich eine sehr sinnvolle Art des Lernens. Das folgende Beispiel aus dem Alltag leidgeprüfter Eltern zeigt jedoch, dass auch sinnvolle Lernprinzipien nicht immer zu erwünschten Ergebnissen führen. Eine Mutter, die sich gerade für eine Tätigkeit sehr konzentrieren muss, bittet ihr Kind mit erhobener Stimme, etwas leiser zu sein. Dies ist für das Kind erst einmal bedeutsam. Es wird der Mutter die Aufmerksamkeit zuwenden und still sein, um zu sehe

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