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Familientherapie der Essstörungen von Reich, Günter (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag
eBook (PDF)
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Familientherapie der Essstörungen

Der Band stellt die Praxis der familientherapeutischen Behandlung von Essstörungen dar. Er beschreibt familiäre Zusammenhänge und Hintergründe von Essstörungen, insbesondere die Familiendynamik von Magersucht und Bulimie.

Ein mehrphasiges Therapiekonzept zur familientherapeutischen Behandlung dieser Störungen wird vorgestellt und anhand zahlreicher Fallbeispiele illustriert. Die beiden Krankheitsbilder und verwandte Störungen werden bezüglich der Diagnose, der Verbreitung, der gesundheitlichen Folgen, der psychischen Begleiterkrankungen sowie der multifaktoriellen Verursachung vorgestellt.

Es werden soziale, biologisch-genetische und psychische Einflüsse beschrieben. Das Hauptaugenmerk gilt den familiendynamischen Zusammenhängen, die auf Grund von klinischen Beobachtungen und empirischen Untersuchungen zu einem integrativen Modell der Entstehung von Magersucht und Bulimie zusammengefasst werden. Hieraus wird ein mehrphasiges Modell der Familienbehandlung beider Erkrankungen entwickelt, das auch auf die Behandlung der Binge Eating Störung übertragbar ist.

Das therapeutische Vorgehen wird an fünf Fallbeispielen erläutert. Dabei wird ausführlich auf die Behandlungsstrategien sowie auf behandlungstechnische Schwierigkeiten eingegangen.

Der Autor

PD Dr. phil. Günter Reich, geb. 1952. 1970-1977 Studium der Psychologie in Göttingen. Anschließend Weiterbildung in Paar- und Familientherapie, Psychoanalyse und Psychotherapie in Göttingen. 1986 Promotion. Ausbilder in psychoanalytischer Familien- und Paartherapie, Lehranalytiker und Dozent am Lou Andreas-Salomé-Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie in Göttingen. 2000 Habilitation. Seit 1998 Leiter der Ambulanz für Familientherapie und für Essstörungen an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Göttingen.

Produktinformationen

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Familientherapie der Essstörungen

2 Wie entstehen Essstörungen? (S. 21-22)

2.1 Die multifaktorielle Pathogenese

Familienbeziehungen können auf verschiedene Weise zur Entstehung von Essstörungen beitragen. Oft wirken, wie bei anderen seelischen Erkrankungen, mehrere Faktoren zusammen, die sich wechselseitig in ihrer Wirkung verstärken können. Essstörungen wie Anorexia nervosa und Bulimia nervosa sowie vermutlich auch die Binge Eating Störung sind durch das Zusammenspiel soziokultureller, biologischer, Persönlichkeits- und familiärer Faktoren bedingt. Bevor die familiären Faktoren näher dargestellt werden, sollen die anderen kurz beleuchtet werden, damit diese Störungen in ihrem Gesamtkontext gesehen werden können.

2.2 Soziale Einflüsse

Die Verbreitung von Anorexie, Bulimie und auch Binge Eating Störungen scheint eng mit dem Nahrungsmittelüberfluss und den in den letzten Jahrzehnten drastisch veränderten Lebensgewohnheiten der westlichen Zivilisation, z. B. dem Bewegungsmangel, einher zu gehen. Anorexie und Bulimie sind zudem deutlich mit den hier verbreiteten Wertesystemen (z. B. Leistung und Wettbewerb) und dem Körperideal verbunden, zudem mit den spezifischen Rollenkonflikten von Frauen (vgl. Reich, 1999).

Ein erheblicher Teil junger Mädchen und Frauen in westlichen Gesellschaften ist anfällig für Essstörungen (Krüger et al., 2001). Restriktives Essverhalten und ein extremes Schlankheitsideal gehen in starkem Maße mit der Zugehörigkeit zu höheren sozialen Schichten und dem entsprechenden Wertesystem einher (Ogden & Thomas, 1999). Diätverhalten ist ein wesentlicher Vorläufer von Essstörungen (Pudel, 2001). In nicht-westlichen Gesellschaften nimmt die Prävalenz von Essstörungen mit der von Diätverhalten zu (Hsu, 1996).

Zeitgleich mit dem sich verbreitenden Nahrungsmittelüberfluss werden die Grenzen für Übergewicht zunehmend enger gezogen und Übergewichtigkeit entsprechend diskriminiert. Figur und Aussehen werden als vom Willen gesteuert und der Selbstkontrolle unterworfen angesehen, wobei der für Gewicht und Figur ebenfalls bedeutsame konstitutionelle Faktor verleugnet wird. Das Nichterreichen gesetzter oder selbst gesetzter Standards für Gewicht, Figur oder Körperumfang wird dem eigenen Versagen zugeschrieben werden und treibt zu verstärkter Selbstkontrolle an. Hinzu kommt eine Auflösung verbindlicher Rhythmen und Regeln für das Essen. Dieses wird in einer "Gastro-Anomie" individualisiert. Die hierbei notwendige Selbstkontrolle kann oft nicht geleistet werden. Dies führt zur "Übersteuerung" oder "Untersteuerung" des Essverhaltens oder zu einem Wechsel zwischen beidem (Habermas, 1990a; Pudel, 2001).

2.3 Weibliche Rollenkonflikte

Anorexie und Bulimie sowie, in geringerem Maße, die Binge Eating Störung sind "Frauenkrankheiten". Bei den ersten beiden Essstörungen sind zu 95% Frauen betroffen, bei der letztgenannten zu ca. 66%. Insbesondere Bulimie und Anorexie sind eng mit weiblichen Rollenkonflikten verknüpft. Bulimische Patientinnen stehen unter einem ungeheuren Druck, verschiedenen, auch sich völlig widersprechenden sozialen Rollen genügen zu wollen. Hierbei überfordern sie sich (Timko et al., 1987). Bei bulimischen Frauen finden sich häufiger eine stärkere Außenorientierung und eine stärkere Sozialangst als bei nicht essgestörten Frauen. Gleichzeitig erleben sie sich in stärkerem Maße als unecht. Diese Faktoren wiederum sind mit einer abwertenden Einstellung zum eigenen Körper verbunden (Striegel-Moore et al., 1993).

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