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Handbuch Moderation Konzepte, Anwendungen und Entwicklungen

  • Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
eBook (PDF)
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Handbuch Moderation

Moderierte Prozesse, Workshops, moderierte Gesprächsführung oder moderatorische Rollen in Führung oder Projektmanagement sind heute so selbstverständlich geworden, dass niemand mehr nach den Ursprüngen oder Hintergründen fragt. Darüber hinaus haben sich Moderationsverfahren seit Jahren weiterentwickelt, und es erschließen sich immer neue Themenfelder, in denen moderiert und Einigungsprozesse gestaltet werden. In diesem Handbuch wird gezeigt, was professionelle Moderation leisten kann, welche Anwendungsfelder sich entwickelt haben und wo sich künftig Einsatzmöglichkeiten abzeichnen. Im ersten Teil des Handbuchs werden die konzeptionellen Grundlagen von professioneller Moderation reflektiert. Der folgende Abschnitt widmet sich Instrumenten, Methoden und Formaten der Moderation. Im Abschnitt Moderation, Führung und Wandel stehen Veränderungen in Organisationen und Anforderungen an eine entsprechende Führungskultur im Vordergrund. Der letzte Abschnitt des Handbuchs widmet sich Anwendungen und Entwicklungen der Moderation, die über den ursprünglichen Fokus hinausgehen und auf Anforderungen der postindustriellen Gesellschaft und der globalen Ökonomie reagieren. Die Vielschichtigkeit der in diesem Handbuch versammelten Beiträge sowie die Unterschiedlichkeit der Anwendungen und Formate zeigt, dass die Idee der Moderation bis heute nichts an gestalterischer Kraft eingebüßt hat.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 488
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840923753
    Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
    Größe: 14820 kBytes
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Handbuch Moderation

Entwicklung einer neuen Führungskultur

Planungen und Entscheidungen betroffenen Akteure mit ins Spiel zu bringen. Die entsprechenden Methoden wurden im täglichen Arbeiten mit Kunden und in Selbstexperimenten über Jahre hinweg vervollkommnet, systematisch reflektiert und später in lehrbare Formate gebracht (Friedmann, 1996). So entstehen soziale Innovationen, als pragmatische Antwort auf reale Probleme der Gesellschaft und verbunden mit integrierenden Leitideen. Grob gesagt sind es folgende Einflüsse, die für die Entstehung der Moderation in Deutschland prägend waren (Freimuth, 2010; Freimuth & Straub, 1996):
- Die Systembetrachtung und die Beobachtung der Kommunikation in Organisationen bzw. mit ihrem Umfeld, worauf die frühe Kybernetik aufmerksam machte,
- die emanzipatorische Dimension der Beteiligung Betroffener an Planungen und Entscheidungen in hierarchischen Organisationen, die aus der Erfahrung des totalitären Deutschland und den daraus resultierenden Demokratisierungsbemühungen entstand,
- das pragmatische Interesse an umsetzbaren Lösungen und konkreten Verbesserungen, das sich im Kern an den amerikanischen Pragmatismus anlehnte,
- sowie schließlich die kollektive Reflexion dieses Innovationsprozesses und des eigenen Lernens, unter dem Einfluss von gruppendynamischen Konzepten, u. a. Themenzentrierte Interaktion (TZI).

Die Erfindung der Moderation in den 60erund 70er-Jahren war eine der ganz wenigen ernsthaften und wirksamen eigenständigen Beiträge in Deutschland zur Entwicklung einer neuen Organisationsund Führungskultur. Daraus ist eine Grundhaltung entstanden, dass die hier auftretenden Probleme unterschiedliche Antworten ermöglichen und daher nur diskursiv gelöst werden können (Beispielhaft für diese Zeit: Dahrendorf, 1968). Die Vielschichtigkeit der in diesem Handbuch versammelten Beiträge sowie die Unterschiedlichkeit der Anwendungen und Formate können als Beleg dafür gesehen werden, dass die Idee der Moderation an gestalterischer Kraft nichts verloren hat. Sie war und ist immer wieder in der Lage, auch auf völlig neue Anforderungen der sozialen Realität kreative Antworten zu geben und soziale Innovationen zu initiieren, ob es sich etwa um Großgruppen, virtuelle Gruppen oder Protestbewegungen handelt. Moderation war eine soziale Innovation und bringt andererseits offenbar ständig neue Formen und Formate als Antwort auf Kooperationsund Kommunikationsprobleme in der sozialen Realität hervor. Das passiert nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Geschehen, der Beobachtung dieses Geschehens und des eigenen Lernens, also in reflektierter Praxis. Diese beiden Perspektiven, Moderation als soziale Innovation und als reflektierte Praxis, werden im Folgenden genauer betrachtet.

2 Moderation aus der Perspektive "Soziale Innovation"

Nach Franz (2010) kann soziale Innovation unter Rückgriff auf Crozier und Friedberg (1993) als die Herausbildung und Durchsetzung neuer Formen und Prozesse von Kooperation und Konflikthandhabung, als neue soziale Praktik verstanden werden. Das war und ist immer der Anspruch von Moderation gewesen. Dazu ein aktuelles Beispiel: In einem Leitfaden der EUKommission von 2012 zu "Smart Specialisation" (Foray et al., 2012, S. 112) wird soziale Innovation in Bezug gesetzt zu regionalen Entwicklungsprozessen. Derartige Prozesse sind komplex und konfliktreich, sie umfassen u. a. die politische Willensbildung, die Entwicklung regionaler Visionen und Strategien, ihre Konkretisierung in kollaborativen Entwicklungsprozessen mit unterschiedlichen Institutionen und die Realisierung von Innovationen in Einzelorganisationen. Hier bieten sich also Moderationsanlässe auf verschiedensten Niveaus und in vielen möglichen Varianten, wenngleich das Einigungspotenzial dieser Verfahren von vielen verantwortlichen Akteuren noch völlig unterschätzt wird. Angesichts der vielen Konflikte, die wir in Deutschland aktuell mit der Durchsetzung solcher Projekte haben, ist aber zu e

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