text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ich sehe was, was Du nicht siehst ... Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Perspektiven in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2011
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
24,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ich sehe was, was Du nicht siehst ...

In diesem Band werden verschiedene Perspektiven in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie vorgestellt und zueinander in Beziehung gesetzt. Ein Überblick zu schulenübergreifenden Ansätzen ermöglicht ein integratives Gesamtbild; anhand konkreter Fälle aus der Praxis werden die vier zentralen Therapietraditionen diskursiv gegenübergestellt. Verfahrenstypische wie verfahrensübergreifende Beispiele diagnostischen und therapeutischen Handelns bieten weitere Verortungs- und Integrationsmöglichkeiten für den Leser. Die Einbettung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in die Zusammenhänge der Jugendhilfe bietet einen Blick über den Tellerrand der Psychotherapie und regt zu konstruktiven Kooperationsmöglichkeiten an. Dr. Silke Birgitta Gahleitner ist Professorin an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff ist Professor an der EFH Freiburg. Marion Schwarz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (KJP) in Bad Schwalbach, ist Vorsitzende des bkj. Friederike Wetzorke, KJP in Braunschweig, ist stellvertretende Vorsitzende des bkj.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 03.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170295704
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 1861 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ich sehe was, was Du nicht siehst ...

Einige kurze Überlegungen zum Thema: 2
"Ich sehe was, was Du nicht siehst ..."

Jürgen Hardt, Präsident der Psychotherapeutenkammer Hessen

Die psychotherapeutische Landschaft ist nach wie vor bunt, und das ist gut so! Zum Ärgernis der Gesundheitsverwaltung und der wissenschaftlichen Qualitätssicherer beugen sich die unterschiedlichen Denktraditionen nicht den verordneten Normen. Sie bleiben ihrer Tradition treu, murrend und unzufrieden, wenn sie keine Anerkennung finden, oder unangemessen stolz, manchmal auch bescheiden, wenn sie das Gütesiegel der Anerkennung errungen haben oder nicht abgesprochen bekommen. Diese Vielfalt wird von den Gesundheitsökonomen und Psychotherapieverwaltern meist beklagt, der Hinweis auf den kulturellen Reichtum der darin zum Ausdruck kommenden Menschenbilder wird als billige Ausrede gegenüber der Forderung wissenschaftlicher Bewährung belächelt. Trotzdem geben viele nicht auf.

Ist das Festhalten an den unterschiedlichen und eigenen Entwürfen und Denkweisen nur ein unangemessener Protest "Wider den Methodenzwang" 3 , der vor einer Generation eine ganze Studentenbewegung beflügelte. Sind es die ehemals Jungen, die nicht durch Erfahrung klug geworden sind und sich gegen den Geist der Zeit stemmen?

Der wissenschaftliche Trend der Zeit zeigt trotz allen Scheiterns in der Vergangenheit in Richtung einer Einheitswissenschaft: In Zukunft soll es eine Methode für jeden geben, eine Wahrheit für alles, eine Sprache, in der alles wissenschaftlich Relevante ausgedrückt werden kann. Was damit nicht erfasst werden kann, wird auf später verschoben und gilt als wissenschaftlich irrelevant, weil zur Zeit methodisch nicht bearbeitbar, egal ob es lebensrelevant ist oder nicht.

Die von solcher Wissenschaftsideologie Unbelehrbaren halten an ihrer Sichtweise fest, sie betonen die Vielfältigkeit des Lebens, sie bestehen darauf, dass Psychotherapie zwar wissenschaftlichen, aber zugleich ihr eigenen Kriterien gehorchen muss und dass sie offen sein muss für verschiedene Grunderfahrungen. Das sind alltägliche Erfahrungen mit dem Leben, die in die Praxis eingehen, sie leiten und ohne die niemand auskommt, wenn er je einen wirklichen Menschen in verantwortliche Behandlung nimmt. Eine solche Auffassung versteht die Traditionen von Psychotherapien als Explikationen einer Lebensform Psychotherapie, die auf vorwissenschaftlichen, alltäglichen Erfahrungen ausruht, diese dann mehr oder weniger überschreitet und umformt (vgl. Hardt & Hebebrand, 2004, 2006). So kommt eine lebendige Vielfalt der Sichtweisen zustande, die dem Unkundigen die Orientierung erschwert und die unterschiedlichen Experten dazu zwingt, geeignete Verständigungsformen untereinander zu entwickeln, wollen sie nicht dem normierenden Einheitsdruck hilflos ausgeliefert sein.

Diese Vielfalt der Traditionen, Schulen, Standpunkte, Denktraditionen, Sprachspiele oder Auffassungsweisen - wie immer man das auch nennen mag - wird höchst unterschiedlich aufgefasst, als zu erhaltender Wert gepriesen oder als Zeichen der Unreife des Faches und Sprachverwirrung beklagt. 4 Die Beziehungen der Traditionen untereinander sind schwer zu ordnen und ebenfalls unterschiedlicher Art. Klare Verbindungen sind oft nicht anzugeben. Meist überwiegen mehr oder weniger komplizierte Verwandtschaftsbeziehungen: legitime und illegitime, anerkannte, verleugnete oder unterschobene Abstammungen. Aber es gibt auch andere Beziehungsmodelle: Das einzig Wahre beansprucht exklusiv den Ehrentitel der Wissenschaftlichkeit, verweigert allen anderen die Anerkennung und will sie dominieren oder gar auslöschen. Manchmal wird das Verhältnis der Schulen als sich ergänzend angenommen, die Standpunkte schließen sich dann nicht aus, sondern bereichern sich, indem sie einem gemeinsam gewonnenen Bild eine besondere Tiefe verleihen, die eine einzige Sichtweise nie erreichen kann. Meist wird aber triumphi

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen