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Komplexe Traumafolgestörungen erfolgreich behandeln von Barrett, Mary Jo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2016
  • Verlag: Junfermann
eBook (PDF)
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Komplexe Traumafolgestörungen erfolgreich behandeln

Traumatisierte Menschen gezielt unterstützen In diesem Buch stellen die Autorinnen das Collaborative Change Model (CCM) vor, eine wissenschaftlich fundierte und in der Praxis bewährte Methode, um das Zusammenwirken von komplex traumatisierten Menschen und ihren professionellen Betreuern zu unterstützen. Hilfreiche Techniken für den Umgang mit Traumafolgen sowie neueste Erkenntnisse aus der Forschung machen das Buch zu einem wertvollen Begleiter für die Behandlung in unterschiedlichsten Settings. Der Fokus des CCM richtet sich auf die Therapeut-Klient-Beziehung. Ziel ist, das Commitment des Klienten zu festigen und sein Selbstwirksamkeitserleben zu fördern. Retraumatisierungen gilt es ebenso vorzubeugen wie dem Ausbrennen der Traumahelfer. Eine Stärkung aller Beteiligten verspricht die besten Therapieergebnisse und hilft den Betroffenen, wieder hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

Mary Jo Barrett ist Leiterin des Center for Contextual Change sowie Lehrbeauftragte an der Universität von Chicago und dem Chicago Center for Family Health.

Linda Stone Fish, PhD, ist David-B.-Falk-Stiftungsprofessorin an der Syracuse University in New York. Seit über 25 Jahren bildet sie Paar- und Familientherapeuten aus und betreut komplex traumatisierte Klienten.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 16.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955716011
    Verlag: Junfermann
    Größe: 833kBytes
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Komplexe Traumafolgestörungen erfolgreich behandeln

1. Komplexes Trauma

1.1 Das Individuum

Menschen sind neuronal so veranlagt, dass sie alle möglicherweise bedrohlichen Dinge in der Umwelt antizipieren und auf diese reagieren. Dies ist ein Überlebensinstinkt und in dem Teil des Gehirns abgespeichert, den wir mit allen Tieren gemeinsam haben. Unser Gehirn besteht aus vier Teilen, dem Stammhirn (einschließlich des Hirnstammes), dem Mittelhirn, dem Kleinhirn und dem Großhirn (einschließlich des Kortex). Der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des Gehirns, über den auch Reptilien verfügen, ist das Stammhirn; dieses reguliert unsere Impulse und kontrolliert unsere Erregungszustände. Für uns ist hier besonders eine über das Gehirn verteilte Ansammlung von Strukturen relevant, die an der Verarbeitung emotionaler Zustände beteiligt ist und zusammengefasst als das limbische System bezeichnet wird. "In seiner Zusammenarbeit mit sowohl limbischen als auch höheren kortikalen Regionen fungiert das Stammhirn als Schiedsrichter in unseren Entscheidungen darüber, ob wir auf Bedrohungen reagieren, indem wir unsere Energie für Kampf oder Flucht mobilisieren, oder ob wir hilflos erstarren und angesichts einer überwältigenden Situation zusammenbrechen" (übersetzt nach Siegel, 2010a, S. 16-17). Wenn wir Bedrohung oder Gefahr erleben, wird ein bestimmtes Kerngebiet in unserem Gehirn (die Amygdala, ein funktionaler Bestandteil des limbischen Systems) aktiviert, und wir bereiten uns unseren biologischen Anlagen entsprechend darauf vor, die Bedrohung zu bekämpfen, ihr zu entfliehen oder in schützender Weise zu erstarren. Dieses physiologisch motivierte Verhalten ist protektiv; wenn unser Stammhirn bestimmte Reaktionen auf Bedrohungen hervorruft, so erfolgen diese automatisch und haben überlebenssichernde Funktionen.

Unser vegetatives Nervensystem hat drei Hauptabteilungen, das sympathische Nervensystem, das parasympathische Nervensystem und das enterische Nervensystem. Das sympathische Nervensystem wird in Situationen aktiviert, in denen Bedrohungen oder Stress gegenwärtig sind. Es hilft uns dabei, uns vor potenziellen Gefahren zu schützen, indem es uns auf Kampf oder Weglaufen vorbereitet. Die Amygdala ist am Abspeichern von Erinnerungen an Bedrohungen beteiligt und löst unter anderem vegetative Reaktionen darauf aus. Der menschliche Körper ist ein beeindruckendes Instrument, das darauf programmiert ist, überlebenswichtige Funktionen sehr nachdrücklich auszuführen. Beispielsweise steigt unser Puls, und Blut fließt in unsere Muskeln, um eine schützende Reaktion oder das Rennen um unser Leben vorzubereiten. Unser Mund fühlt sich trocken an, denn der Speichelfluss lässt nach - unser Körper weiß, dass wir vermutlich in näherer Zukunft keine Nahrung zu uns nehmen werden. Unsere Hauttemperatur sinkt, da wir nun Ressourcen verbrauchen, mit denen wir normalerweise unseren Körper warm halten, und unsere Pupillen weiten sich, damit wir potenzielle Bedrohungen deutlicher sehen können. Mit anderen Worten, wir sind aufgeputscht. Wir sind nicht nachdenklich, wir sind nicht ruhig, und wir sind auch nicht entspannt. Wir sind bereit, auf die Gefahr zu reagieren. Diese überlebenswichtige physiologische Reaktion hat unsere Art seit sehr langer Zeit am Leben erhalten. Das genaue Erscheinungsbild von Gefahr hat sich im Laufe der Zeit verändert und ist auch für jede Person individuell unterschiedlich. Was für die eine bedrohlich ist, muss für eine andere keineswegs ebenfalls bedrohlich sein. Dementsprechend haben sich all unsere Modi von Kampf, Flucht und Erstarren im Laufe der Zeit in Abhängigkeit von den Kontexten entwickelt, in denen wir leben.

Porges (2001) prägte den Begriff "Neurozeption", um zu erklären, wie das Nervensystem Bedrohungen und Gefahren entdeckt, ohne dass uns dies bewusst ist. Seine Polyvagal-Theorie (2001, 2003) besagt, dass drei grundlegende entwicklungsgeschichtliche Stufen für die Reaktion auf Gefahr zur Verfügung stehen, die phylogenet

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