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Konzepte der Psychopathologie Von Karl Jaspers zu den Ansätzen des 21. Jahrhunderts von Jäger, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.11.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Konzepte der Psychopathologie

Was ist Psychopathologie? Heute wird dieser Begriff häufig als bloße Sammelbezeichnung für die Summe aller abnormen psychischen Phänomene verwendet. Psychopathologie kann aber auch als eine grundlegende Methodenlehre verstanden werden, in der es um die Erfassung, Beschreibung und Ordnung von krankhaften Erlebnis- und Verhaltensweisen geht. Als eine solche Grundlagenwissenschaft beinhaltet Psychopathologie eine Vielfalt von recht unterschiedlichen konzeptuellen Ansätzen. Dieses Buch möchte ausgehend von Karl Jaspers in verschiedene historische und aktuelle Konzepte der Psychopathologie einführen und deren Bedeutung für die heutige Psychiatrie und Psychotherapie darstellen.

Prof. Dr. Markus Jäger, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg; Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Produktinformationen

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Konzepte der Psychopathologie

1 Einführung und Begriffsbestimmung

Psychopathologie als Lehre von den krankhaft veränderten bzw. abnormen Erlebnis- und Verhaltensweisen ist eine wichtige Grundlage des Faches Psychiatrie und Psychotherapie. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts scheint die Psychopathologie jedoch immer mehr an Bedeutung zu verlieren. So war bereits vor Jahrzehnten von einer Krise der Psychopathologie die Rede (Janzarik 1976). Diese Tendenz dürfte maßgeblich auch mit der zunehmenden Standardisierung von Befunderhebung und Diagnostik in der Psychiatrie sowie mit dem Fortschritt der neurobiologischen Forschungsmethoden zusammenhängen. In den letzten Jahren scheint das Interesse an psychopathologischen Fragestellungen jedoch wieder zuzunehmen (Andreasen 2007, Stanghellini und Broome 2014). Insbesondere setzten sich zum hundertjährigen Jubiläum der Allgemeinen Psychopathologie von Karl Jaspers zahlreiche Beiträge mit diesem epochalen Werk auseinander (Häfner 2013, Jäger et al. 2015, Wiggins und Schwartz 2013).

Immer wieder wurde versucht, den Begriff "Psychopathologie" zu definieren. So bezeichnete beispielsweise Werner Janzarik "Psychopathologie" als das

"Gesamt der zu allgemeinen Aussagen und Folgerungen vordringenden Bemühungen, jene Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens zu erfassen, die psychiatrische Kompetenz ansprechen und durch somatische Befunde nicht hinreichend zu definieren sind" (Janzarik 1982, 1).

Von Christin Scharfetter stammt hingegen der folgende Definitionsversuch: "Gegenstands-Gebiet der Psychopathologie sind zur Dysfunktionalität führende [...], meist leidvolle Erlebnis- und Verhaltensweisen des wachbewussten Menschen" (Scharfetter 2010, 47). Psychopathologie ist in diesem Sinne auch als Grundlagenwissenschaft (Janzarik 1982) und Methodenlehre (Saß 1994) anzusehen. So wurde beispielsweise von Henning Saß davor gewarnt, Psychopathologie lediglich als Sammelbezeichnung für den psychopathologischen Befund aufzufassen (Saß 1994). Beschränkt man sich nämlich auf eine solche Sichtweise, so droht die Beschäftigung mit den methodischen Problemen in Vergessenheit zu geraten, welche sich beispielsweise im Rahmen der Befunderhebung ergeben. Außerdem können auf diese Weise die verschiedenen Konzepte und Ansätze aus dem Blickfeld geraten, die die auftretenden Phänomene in eine sinnvolle Ordnung bringen wollen. So wurde von der amerikanischen Psychiaterin Nancy Andreasen auch beklagt, dass man inzwischen eher die Kriterien der verschiedenen Diagnosemanuale auswendig lernt, anstatt sich mit den bedeutenden Psychopathologen auseinanderzusetzen (Andreasen 2007).

Eine solche Auseinandersetzung mit wesentlichen Konzepten der Psychopathologie ist der Gegenstand der folgenden Ausführungen. So möchte das vorliegende Buch in die Lektüre von wichtigen psychopathologischen Ansätzen einführen. Die hierbei vertretene Kernthese lautet, dass eine voraussetzungslose psychopathologische Befunderhebung nicht möglich ist. Vielmehr wird in verschiedenen psychopathologischen Konzepten eine Auswahl von bestimmten Phänomenbereichen getroffen, was zu unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen führt. Insbesondere sind alle empirischen Untersuchungen im Bereich der Psychopathologie immer auch von theoretischen Vorannahmen geleitet, was jedoch häufig nicht ausreichend thematisiert und reflektiert wird.

In diesem Sinne soll nun eine Auswahl von grundlegenden Konzepten der Psychopathologie dargestellt und in Hinblick auf ihre wechselseitigen Bezüge erläutert werden. Darüber hinaus soll schließlich auch die Bedeutung der verschiedenen Ansätze für die aktuelle Psychiatrie zur Sprache kommen. Im Einzelnen wird hierbei auf folgende Aspekte eingegangen:

- Kapitel 2 befasst sich

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