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Lehrbuch Mentalisieren Psychotherapien wirksam gestalten von Schultz-Venrath, Ulrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2013
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Lehrbuch Mentalisieren

Dieses Lehrbuch vermittelt die theoretischen und praktischen Grundlagen des Mentalisierungskonzepts. Mentalisieren wird vor allem zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen eingesetzt, wird sich aber auch zur Behandlung anderer Störungen durchsetzen. Es bietet den Vorteil, dass es von Therapeuten ganz unterschiedlicher Ausrichtungen angewendet werden kann. Das Mentalisierungskonzept erweist sich für die Behandlung von Patienten mit psychischen und psychosomatischen Störungen - durch Therapeuten der verschiedensten Schulrichtungen - als ein sehr hilfreiches Instrument zur Gestaltung des Therapieprozesses. Der Autor stellt zunächst das Mentalisierungsmodell dar und erläutert es mit Hilfe aktueller psychoanalytischer, neurowissenschaftlicher und neuro-psychiatrischer Daten und Befunde. Der Schwerpunkt liegt auf jedoch auf der praktischen klinischen Anwendung bei: - Borderline-Persönlichkeitsstörungen - Angststörungen - Depression - AD(H)S im Erwachsenenalter und - Posttraumatischen Belastungsstörungen. Das Buch wendet sich an: PsychotherapeutInnen sämtlicher Schulen PsychoanalytikerInnen Unter dem Titel 'Mentalisierungsbasiertes Management' geht es im fünften Kapitel um die Gestaltung der Zusammenarbeit in Kliniken und Tageskliniken. Therapeutinnen und Therapeuten müssen selbst mentalisieren, um Ihren Patienten wirksam helfen zu können. Die Tätigkeit einer Vielzahl von Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen ist in einer Klinik zu koordinieren, damit die Behandlung ihrer Patienten möglichst gut gelingt und auch die wirtschaftlichen Aspekte einer Klinik im Auge behalten werden. Unter einem einseitig ökonomischen Fokus wirkt sich das Handeln von Führungskräften häufig mentalisierungshemmend aus. Die Rahmenbedingungen, unter denen im Gesundheitswesen gearbeitet wird, werden skizziert. Anschließend wird ein Netzwerkmodell vorgestellt, mit dessen Hilfe die komplexen Zusammenhänge in einer Organisation abgebildet, strukturiert und besser verstanden werden können. Mit 'mentalisierungsbasiertem Management' wird ein Konzept zur Verfügung gestellt, mit dem besser zusammengearbeitet werden kann, so dass Mentalisieren bei allen Beteiligten erhalten und gefördert wird.

Prof. Dr. med. Schultz-Venrath ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Evangelischen Krankenhaus, Bergisch Gladbach, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Witten/Herdecke.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 30.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608104554
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 5417kBytes
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Lehrbuch Mentalisieren

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Zur Entwicklungsgeschichte des Mentalisierungsmodells und der mentalisierungsbasierten Therapie

Die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) ist als Modifikation psychoanalytischer Psychotherapie entwickelt worden, nachdem sich Beobachtungen häuften, dass Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entweder ihre psychoanalytische Psychotherapie gar nicht antraten, frühzeitig abbrachen oder von der Therapie nicht profitieren konnten (Gunderson et al. 1989; Stern 1945). Als Gründe wurden Enttäuschung über die Behandlung, ein Mangel an sozialer Unterstützung und Schwierigkeiten, Termine einzuhalten, angeführt. Zur Erkrankung an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung gehört, dass Patienten am selben Tag drängend um eine Behandlung bitten, um sie kurz darauf ebenso engagiert wieder zu verwerfen. Diese - manchmal über Jahrzehnte anhaltende - Ambivalenz von BPS-Patienten gegenüber Psychotherapien aller Art konnte umfassend erst durch die Bindungsforschung verstanden werden, die als zentraler Baustein des Mentalisierungsmodells anzusehen ist: Das Behandlungsangebot oder die Behandlung selbst aktiviert das Bindungssystem, wodurch das Selbsterleben brüchig wird, weil eine sichere Bindung diesen Patienten kaum vertraut ist und als stabile Repräsentanz nicht ausreichend zur Verfügung steht. Dadurch verstärken sich in der Regel rigide Abwehrmodi, die mit einer verminderten Mentalisierungsfähigkeit einhergehen.

Das Mentalisierungsmodell fußt auf verschiedenen konzeptuellen Wurzeln, die - als "work in progress" - Einfluss auf die Theorie und psychotherapeutische Technik ausüben (Holmes 2005, 2009):

die kognitive Psychologie und das "Theory of Mind"- (ToM-) Konzept, das zum besseren Verständnis von autistischen Störungen beigetragen hat (Baron-Cohen et al. 1985, 1994, 1995);
die psychoanalytische Objektbeziehungstheorie, insbesondere Bions (1990) allgemeine Theorie des Denkens als Antwort auf Abwesenheit, Verlust und sich wiederholende Frustration bzw. als "Bollwerk" dagegen;
die französische psychoanalytische Psychosomatik mit ihrem Konzept des "operativen Denkens" als Fehlen von Mentalisieren; Gedanken entstehen in diesem Modell aus der Bindung von Triebenergie an bestimmte Vorstellungen. Misslingt diese Bindung, wird Triebenergie entweder durch Handlung abgeführt oder mündet in einen somatischen Prozess (Marty 1991; Lecours & Bouchard 1997);
die Winnicottsche Idee des Übergangsraums als Bereich, in dem sich Realität und Phantasie überlappen. Das Spiel ermöglicht dem Kind eine Annäherung an die Realität wie später der Einsatz spielerischer Interventionstechniken in der Psychotherapie Erwachsener ("playing with reality").
Die Londoner Arbeitsgruppe um Bateman und Fonagy (Fonagy et al. 2004) entwickelte mit MBT eine psychodynamische Behandlung für Borderline-Patienten im Rahmen eines tagesklinischen (Bateman & Fonagy 2004a; Bateman & Fonagy 2008 a) und später ambulanten Settings (Bateman & Fonagy 2009). Inzwischen wird MBT in niederfrequenten analytischen Psychotherapien (Schultz-Venrath 2008 a), in Kurztherapien (Allen et al. 2011), in höherfrequenten Langzeit-Psychoanalysen, in Gruppenpsychotherapien (Bolm 2009a; Schultz-Venrath 2008 b; Karterud & Bateman 2012), in kinderanalytischen Psychotherapien (Zevalkink et al. 2012), in den Tanz- und Körpertherapien (Fiedler et al. 2011) sowie in Familientherapien (Asen & Fonagy 2012) eingesetzt. Dabei betonen die Autoren in britischer Bescheidenheit, dass sie keine neue Therapie erfunden, sondern sich nur auf einen neuen Fokus konzentriert hätten. Außer bei

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