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Musikpsychologie - Interdisziplinäre Ansätze

  • Verlag: Hogrefe Verlag
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Musikpsychologie - Interdisziplinäre Ansätze

Der Band beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit folgenden Themen:
- "The music of nature?" - Zum Verhältnis von Musiktheorie und Musikpsychologie
- Entwurf eines Forschungsparadigmas für die empirische Erforschung Populärer Musik: Multiple optimierte Passung in den Produktionsketten der Popmusik
- Ästhetik, Kunst und Empirie - Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten
- Theoretische Überlegungen zur gesellschaftlichen und persönlichen Relevanz von Klingeltönen und eine explorative Studie zur Klingeltonselektion
- Freude am Singen bei 10- bis 12-Jährigen: Möglichkeiten der musikpädagogischen Einflussnahme
- Anreize des Übens und Musizierens bei 15- bis 16-jährigen Schülern und bei Schulmusikstudierenden

Produktinformationen

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Musikpsychologie - Interdisziplinäre Ansätze

3 Experimentelle musikpsychologische Forschung aus erkenntnistheoretischer Sicht

Georg Feder, damaliger Leiter des Joseph Haydn-Instituts, hat in einem berühmten Vortrag und Aufsatz Folgendes zur Begründung seiner Ablehnung experimenteller musikpsychologischer Untersuchungen ausgeführt:

"Jeder Teilnehmer [eines Experiments] urteilt erstens abhängig von einer bestimmten kulturellen oder historischen Situation, zweitens abhängig von dem Grad persönlicher Verinnerlichung traditioneller Werte, den wir Bildung nennen, drittens mehr oder weniger schöpferisch. Aus dem ersten Grund ist die Zahl der Probanden nie groß genug, um zu einer universalen Erkenntnis zu gelangen [...] Ergebnisse von der Art: dieses Stück ist fröhlich, jenes interessant [...] können jederzeit von einem einzelnen Beurteiler revidiert werden, wenn er musikalisch gebildeter und schöpferischer ist als der statistische Durchschnitt der Probanden." (Feder, 1980, S. 430)

Feders Kritik bezieht sich vornehmlich auf das sogenannte Induktionsproblem. Mit diesem Problem haben sich im 20. Jahrhundert zwei Philosophen ausführlich auseinandergesetzt, deren Grundgedanken im Folgenden skizziert seien: Karl Popper, der die experimentell arbeitenden Erfahrungswissenschaften im Blick hatte (Popper, 1935/2005), und Hans-Georg Gadamer, der sich in seinen Überlegungen auf die Geschichtswissenschaften bezieht (Gadamer, 1960/1990). Dass Gadamer in die folgende Betrachtung einbezogen wird, ist darin begründet, dass seine Überlegungen auch für empirische musikpsychologische und musiksoziologische Arbeiten von Bedeutung sind.

Das Induktionsproblem ist Poppers Auffassung nach dadurch zu lösen, dass Beobachtung und logische Ableitung von schlussfolgernden Sätzen in einem zyklischen Prozess kombiniert werden. Beobachtungen führen nicht direkt zu verallgemeinerbaren Aussagen, sondern zur "vorläufig unbegründeten Antizipation" einer Theorie (Popper 1935/2005, S. 8). Aus diesen Beobachtungen lassen sich auf logischem Wege Schlussfolgerungen ableiten, die in Experimenten überprüft werden können. Hierzu wird zunächst eine Hypothese allgemeiner Art gebildet und aus dieser Hypothese werden Sätze geringerer Reichweite abgeleitet, die der experimentellen Prüfung zugänglich sind. Entscheidend ist also, dass eine Theorie nicht nur per Dogma und auch nicht nur aus einer Kette abstrakter logischer Ableitungen generiert werden kann, sondern auch auf Wahrnehmung basiert sein kann.

"Will man sowohl den Dogmatismus wie den unendlichen Regreß vermeiden, so bleibt nur der Psychologismus übrig, d. h. die Annahme, daß man Sätze nicht nur auf Sätze, sondern z. B. auch auf Wahrnehmungserlebnisse gründen kann." (Popper 1935/2005, S. 69 f.)

Es gilt bei Popper allerdings die Einschränkung, dass die Ergebnisse experimenteller Forschung nicht zu einer Verifizierung eines Satzes führen können, sondern nur zur Falsifizierung. Empirische Forschung führt selbst also nicht zu einer Theorie und kann auch keine endgültige Entscheidung über deren Wahrheitsgehalt herbeiführen. Aber sie kann mit einer definierten Wahrscheinlichkeit Theorien widerlegen oder aber Theorien als vorläufig nicht widerlegt bestätigen. Es ergibt sich also in gewisser Weise eine Art Erkenntnisspirale von einer vorläufigen Theorie über deren experimentelle Überprüfung zu deren Akzeptanz und weitergehender Prüfung oder Verwerfung.

Das zentrale Anliegen Gadamers war ganz anderer Art: Ihm ging es um das Verstehen historischer Texte. Hier liegt das Problem also darin, dass ein einzelner Wissenschaftler einen Text interpretiert und seine subjektive Sichtweise in die Deutung zwangsweise einfließt. Verallgemeinerte Aussagen sind also auch in diesem Fall anfechtbar. Nach Gadamer kann das Verstehen alter Texte nur gelingen, wenn sich der Wissenschaftler in die jeweilige historische Situation hineinversetzen kann, sich hierbei aber über seine eigene historische Position im Klaren ist, also nich

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