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Neurobiologie der Abhängigkeit Grundlagen und Konsequenzen für Diagnose und Therapie von Suchterkrankungen

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2012
  • Verlag: Kohlhammer
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Neurobiologie der Abhängigkeit

Die Erforschung der neurobiologischen Aspekte von Suchterkrankungen dient dem Verständnis der Krankheitsursachen, deren spezifischer Behandlung und der Entstigmatisierung der betroffenen Menschen. Der Band stellt die Leitsymptome von Abhängigkeitserkrankungen vor, bezieht diese auf ihre neurobiologischen Grundlagen und diskutiert die Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Suchterkrankungen. Ausführlich werden Störungen im sog. dopaminergen Belohnungssystem und ihre Auswirkungen auf die GABAerge und glutamaterge Neurotransmission beschrieben. Weiterhin werden Störungen der serotonergen Neurotransmission und ihre Bedeutung für die Affektivität ebenso wie Veränderungen der Opioidrezeptoren diskutiert. Kapitel zu den genetischen Grundlagen der jeweiligen Suchterkrankungen und den therapeutischen Implikationen der neurobiologischen Befunde runden das Buch ab.
Prof. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte (Berlin). Prof. Anil Batra, Leiter der Sektion Suchtforschung und Suchtmedizin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Tübingen. Prof. Norbert Scherbaum, Direktor der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, LVR-Klinikum Essen, (Universität Duisburg-Essen). Prof. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Leitung der LVR-Klinik Köln, Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 202
    Erscheinungsdatum: 31.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170235649
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 12810kBytes
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Neurobiologie der Abhängigkeit

2 Was macht Substanzen wie Alkohol, Heroin, Kokain und Nikotin zu Drogen?

Alkohol und Nikotin gelten als Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial und damit als Drogen, die zu einer Abhängigkeitserkrankung führen können. Diese Definition mag auf den ersten Blick überraschen, ist man doch gewohnt, bei Drogen eher an sog. harte Drogen und damit an Substanzen wie Heroin oder Kokain zu denken, deren Konsum illegal ist und die zu schweren Abhängigkeitserkrankungen führen. Allerdings sind die gesundheitlichen Konsequenzen des Nikotin- und Alkoholkonsums als ähnlich schwer wie die des Konsums illegaler Drogen einzuschätzen. So sterben pro Jahr in Deutschland bis zu 2.000 Menschen aufgrund des Gebrauchs illegaler Drogen, etwa 40.000 durch Alkoholwirkungen und bis zu 140.000 Menschen durch Nikotinkonsum und seine Folgen (DHS, 2010). Bezieht man die Zahl der Todesfälle auf die Anzahl der abhängig erkrankten Personen, die beim Konsum illegaler Drogen um 200.000 liegt, bei Alkoholabhängigkeit um ca. 1,3 Millionen und bei Nikotinabhängigkeit um 14 Millionen Menschen (BfG, 2010b), so sterben jeweils etwa 1 bis 3 % aller Drogenkonsumenten an den Folgen dieser Drogeneinnahme, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Alkohol, Nikotin oder illegale Drogen handelt. Eine Gefährlichkeit des Konsums für die Gesundheit ist also bei all diesen Drogen gegeben. Aber was macht eine Droge zur Droge?

Vereinfachend könnte man sagen, dass eine Substanz dann eine Droge ist, wenn sie eine Abhängigkeitserkrankung hervorrufen kann. In den internationalen Klassifikationssystemen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (American Psychiatric Association, APA) werden Abhängigkeitserkrankungen relativ übereinstimmend durch die Entwicklung von Toleranz gegenüber den Substanzwirkungen und das Auftreten von Entzugserscheinungen beim plötzlichen Absetzen der Substanz einerseits und durch das Verlangen nach der Substanz sowie die verminderte Kontrolle im Umgang mit der Substanz andererseits charakterisiert (WHO: ICD-10; APA: DSM-IV). Auf die genaue Definition und die neurobiologischen Grundlagen dieser Phänomene wird in weiteren Kapiteln eingegangen werden.

Im Tierversuch kann man oft schon vor der Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung abschätzen, ob eine Substanz eine Droge ist oder nicht. Denn um als Droge zu gelten, muss die Substanz zwei Eigenschaften erfüllen: Sie muss eine bestimmte, charakteristische Befindlichkeit auslösen, die von der Wirkung anderer Substanzen unterschieden werden kann, und sie muss freiwillig konsumiert werden und dabei so attraktiv sein, dass das Tier Anstrengungen unternimmt, diese Droge zu erlangen, oft auf Kosten anderer Aktivitäten (Wise, 1988; di Chiara, 1995; Tzschentke, 1998). Wenn man also gar nicht merkt, dass der Konsum einer Substanz seelische Phänomene auslöst und wenn diese Wirkungen nicht zumindest teilweise so angenehmer Art sind, dass der Substanzkonsum wiederholt wird, dann bildet sich keine Abhängigkeitserkrankung aus. Wenn umgekehrt die seelischen Wirkungen von zwei Drogen relativ ähnlich sind, dann kann die eine anstelle der anderen konsumiert werden, und es gibt einen Hinweis darauf, dass beide Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial ähnliche neurobiologische Vorgänge im Gehirn auslösen. Beispielsweise stimulieren sowohl Nikotin wie Amphetamin eine Dopaminausschüttung in bestimmten Hirnregionen wie dem ventralen Striatum, die zu so angenehmen Gefühlen führen soll oder so viel Begierde nach der Substanz auslöst, dass der Drogenkonsum wiederholt wird (Wise, 1988; di Chiara, 1995; Heinz et al., 2009a). Die neurobiologischen Systeme, die drogenassoziierte Gefühle von Lust oder Begierde vermitteln, werden im weiteren Verlauf genauer dargelegt.
2.1 Lernmechanismen in der Entstehung und Aufrechterhaltung abhängigen Verhaltens

Wichtig für die Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung sind Lernmechanismen wie der Prozess der klas

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