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Psychotherapie der Adipositas Interdisziplinäre Diagnostik und differenzielle Therapie von Becker, Sandra (eBook)

  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
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Psychotherapie der Adipositas

Die Behandlung der Adipositas stellt aufgrund der komplexen multifaktoriellen Genese eine Herausforderung dar. Ein leitliniengerechtes Therapiekonzept sollte auf die individuellen Bedürfnisse und Problembereiche des Betroffenen zugeschnitten werden und ist vom Ausmaß der Adipositas, dem Vorliegen körperlicher Folgeerkrankungen und psychischer Komorbidität sowie von Motivationsfaktoren der Patienten abhängig. Das praxisorientierte Buch gibt einen Überblick über das diagnostische Vorgehen, die Erstellung einer differenzierten Therapie und die aktuellen Behandlungsleitlinien der Adipositas. Den Schwerpunkt bildet ein kognitiv-verhaltenstherapeutischer Leitfaden zur Behandlung von adipösen Patienten mit einem BMI von 30-40 kg/m². Arbeitsmaterialien können als Zusatzmaterial im Internet heruntergeladen werden.

Dr. rer. nat. Dipl. Psych. Sandra Becker, leitende psychologische Psychotherapeutin der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen. Prof. Dr. med. Stephan Zipfel, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen. Priv. Doz. Dr. med. Martin Teufel, leitender Oberarzt in der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen.

Produktinformationen

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Psychotherapie der Adipositas

7 Motivation zur Veränderung

Sandra Becker

7.1 Herstellen eines tragfähigen therapeutischen Arbeitsbündnisses

Menschen mit Adipositas finden oftmals schwer eine ausreichende Motivation zur Verhaltensänderung. Dass Ermahnungen von ärztlicher Seite wie beispielsweise "Sie müssen abnehmen und weniger essen und sich mehr bewegen" kaum erfolgreich sind, ist unbestritten.

Die Betroffenen haben zumeist viele frustrierende Erfahrungen mit vorausgegangenen Gewichtsreduktionsversuchen hinter sich, die mittelfristig im Gewichtsverlauf wieder zu einem Jojo-Effekt geführt haben. Sie zweifeln daran, ob und wie sie es schaffen können, eine Verhaltensänderung in Bezug auf ihr Ess- und Bewegungsverhalten herbei zu führen, die zu einem langfristigen Gewichtsverlust führt. Oftmals stellt sich ihnen die Frage, ob die Anstrengungen, die sie für eine erfolgreiche Gewichtabnahme aufbringen müssen, im Verhältnis zu dem Ergebnis stehen. Die realistisch zu erwartende Gewichtsabnahme fällt in der Regel geringer aus als diejenige, die die Betroffenen sich wünschen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Patienten vor Beginn einer Intervention verdeutlichen, was es für Gründe für, aber auch gegen eine Teilnahme an einem Gewichtsreduktionsprogramm gibt. Zweifel und kritische Einstellungen sollen ebenso wie die damit verbundenen Erfolgserwartungen und Vorteile erörtert und diskutiert werden. Ziel ist die Förderung der Veränderungsbereitschaft unentschlossener, ambivalenter Betroffener durch eine motivierende Gesprächsführung, dem sogenannten "Motivational Interviewing" (MI). MI wurde ursprünglich von Miller und Rollnick in den 1980er Jahren aus der Arbeit mit Suchtpatienten entwickelt (Miller und Rollnick 1991) und ist eine Kommunikationsmethode, die heute in vielen Bereichen - so auch in der Adipositas- und Essstörungsbehandung (Keifenheim et al. 2013; Carels et al. 2007; DiMarco et al. 2009) -, in denen Patienten zu einer Verhaltensänderung motiviert werden sollen, Anwendung findet.

Zentrale Elemente sind die Förderung intrinsischer Motivation und die Auflösung von Ambivalenz. Der Therapeut sollte dabei einen konfrontativen Stil vermeiden und so die Entscheidung zu einer Verhaltensänderung beim Patienten erleichtern. Er schafft eine Gesprächsatmosphäre, in der vorwiegend der Patient zum Verfechter der Veränderung wird. Ambivalenz wird nicht als Hindernis, sondern als normales Stadium auf dem Weg zu einer Verhaltensänderung verstanden und nicht problematisiert. Widerstand gegen eine Veränderung wird auch als ein Ergebnis von Interaktion zwischen Patient und Behandler betrachtet (Miller und Rollnick 2009). MI geht davon aus, dass der Patient die Argumente für eine Veränderung selbst entdecken und aussprechen muss. Behandler helfen ihm lediglich, diese Argumente zu finden und zu beleuchten, werden aber selbst nicht in Richtung einer Veränderung argumentieren. Je mehr der Patient über Veränderung spricht (sog. "Change-Talk") und je mehr er dabei Aussagen zur Selbstverpflichtung macht (sog. "Commitment-Talk"), desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Veränderung stattfindet.

In Tabelle 7.1 sind hilfreiche Strategien zur motivierenden Gesprächsführung zusammengefasst.

Tab. 7.1: Strategien der motivierenden Gesprächsführung
7.2 Interventionen zur Überprüfung der Veränderungsmotivation

Im Folgenden werden verschiedene Übungen vorgestellt, die Patienten auf eine Verhaltensänderung vorbereiten und in einer Entscheidungsfindung unterstützen. Die Übungen befassen sich mit Vor- und Nachteilen des momentanen Status-quo bzw. der Verhaltensänderung und klären, welche Ziele der Patient in seiner Zukunft erreichen will, welchen Gewinn er sich von einer Verhaltensänderung verspricht und wie sehr er sich und

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