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Ressourcen fördern Materialien für die Arbeit mit Kindern und ihren psychisch kranken Eltern von Lenz, Albert (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
eBook (PDF)
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Ressourcen fördern

Kinder psychisch kranker Eltern sind häufig mit besonderen familiären und psychosozialen Belastungen konfrontiert, die das Risiko für die Kinder, selbst eine psychische Störung zu entwickeln, wesentlich erhöhen. Um die Entstehung oder eine Chronifizierung von psychischen Störungen zu verhindern und eine normale Entwicklung zu ermöglichen, sind vorbeugende Maßnahmen und spezielle Interventionsprogramme notwendig. Durch diese können gezielt individuelle und familiäre Schutzfaktoren gestärkt werden. Das Buch liefert - in Form von sieben Modulen - Anleitungen und Materialien, die bei der Durchführung von familienzentrierten Präventions- und Interventionsmaßnahmen eingesetzt werden können. Die beiden Basismodule beschäftigen sich mit der Kooperation zwischen den Systemen der Kinder- und Jugendhilfe und der Psychiatrie sowie mit der Wahrnehmung und Einbeziehung der Kinder in die Behandlung des erkrankten Elternteils. Die fünf Interventionsmodule dienen der diagnostischen Einschätzung der Belastungen und Ressourcen, der Förderung sozialer Ressourcen sowie der Problemlösekompetenz der Kinder und Jugendlichen. Weiterhin liefern sie Informationen zur Förderung der familiären Kommunikation sowie zur Psychoedukation für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern. Die Materialien sind in erster Linie für Kinder ab dem Grundschulalter sowie für Jugendliche und ihre Eltern gedacht. Einzelne Übungen sind aber auch für jüngere Kinder geeignet. Das Präventions- und Interventionsprogramm ist ein flexibles System aus verschiedenen Bausteinen, die entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen des Kindes und seiner Familie miteinander kombiniert werden können. Alle Arbeitsmaterialien stehen zudem auf der beigefügten CD-ROM zum Ausdrucken bereit.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 284
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840922183
    Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
    Größe: 1780 kBytes
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Ressourcen fördern

1 Kinder und ihre psychisch kranken Eltern (S. 3-4)

Studien zeigen übereinstimmend, dass Kinder mit psychisch erkrankten Eltern nicht nur häufig mit besonderen Belastungen und Beeinträchtigungen konfrontiert sind, sondern darüber hinaus ein deutlich erhöhtes Risiko haben, selbst eine psychische Störung zu entwickeln. Kinder von psychisch kranken Eltern stellen also eine besondere psychiatrische Risikogruppe dar. Eine Datenerhebung an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Marburg, die von 1998 bis 2002 durchgeführt wurde und in der die vollständige stationäre Inanspruchnahmepopulation einbezogen war, ergab, dass in etwa die Hälfte der psychisch kranken Kinder bzw. Jugendlichen bei einem psychisch kranken Elternteil lebt. Besonders hohe Erkrankungsraten wurden bei den Eltern von Kindern mit Störungen im Sozialverhalten gefunden (Bundespsychotherapeutenkammer, 2007).

1.1 Ergebnisse der Risikoforschung

Die Risikoforschung konnte belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte psychische Störung zu entwickeln, erhöht ist, wenn ein leiblicher Elternteil oder beide Elternteile diese Erkrankung aufweisen. Deutlich können diese Zusammenhänge bei schizophrenen Erkrankungen nachgewiesen werden. Liegt das lebenslange Erkrankungsrisiko für Schizophrenie in der Allgemeinbevölkerung bei 1 %, ist es um mehr als das zehnfache erhöht, wenn ein Elternteil unter einer schizophrenen Erkrankung leidet. Sind beide Elternteile an einer Schizophrenie erkrankt, liegt das Erkrankungsrisiko für die leiblichen Kinder bei etwa 40 %.

Zahlreiche Studien liegen vor, die den Zusammenhang zwischen elterlicher depressiver Erkrankung und affektiver Störung bei den betroffenen Kindern aufzeigen (vgl. Beardslee et al., 1998). Man kann davon ausgehen, dass das spezifische Risiko von Kindern depressiv erkrankter Eltern selbst auch eine affektive Störung zu entwickeln, zwei- bis viermal höher ist als bei Kindern aus Vergleichsstichproben. Das Risiko für eine Major Depression ist bei Kindern von Eltern mit dieser Erkrankung etwa sechsmal höher als für Kinder unauffälliger Eltern (Downey & Coyne, 1990). Etwa 40 % der Kinder von affektiv erkrankten Eltern erleben im Laufe der Kindheit und Jugend selbst eine depressive Episode. Sind beide Eltern depressiv erkrankt, beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Kinder, im Laufe ihres Lebens irgendeine Form von Depression zu entwickeln, etwa 70 % (Robins et al., 1991). Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass bei den Kindern psychisch kranker Eltern nicht nur das spezifische Risiko für die gleiche Erkrankung erhöht ist, sondern darüber hinaus auch noch das generelle Risiko für psychische Störungen insgesamt. So konnte in Metaanalysen aufgezeigt werden, dass etwa 61 % der Kinder von Eltern mit einer majoren Depression im Verlaufe der Kindheit und Jugend eine psychische Störung entwickeln. Zu den Störungen gehören Phobien, Panikstörungen, Suchterkrankungen, Einschränkungen in den interpersonellen Bindungsfähigkeiten und spezielle Auffälligkeiten wie z. B. eine verstärkte Neigung zu Schuldgefühlen (Beardslee et al., 1998). Längsschnittstudien zeigen, dass die genannten Störungen nicht nur vorübergehender Natur sind. Die Unterschiede zu den Vergleichskindern persistieren über die Zeit hinweg. So bestehen die Auffälligkeiten und Probleme der Kinder häufig weiter, auch wenn sich z. B. die Mutter von der Depression erholt und sich die familiäre Situation beruhigt hat (Hammen et al., 1990).

Rutter und Quinton (1984) stießen in ihrer Untersuchung auf eine signifikant erhöhte Rate kindlicher Auffälligkeiten bei Eltern mit einer umschriebenen Persönlichkeitsstörung. Es gibt sogar Hinweise, dass Kinder bei einer Persönlichkeitsoder Suchtstörung eines Elternteils ungünstigere Entwicklungsmerkmale aufweisen als bei schizophrenen und affektiven Erkrankungen. Es zeigte sich auch, dass Kinder von Eltern, die an Angststörungen leiden, ein b

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