text.skipToContent text.skipToNavigation

Sozialpsychologische Aspekte der Wandervogelbewegung im Deutschen Kaiserreich von van Neer, Tjark (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2011
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Sozialpsychologische Aspekte der Wandervogelbewegung im Deutschen Kaiserreich

Diplomarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Psychologie - Sozialpsychologie, Note: 1,8, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Wandervögel, die in der Phase der Hochindustrialisierung des deutschen Reichs ihre Blütezeit erlebten, verknüpften das Naturerlebnis mit starken romantischen Idealen und schafften somit eine Welt, die mit dem voranschreitenden Kapitalismus in den Städten nicht mehr allzu viel gemein hatte. In meiner Arbeit möchte ich entlang historischer Fakten sozialpsychologische und soziologische Prozesse innerhalb dieser Bewegung beleuchten. Ich möchte den mystischen Geist, der die Wandervögel umgab, erläutern und die Schwierigkeiten und die Vorurteile, mit der sich die Bewegung auseinandersetzen musste, untersuchen. Dabei soll immer wieder die wechselseitige Wirkung zwischen den gesellschaftlichen Realitäten und der Jugendbewegung betont und verdeutlicht werden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 124
    Erscheinungsdatum: 29.08.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783640993819
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V177275
    Größe: 2909kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Sozialpsychologische Aspekte der Wandervogelbewegung im Deutschen Kaiserreich

2.Der Wandervogel, eine bürgerliche Jugendbewegung

Die wohl wichtigste Tatsache die man über den Wandervogel sagen muss, ist die, dass es "den Wandervogel" eigentlich nie gab!

Die ganze Bewegung war nahezu seit ihrer Gründung immer wieder Abspaltungen und autonomen Neugründungen unterworfen. Trotz gewisser Grundgedanken, die eine Übereinstimmung zwischen den einzelnen Organisationen schufen, ist es schwer die Gruppen und Bünde über einen Kamm zu scheren. Da eine Einzelanalyse der wichtigsten "Wandervögel" [5] den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde, versuche ich soweit wie möglich die Unterschiede zu betonen und so weit wie nötig die einzelnen Gruppen zusammenzufassen. Ich spreche hierbei der Einfachheit wegen generell vom Wandervogel und gehe nur in Sonderfällen auf die genauen Bezeichnungen der Einzelbünde ein.

Im folgenden Abschnitt möchte ich diese vielschichtige Bewegung, auf der das Hauptaugenmerk meiner Arbeit liegt, vorstellen. Ich möchte ein umfassendes Bild der "Jugendbewegten Welt" zeichnen, damit die Parallelen und Gegensätze im Verhältnis zur deutschen Kaiserzeit deutlich werden.

Neben einer generellen Vorstellung der Aktivitäten werde ich auch auf die ideologische Ausrichtung und den Charakter der Bewegung zu sprechen kommen. Als weitere Punkte werden die Mitgliederstruktur und eine Erläuterung über den Werdegang der Bewegung Erwähnung finden. Mit letzterem möchte ich diesen Abschnitt beginnen.

2.1 Entstehung und Niedergang

Die wechselseitige Geschichte der Wandervogelbewegung möchte ich im Folgenden vorstellen. Zur Vereinfachung der Darstellung und zur genaueren Einordnung der Ereignisse habe ich den Weg der Wandervögel in drei Phasen eingeteilt. Obwohl viele Chronisten der Bewegung diese Einteilung feiner gliedern (vgl. Kindt 1968, S.19ff) denke ich, dass die von mir vorgenommene Vereinfachung zum Verständnis ausreicht.

2.1.1 I.Phase, die Entstehung 1890- 1904

Die Anfänge des Wandervogels liegen in Berlin Steglitz, am dortigen Gymnasium. Hermann Hoffmann, der ab 1896 Stenografieunterricht an dieser Schule erteilte, und der schon in seiner Schülerzeit positive Erfahrungen mit dem Gruppenwandern gesammelt hatte, begann mit einer kleinen Gruppe von Schülern einzelne Tagesfahrten zu unternehmen. Hierbei wurden wichtige Grundzüge des späteren Wandervogellebens festgesetzt. Beispielsweise die Selbstversorgung durch das sogenannte "abkochen [6] " und die Übernachtung in Scheunen oder im Freien (vgl. Kindt 1968, S.19). Des Weiteren prägte Hoffmann viele Bezeichnungen, die auch in späterer Zeit noch Verwendung fanden. So stammte die Bezeichnung "Horde" für die Wandergruppe aus dieser Zeit (vgl. Kindt 1968, S.19). Hoffmann legte als Konzept seiner Wanderungen das romantische Ideal des fahrenden Scholaren [7] aus dem Mittelalter zu Grunde. Der raue, einfache und kameradschaftliche Stil, den diese angeblich pflegten, sollte den grundsätzlichen Überbau des Wandervogellebens bilden.

1900 verließ Hoffmann Steglitz um eine Karriere als Dolmetscher in Konstantinopel zu beginnen (vgl. Kindt 1968, S.22), die Führung der Wandergruppe überließ er dem damals 19 jährigen Karl Fischer.

Fischer hatte sich auf vorangegangenen Fahrten als begeistertes Mitglied erwiesen und so glaubte Hoffmann in ihm einen würdigen Nachfolger zu finden. Fischer tat aber weit mehr als das.

Er wurde von vielen Weggefährten als schwieriger, orientierungsloser Charakter bezeichnet (vgl. Laqueur 1978, S.28f, S.34f) und es scheint ein wenig, als hätte er nun seine Aufgabe im Leben gefunden. Schon ein Jahr später rief Fischer den Verein "Wandervogel, Ausschuss für Schülerfahrten" [8] ins Leben und entwarf mit Hilfe eines befreundeten Schriftsteller

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen