text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Spiritualität von Kindern und Jugendlichen Allgemeine und psychotherapeutische Aspekte von Gontard, Alexander von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.10.2012
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (PDF)
34,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Spiritualität von Kindern und Jugendlichen

Spirituelle Erfahrungen sind bei Kindern und Jugendlichen häufig, Spiritualität ist dabei nicht an Religiosität gebunden. Solche Erfahrungen können sich in Erlebnissen des Staunens und Wunderns, in philosophischen Fragen, Weisheit, Verbundenheit mit anderen und dem 'Sehen' von Unsichtbarem zeigen. Sie haben hohe persönliche emotionale Bedeutung. Oft wird Spiritualität bei jungen Menschen jedoch übersehen - im Leben wie auch in der Psychotherapie. Anhand klinischer Beispiele, Studien, historischer Dokumente und Autobiografien zeigt der Autor die Bedeutung von Spiritualität in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen allgemein sowie gezielt in der Psychotherapie auf. Das Buch richtet sich ebenso an Mitarbeiter aus sozialen, pädagogischen, psychotherapeutischen, psychologischen und ärztlichen Berufen wie an Eltern und interessierte Laien. Prof. Dr. Alexander von Gontard ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes (Homburg), Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderheilkunde und Psychotherapeutische Medizin.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 25.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170235588
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 13768 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Spiritualität von Kindern und Jugendlichen

2
Spiritualität

2.1 Definition

Es gibt viele verschiedene Definitionen der Spiritualität, über die Roehlkepartain et al. einen sehr guten Überblick geben. 15 Allen Definitionen gemeinsam ist die Annahme, dass die Spiritualität intrinsisch ist. Das bedeutet, dass sie nicht im Laufe des Lebens erworben wird, sondern als Fähigkeit von Anfang an vorhanden ist. Sie wird somit als biologisch angelegter Aspekt der menschlichen Entwicklung angesehen. Auch sind keinerlei Voraussetzungen für die Spiritualität notwendig. Weder ein hoher Intelligenzquotient noch sonstige kognitive emotionale Fähigkeiten sind erforderlich. Auch ist eine psychische und körperliche Gesundheit keine Vorbedingung, sondern im Gegenteil, die Erfahrung von Spiritualität scheint in Zeiten der Belastung und Krisen besonders häufig zu sein.

Intrinsisch bedeutet auch, dass Spiritualität kein Privileg des Erwachsenenalters ist, sondern schon bei sehr jungen Kindern angelegt ist. Autoren wie Hay und Nye und Hart argumentieren, dass Kinder und Jugendliche, im Gegenteil, besonders offen für Spiritualität seien. 16 Diese Offenheit nimmt trotz gleichbleibender Anlage im Laufe der Zeit bei manchen Erwachsenen sogar ab.

Ferner ist Spiritualität etwas sehr Individuelles und personengebundenes, eher etwas Privates als Öffentliches und eine Gruppenzugehörigkeit ist keine Bedingung für spirituelle Erlebnisse.

Spiritualität ist demnach eine Fähigkeit, über die alle Menschen verfügen und die sie unterschiedlich kultivieren. Sie ist nicht nur eine potenzielle Möglichkeit, sondern spiegelt ein tiefes Bedürfnis der meisten Menschen wieder, da sie eine hohe subjektive Bedeutung hat und eine emotionale Sehnsucht erfüllt. Viele Menschen suchen nach Spiritualität, die sich jedoch nicht willentlich herbeirufen, aufrechterhalten oder abstellen lässt. Dies liegt daran, dass das wesentliche Merkmal von Spiritualität die überpersönliche Transzendenz ist, d. h. im Erleben wird auf etwas Größeres hingewiesen, als man selbst ist. Diese Erfahrungen entziehen sich nicht nur dem Willen, sondern oft auch den Worten, da sie die persönliche Existenz transzendieren. Insofern sind andere Synonyme für "spirituell" möglich: transzendent (in der eigentlichen Bedeutung: hinübersteigend), transpersonal (überpersönlich, existenziell, das eigene Dasein betreffend) oder numinos (Walten einer höheren Macht). Bei Spiritualität klingt ferner die Suche nach Sinn und Bedeutung an, sie ist eine "persönliche sinnstiftende Grundeinstellung" 17 .

Spiritualität ist eine phänomenologisch erfahrbare, subjektive Realität der Psyche, an der es für das Individuum keinen Zweifel gibt. Spekulationen über Ursprünge der Spiritualität sind nicht entscheidend, da unabhängig von den möglichen Ursachen die psychischen Phänomene der Spiritualität gleich sind. Daher haben viele Psychologen der Spiritualität wie C.G. Jung und William James (aber auch Buddha) zu diesem Thema geschwiegen und sich gegen metaphysische Spekulationen gewehrt. Diese Fragen zu beantworten, ist Aufgabe der Religion, aber nicht der Psychologie. Deshalb wird in auch in diesem Buch die Spiritualität als existenzielle psychische Erfahrung allgemein, ohne weitergehende kausale Implikationen behandelt.

Im Gegensatz zur Spiritualität wird Religiosität als Einstellung definiert, die formal durch religiöse Institutionen, Glauben, Theologien und Rituale strukturiert ist. 18 Religiosität ist demnach ein überindividuelles System, deren Werte von den Mitgliedern einer Religion geteilt werden. Die Zugehörigkeit und Auseinandersetzung mit der Religiosität stellen für viele Kinder und Jugendliche wichtige Entwicklungsschritte dar ( Kap. 4 ). 19 Die Stadien der Religiosität sind klarer vom Kindes- zum Jugendalter zu verfolgen als die der Spiritualität. Trotz der enormen Entwicklungsschritte ist es erstaunlich, wie sich Berichte zu spirituellen Erfahrungen bei K

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen