text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Suizidalität und Suizidprävention im höheren Lebensalter von Erlemeier, Norbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.09.2011
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
34,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Suizidalität und Suizidprävention im höheren Lebensalter

Alte Menschen bilden in den meisten Industrieländern die am stärksten suizidgefährdete Bevölkerungsgruppe. Dies wird in der Öffentlichkeit oft nicht wahrgenommen. Präventive Bemühungen und Hilfsangebote zielen stärker auf jüngere Menschen. Die Kenntnisse der beruflich oder ehrenamtlich Tätigen über die Suizidgefährdung und die Möglichkeiten der Suizidprävention und Krisenhilfe bei alten Menschen sind häufig unzureichend. Suizidprävention bei alten Menschen kann wie bei jüngeren Menschen erfolgreich sein, wenn bestimmte Besonderheiten beachtet werden wie z. B. der erschwerte Zugang zu vereinsamten, mehrfach belasteten alten Menschen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass ein zentrales Element der Vorbeugung und Verringerung von Suizidgefährdung in der Information, Aufklärung und Schulung von Fachkräften, Kontaktpersonen und Angehörigen besteht. Das Buch will dazu einen Beitrag leisten.

Professor em. Dr. phil. Norbert Erlemeier, Dipl.-Psych., war Professor für Psychologie, insbesondere Gerontopsychologie. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Alte Menschen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 228
    Erscheinungsdatum: 29.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170227675
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 1648 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Suizidalität und Suizidprävention im höheren Lebensalter

1 Einleitung

Der Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, und die Ausführung von Suizidhandlungen, d. h. von Suiziden und in noch stärkerem Maße Suizidversuchen, sind Ausdruck tief greifender persönlicher Belastungen und Krisen, die nicht bewältigt werden können. Ihre Prävention und Behandlung innerhalb des Gesundheitssystems und der Gesundheitspolitik eines Landes bereiten gesellschaftlich betrachtet nicht zu unterschätzende Probleme. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jedes Jahr etwa eine Million Menschen durch Suizid, in den europäischen Mitgliedsstaaten waren es 2006 rund 59 000 Personen, die sich das Leben nahmen, 45 000 Männer und 14 000 Frauen. In Deutschland gibt es im Jahr mehr als 9 000 Tote durch Suizid. Der Suizid gehört damit zu den Hauptursachen für vorzeitige Sterbefälle (premature death) (Wahlbeck & Mäkinen, 2008). Noch erschreckender ist die Zahl der Suizidversuche, die von keiner amtlichen Statistik erfasst wird. Sie übersteigt nach übereinstimmender Schätzung die der Suizide mindestens um das Zehnfache.

Besonders von tödlichen Suizidhandlungen betroffen sind in allen Industrieländern die alten Menschen. Das gilt besonders für Männer, aber auch für Frauen. In Deutschland beträgt z. B. der Anteil der 60-Jährigen und Älteren an der Gesamtbevölkerung rund 26 %, ihr Anteil an allen Suiziden dagegen rund 41 %. Diese seit langem bekannte Tatsache wird im Unterschied zu anderen Ländern, in denen das Problem des Alterssuizids durch Public-Health-Programme, durch Forschung und Aufklärungsarbeit stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt wird (Beispiel: USA), in Deutschland eher als gesundheitliches Randphänomen behandelt und in politischen Kreisen und damit auch in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen. Publizität bekommen Selbsttötungen erst dann, wenn sich bekannte Persönlichkeiten aus Industrie, Kultur und Geistesleben, die man eigentlich für erfolgsverwöhnt hält, das Leben nehmen. Generell wird dem Alterssuizid im Unterschied zu Suizidhandlungen jüngerer Menschen ein größeres Verständnis und eine größere Akzeptanz entgegengebracht. Mit ihm wird häufig assoziiert, dass das Alter so unerträglich sein muss, dass es, solange noch Handlungsfreiheit besteht, besser ist, das Leben vorzeitig zu beenden als es unter Leiden bis zum bitteren Ende zu erdulden. Durch diese größere Akzeptanz wird es auch schwieriger, Prävention und Therapie in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen und politisch durchzusetzen. Erst das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro) hat u. a. die besondere Suizidgefährdung alter Menschen in seinen Aktionsplan aufgenommen und zur Bewusstseinsbildung in Sachen Prävention und Therapie beigetragen.

Dieses bundesweite Programm, das sehr wertvolle Arbeit leistet, gibt es seit 2002, weitgehend getragen vom freiwilligen Engagement zahlreicher Verbände, Organisationen und Einzelpersonen, die die Notwendigkeit von Suizidprävention in unserem Lande erkennen und sich für deren Umsetzung und Weiterentwicklung einsetzen. Es ist bemerkenswert, was sich im Rahmen von Fachgesellschaften, Institutionen und Arbeitsgruppen, die sich unter dem Dach des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland zusammengeschlossen haben, in der Zwischenzeit alles entwickelt hat. Zu diesen positiven Entwicklungen gehört auch die Beobachtung, dass das Thema des Alterssuizids von Medien, Verbänden, Weiterbildungsträgern und Berufsgruppen stärker als bisher aufgegriffen und bearbeitet wird. Auf Kongressen und Tagungen einschlägiger Fachgesellschaften wird der Alterssuizid ebenfalls thematisiert und in Publikationen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu beigetragen haben vor allem die Aktivitäten der Arbeitsgruppe Alte Menschen im NaSPro, in der sich Experten für Fragen des Alterssuizids aus unterschiedlichen Disziplinen und Praxisfeldern zusammengetan haben. Eine zentrale Aufgabe

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen