text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Tausend Tode und ein Leben Sexualisierte Gewalt gegen Kinder - Ursachen, Folgen und Therapie von Winter, Constanze (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
21,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Tausend Tode und ein Leben

'Voller Würde, Humor und Klugheit ist dieses Buch geschrieben.' So charakterisiert Prof. Luise Reddemann das Werk, das sich in drei Teile untergliedert. Im ersten Teil werden Zahlen, Daten und Fakten zusammengestellt und sinnvolle Präventionsmöglichkeiten vorgestellt. Der zweite Teil erläutert, wie ein Trauma entsteht und welche langfristigen Folgen es haben kann. Die Autorin verknüpft dabei aktuelle Forschungsergebnisse mit ihren eigenen Erfahrungen; komplexe Zusammenhänge werden so einleuchtend und nachvollziehbar erklärt. Der dritte Teil beschreibt die erfolgreiche Traumatherapie. Das Buch gibt Betroffenen Mut, Hoffnung und Expertise. Fachleute profitieren von dem authentischen Fallbeispiel.

Constanze Winter (Pseudonym), Studium der Geisteswissenschaften in Deutschland, Italien und Spanien, betriebswirtschaftliche Fortbildung in München, dann zunächst Manager Press und PR, später Inhaberin einer kleinen PR-Agentur, seit 15 Jahren zudem Dozentin an der LMU und renommierten Akademien, Trainerin und zertifizierter Coach.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 211
    Erscheinungsdatum: 19.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170290778
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2984 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Tausend Tode und ein Leben

Teil 2

Trauma und Traumafolgeschädigungen

Wie entsteht ein Trauma?

Ein Trauma ist ein "vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt." (Diese Definition nach Fischer und Riedesser nutzte die Unabhängige Beauftragte für sexuellen Kindesmissbrauch Christine Bergmann in ihrem 2011 erschienenen Abschlussbericht.)

Wie unterscheidet sich ein Trauma von einem belastenden Ereignis? Was "nur" belastend ist und was traumatisch, das entscheidet sich im Innern der betroffenen Personen. Dieser Vorgang kann nicht bewusst gesteuert werden. Persönliche Dispositionen oder die Begleitumstände des Ereignisses können ein Trauma behindern oder eben befördern. Als "klassische" Auslöser für das Trauma-Erleben gelten beispielsweise Verkehrsunfälle, Kriegsereignisse, das Erleben oder Bezeugen von Gewalt und die Erfahrung von sexualisierter Gewalt. Tatsächlich gibt es so etwas wie eine "Hierarchie des Schreckens"; die Auswirkungen der sexualisierten Gewalt stehen ganz oben. Eine Wiederholung des Geschehens macht die Verarbeitung nicht leichter; im Gegenteil: Die "Trauma-Folgeschädigungen" verfestigen sich.

Wie setzt ein Trauma ein? In einer Gefahrensituation werden im menschlichen Verhaltensrepertoire verschiedene Mechanismen in Gang gesetzt. Der Blutdruck steigt, Atem- und Herzfrequenz erhöhen sich, die Muskeln sind in Alarmbereitschaft. Die Alternativen lauten Kampf oder Flucht, "fight or flight". Diese motorischen Funktionen werden vom Sympathikus ausgeführt. Kann eine dieser Optionen erfolgreich gewählt werden, erfolgt im Regelfall danach die Stressreduktion. Der Blutdruck sinkt, Herz- und Atemfrequenz normalisieren sich etc. Dieses Erleben kann in die Lebenserfahrung integriert werden, es wird Teil des deklarativen Gedächtnisses.

"Das menschliche Nervensystem kennt drei neuronale Kreisläufe als Regulatoren für unser reaktives Nervensystem." (Porges 2003) Das ist die Kernaussage der Polyvagal-Theorie (PVT) von Stephen Porges. Neben dem Sympathikus verfügen wir Menschen über den ventralen und den dorsalen Vagus. Der ventrale oder auch soziale Vagus ist myelinisiert (mit Marksubstanz ausgestattet). Dieser Nervenkomplex übernimmt unter anderem die Verbindung "... mit der Muskulatur am Kopf, welche Gesichtsausdruck, Kopfstellung, Stimmqualität und Hörfähigkeit reguliert und in funktioneller Hinsicht das soziale Engagement System (SES) bildet." (Frick 2012, S. 39)

Dagegen übernimmt der dorsale Vagus salopp gesprochen die Verbindung zu unserem Reptilienhirn. In einer akuten und subjektiv als ausweglos wahrgenommenen Bedrohungssituation regrediert der Mensch zu urzeitlichen Überlebensmechanismen. Der Blutdruck sinkt, der Atem wird flach, die Herzfrequenz wird schwach, die Körpertemperatur verringert sich. Der Vagus-Stress reduziert die Körperfunktionen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Vagus-Tod, zum Tod durch den Zusammenbruch der Gegenregulationsmechanismen des vegetativen Nervensystems

Der Mensch erstarrt, hat nicht mehr das Gefühl, er selbst zu sein, er sieht sich quasi von außen. Für die Bedrohungssituation ergeben sich daraus gravierende Vorteile: der betroffene Mensch empfindet weder Angst noch Schmerzen. Die veränderte Wahrnehmung hat aber auch langfristige Auswirkungen. Das Geschehene kann nicht "normal" in die Lebensgeschichte integriert werden, sondern wird als Trauma abgespeichert.

Vorsicht Trigger

Ich bin gelähmt. Keiner sieht es, ich bewege mich ja. Ich jedoch weiß es. Dabei sitze ich ganz klein in mir drin, die Augen groß auf die Augen der Schlange gerichtet. Sie wiegt sich langsam, bedächtig, kommt näher, und ich falle in einen Taumel, drehe

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen