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Therapie schwerer Anorexia nervosa Ein psychiatrisches Behandlungskonzept mit somatischem Schwerpunkt

  • Erscheinungsdatum: 05.08.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Therapie schwerer Anorexia nervosa

Anorexia nervosa ist eine der schwersten psychischen Erkrankungen mit einem Sterblichkeitsrisiko, das etwa sechsfach höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. In dem vorliegenden Band wird ein Behandlungskonzept für die Therapie schwerer und schwerster Anorexia nervosa vorgestellt, das auf einer geschützten Station der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt wurde. Ziel der Behandlung ist eine Gewichtszunahme von 700-1000 g pro Woche und ein BMI von 17kg/m2. Einleitend werden Daten zur Erkrankung sowie seelische und körperliche Veränderungen bei Untergewicht und deren Veränderung bei einem Refeeding dargestellt und folgend das Behandlungskonzept für diese PatientInnen beschrieben. Die Klärung der rechtlichen Grundlage der Behandlung ist ebenso Teil des Konzeptes wie die Anlage einer perkutanen Magensonde zur Unterstützung der Ernährung sowie ein Therapievertrag mit Verknüpfung von Gewicht und verschiedenen Therapiemöglichkeiten. Dr. Christoph Born, Prof. Dr. Eva Meisenzahl, PD Dr. Cornelius Schüle und Dr. Annette Schaub sind an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München tätig und mit der Entwicklung des Konzepts betraut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 91
    Erscheinungsdatum: 05.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170260948
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2938 kBytes
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Therapie schwerer Anorexia nervosa

2 Rückblick und Ausblick

2.1 Bisherige Ergebnisse

Mit dem hier dargestellten Behandlungskonzept soll dem Zustand der extremen Unterernährung und vitalen Gefährdung der PatientInnen, der Komplexität der Anorexia nervosa mit vielfältigen psychischen und somatischen Komorbiditäten sowie Komplikationen Rechnung getragen werden. Entsprechend wurden die einleitend erwähnten Schwerpunkte gewählt (gesetzliche Betreuung und ggfs. richterliche Unterbringung, somatische Ausrichtung mit Anlage einer PEG, Abschluss eines Therapievertrags). Die Behandlung gliedert sich in die Einleitungs-, Behandlungs- und Abschlussphase (im Folgenden einfach Phase I-III genannt).

Die Behandlungen waren in den vergangenen Jahren langwierig. Während Phase I einen überschaubaren Zeitraum von einer bis zwei Wochen in Anspruch nahm, zog sich die Phase II häufig über einige Monate hin, da Komplikationen, Regelverletzungen und Manipulationen auftraten, die eine kontinuierliche Zunahme des Körpergewichts behinderten. Doch selbst wenn ein Verlauf ohne Komplikationen, Regelverletzungen und Manipulationen angenommen wird, muss bei einer Differenz von 16 kg zwischen Gewicht bei Aufnahme und Zielgewicht, wie es oft der Fall ist, mit einer Behandlungsdauer von mindestens 16 Wochen gerechnet werden, da die PatientInnen ja nicht mehr als ein Kilogramm pro Woche zunehmen sollten, um das Risiko von Komplikationen (z. B. einem refeeding-syndrome) geringzuhalten. Auch die Phase III nahm häufig mehr als zwei Wochen in Anspruch.

Eine vorläufige Auswertung hat ergeben, dass von 2000 bis 2011 etwa 80 PatientInnen mit Anorexia nervosa behandelt werden konnten. Die Daten von 53 PatientInnen mit Anorexia nervosa (50 weibliche und 3 männliche PatientInnen) konnten vorläufig ausgewertet werden. Die meisten PatientInnen (n = 42; 79,3 %) wurden mit hochkalorischer Sondenkost über eine PEG zusätzlich zur oralen Nahrungsaufnahme ernährt. 23 PatientInnen (43,4 %) zeigten den restriktiven Subtyp der Anorexia nervosa (im Folgenden ANR), während 30 (56,6 %) den Subtyp mit aktiven Maßnahmen zur Gewichtsreduktion (im Folgenden ANBP) zeigten. Sie hatten ein mittleres Alter von 26,3 ± 7,3 Jahren (Angaben in Mittelwert ± Standardabweichung) und waren seit 9 ± 6,4 Jahren erkrankt. Ihre Behandlung nahm nach Mittelwert 141,7 ± 80,9 Tage in Anspruch. Der mittlere BMI bei Aufnahme betrug 12,2 ± 1,3kg/m2 und der mittlere BMI bei Entlassung bzw. Verlegung 16,4 ± 1,8kg/m2. Die meisten dieser PatientInnen wurden in Einrichtungen zur stationären störungsspezifischen Psychotherapie entlassen bzw. verlegt.

In der folgenden Tabelle findet sich eine vergleichende Übersicht der Charakteristika von PatientInnen mit ANR gegenüber denen mit ANBP.

Tab. 1: Übersicht der Charakteristika von PatientInnen mit ANR und ANBP

Nach allen in Tabelle 1 aufgeführten Merkmalen unterschieden sich die Gruppen der PatientInnen signifikant allein hinsichtlich der Dauer der Erkrankung (p = 0,004) und der Dauer der Behandlung (p < 0,006). Dies könnte einerseits darauf hinweisen, dass PatientInnen mit ANBP aufgrund der Dauer der Erkrankung bis zur Aufnahme schwerer bzw. chronischer erkrankt waren, andererseits könnte dies auch auf einen Unterschied der Symptomatik hinweisen.

Aus diesem Grunde untersuchten wir den Gewichtsverlauf über 20 Wochen nach Aufnahme während der aktuellen Behandlung. Es zeigte sich ein deutlich rascherer Anstieg in der Subgruppe mit restriktiver Anorexia nervosa wie in der Abbildung 1 gezeigt. Dies erhärtete den Verdacht, dass die Symptomatik der PatientInnen mit ANBP allgemein als schwerer anzusehen ist und könnte mit den angewandten störungsspezifischen kompensatorischen Verhaltensweisen (z. B. Erbrechen) zusammenhängen.

Abb. 1: Gewichtsverlauf über 20 Wochen nach Aufnahme

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