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Todesthemen in der Psychotherapie Ein integratives Handbuch zur Arbeit mit Sterben, Tod und Trauer von Vogel, Ralf T. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.04.2012
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
25,99 €
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Todesthemen in der Psychotherapie

'Tod und Sterben' ist in Psychotherapien und Beratungen ein wichtiges Thema. Dieses Handbuch liefert Therapeuten und Angehörigen verwandter Berufsgruppen zahlreiche Anregungen und Materialien zur eigenen Auseinandersetzung mit den entsprechenden Fragestellungen sowie zur praktischen Arbeit mit ihren Patienten. In einem gesonderten Kapitel werden konkrete Übungen für Selbsterfahrung und Therapie angeboten. Der Band stellt damit eine wertvolle Ergänzung gängiger psychotherapeutischer Standardwerke dar, die sich diesem schwierigen und doch so gewinnbringenden Themenbereich kaum zuwenden.

Prof. Dr. phil. Ralf T. Vogel arbeitet als Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeut in privater Praxis. An verschiedenen psychodynamischen und verhaltenstherapeutischen Instituten ist er als Dozent, Supervisor und Lehrtherapeut tätig, an der Hochschule für Bildende Künste Dresden lehrt er als Honorarprofessor für Psychotherapie und Psychoanalyse.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 228
    Erscheinungsdatum: 12.04.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170282421
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 7699 kBytes
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Todesthemen in der Psychotherapie

1 Einführung: Der Tod heute

1.1 Der Begriff des Todes: Abgrenzungen und Entwicklungen

Der Tod ist dem (Menschen-)Leben inhärent, er ist ein "Atropologicum", eine "menschheitsdimensionierende Tatsache" (Wils 2007, S. 119): 140 Menschen sterben pro Minute, ca. 200 000 täglich und ca. 70 Millionen Menschen im Jahr (Levine 2005)! 80 % der Deutschen sterben in Heimen oder Krankenhäusern, obwohl ebenfalls 80 % den Wunsch äußern, zu Hause zu sterben. Die Frage nach einer Definition des Todes, noch pointierter nach einer Bestimmung des Todeszeitpunktes, spitzt die immer noch und wieder aktuelle Kontroverse in den "Psych-Wissenschaften" nach deren eigentlichem Gegenstand - Seele oder Gehirn - in dramatischer Weise zu (siehe dazu Kap. 3.1). Geht es für manche Kolleginnen und Kollegen noch an, den Patienten (und sich selbst) depressive Symptome oder Ängste als hirnorganische Fehlfunktion zu erklären und sie darauf zu reduzieren, so ist dies in der Arbeit mit dem Todesthema nicht mehr so einfach möglich. Die Sicht auf den Tod scheidet sowohl in der theoretischen Betrachtung wie auch in der konkreten Arbeit mit den Patienten diejenigen, die das Seelische mit dem mess- und beobachtbaren Psychischen gleichsetzen, von denjenigen, die darüber hinausgehen wollen.

Der Tod (griech. thanatos , lat. mors , abgeleitet vom germanischen "bewusstlos werden, dahinschwinden") ist in heutiger Zeit nicht eindeutig definiert. Sowohl innerhalb der Spezialisierungen, die sich berufen fühlen, Aussagen zum Thema zu machen, wie auch zwischen diesen herrscht Uneinigkeit, ab wann wir vom "Zeitpunkt des Todes" sprechen, ja, ob man denn überhaupt von so etwas sprechen könne (vgl. dazu auch Beinert 2000):

Der Tod in der medizinischen Version ist der "Todesgriff nach dem Körper" (Wiesenhütter 1977, S. 30). In philosophischer Sprache herrscht hier das "Maschinenmodell" den Menschen vor. In der heutigen, neo-materialistischen Organmedizin definiert man den sogenannten "Klinischen Tod" (Herz und Atmung) in Abgrenzung vom "biologischen Tod" (Hirntod) ausschließlich anhand der Funktion einzelner Körperorgane. Als Todesursachen stehen in Deutschland die Herz-Kreislauferkrankungen an erster, die Krebserkrankungen an zweiter Stelle. Technische Geräte übernehmen in vielen Fällen die Verantwortung für Grenzziehungen zwischen dem Leben und dem Tod; es wird ein möglichst exakter Zeitpunkt des Todes bestimmt und in den vom Arzt auszufüllenden Totenschein eingetragen.

Aus biologischer Sicht ist der Tod kein zeitlich eindeutig festlegbares Ereignis, sondern vielmehr (wie auch die spirituellen Traditionen betonen und in den deutschen Begriff des "Sterbelagers", oder des "Todgeweihten" erkennbar ist) ein prozesshaft fortlaufendes Geschehen. Zuerst erlischt die Sehfähigkeit, dann das Hören, wenige Sekunden nach einem Herzstillstand tritt eine Bewusstlosigkeit ein. Etwa nach 10 Minuten ohne Sauerstoffzufuhr ins Gehirn erfolgt ein irreversibler Hirntod. 10 bis 20 Minuten nach dem Hirntod sterben die Hirnzellen ab. Erst danach sterben etwa die Zellen des Herzmuskels, als Letztes, etwa nach 24 Stunden, diejenigen des Magen-Darm-Bereiches. Jede Stunde nach dem Tod sinkt die Körpertemperatur um ca. 1 Grad. Leichenflecken ( livores ) werden 20 bis 60 Minuten nach dem Todeseintritt als Folge von Blutansammlungen sichtbar, durch ATP-Mangel tritt nach 2 bis 4 Stunden die Totenstarre ( rigor mortis ) ein, die etwa 2 Tage andauert. Die heute geltende Gleichsetzung des Todes des Menschen mit dem Hirntod beinhaltet eine weitreichende und rein materialistisch begründete Setzung, was der Mensch denn nun letztendlich sei (Vogel 2003).

Und ein weiteres Spezifikum ist in diesem Abschnitt anzuführen: Aus biologischer Perspektive ist der Tod ein sinnvolles Geschehen nach der Vollendung der Aufgabe der Erbgutweitergabe und der notwendigen Elternfunktionen!
Exkurs: Tod

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