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Traumafachberatung, Traumatherapie & Traumapädagogik Ein Handbuch zur Psychotraumatologie im beratenden & pädagogischen Kontext

  • Erscheinungsdatum: 10.12.2012
  • Verlag: Junfermann
eBook (ePUB)
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Traumafachberatung, Traumatherapie & Traumapädagogik

Dieses anwendungs- und nutzerorientierte Handbuch vermittelt Grundlagenwissen über psychische Traumatisierungen. Detaillierte Kenntnisse der Neurobiologie der Traumaverarbeitung, komplexer posttraumatischer und dissoziativer Störungen und des Ego-State-Konzepts helfen in der Praxis, da sich durch ein Verständnis der psychischen und körperlichen Abläufe unmittelbare Anwendungsmöglichkeiten in Traumaberatung und -pädagogik ergeben. Ein Schwerpunkt des Bandes liegt auf ressourcenorientierten Ansätzen, der traumazentrierten Gesprächsführung, der Bedeutung der Psychoedukation sowie einem Verständnis der Auswirkungen von Ego States (Ich-Anteilen) und deren Einbezug in Beratung/Therapie. Neben Anwendungsbeispielen und Fallgeschichten werden institutionelle Voraussetzungen in der Arbeit mit traumatisierten Klienten diskutiert und die Unterschiede von Traumatherapie, Traumaberatung und Traumapädagogik herausgearbeitet. Die Autoren entwickelten ein Curriculum in traumazentrierter Fachberatung/Traumapädagogik, Weiterbildungsangebot seit 2005, zertifiziert von der DeGPT/BAG-TP 2011.

Dr. Ulrike Beckrath-Wilking, Fachärztin für Nervenheilkunde, Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse, Spezielle Psychotraumatherapie (DeGPT), EMDR-Supervisorin (EMDRIA), Dozentin, langjährige Oberärztin einer Traumatherapiestation.
Marlene Biberacher, Sozialpädagogin, Traumafachberaterin, Dozentin an verschiedenen Akademien, Seminare, Vorträge und Supervision.
Volker Dittmar, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Traumatherapeut, Supervisor, Dozent für Traumatherapie, Gruppentherapie und Gesprächsführung, Buchautor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 10.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783873879003
    Verlag: Junfermann
    Größe: 1051 kBytes
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Traumafachberatung, Traumatherapie & Traumapädagogik

A. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER PSYCHOTRAUMATOLOGIE

1. Geschichte der Psychotraumatologie

Die Betrachtung psychischer Traumata hat in ihrer Bedeutung im Laufe der Geschichte immer wieder zu- und abgenommen. Schon vor vielen Tausend Jahren haben Menschen gewusst, dass die Konfrontation mit überwältigendem Schrecken zu störenden Erinnerungen, Erregungszuständen oder Vermeidung führen kann. Psychiatrie und Psychologie hatten dagegen lange Zeit sehr unterschiedliche Ansichten darüber, welchen Einfluss dramatische Lebensereignisse auf die Physis und Psyche des Menschen haben können. Frühe Aufzeichnungen von Großbränden oder Kutschenunfällen berichteten von Reaktionen, die man heute der posttraumatischen Belastungsstörung zuordnen würde. Zu Anfang der Diskussionen über Traumata standen die Fragen: "Ist das Trauma organischen oder psychischen Ursprungs?" und "Sind die Folgen eine Simulation oder echt?"

Mit fortschreitender Industrialisierung wurde die Eisenbahn zu einem immer bedeutsameren Transportmittel. In der Folge kam es zu mehreren schweren Unfällen mit zahlreichen Toten und Verletzten. 1867 wurde Eric Erichsen, ein berühmter englischer Chirurg, zum Erstbeschreiber der posttraumatischen Belastungsstörung. Die mit dem "Railway Spine Syndrome" verbundenen Symptome wie Angst, Schlafstörungen, Albträume, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie eine Vielzahl somatischer Erscheinungen erklärte er als Folge einer Rückenmarksschädigung durch die unfallbedingte Erschütterung. In Deutschland war 1884 die gesetzliche Unfallversicherung eingeführt worden, und erste Patienten wurden als Unfallopfer begutachtet. Zwei Jahre später schrieb der deutsche Neurologe Hermann Oppenheim in seiner Habilitationsschrift über die Bedeutung des Schrecks für die Nervenkrankheiten, in der das seelische Erleben als auslösendes Moment von Traumafolgestörungen anerkannt wurde. Oppenheim benutzte als Erster den Begriff "traumatische Neurose" (Oppenheim, 1889). Sein Konzept stieß jedoch auf große Ablehnung, da er die Entschädigungspflicht bei Unfällen anerkannte.

Die Beschäftigung mit Kindesmisshandlung und sexualisierter Gewalt gegen Kinder begann in Frankreich. Ambroise Tardieu, Professor für Rechtsmedizin an der Pariser Universität, belegte in seinem Werk, dass in Frankreich zwischen den Jahren 1858 und 1869 11.576 Menschen wegen Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung angeklagt worden waren, davon nicht weniger als 9125 wegen solcher Delikte an Kindern, fast immer Mädchen (Tardieu, 1878). Zugleich entstand eine intensive Diskussion, inwieweit die Aussagen junger Mädchen glaubhaft oder erlogen seien. Man nahm an, diese Kinder hätten ihre Eltern fälschlicherweise des Inzests beschuldigt. Ähnliche Reaktionen traten auf, als die ersten systematischen Untersuchungen der Beziehung zwischen Trauma und psychiatrischer Erkrankung an der "Salpetrière" in Paris durchgeführt wurden. Der Neurologe Jean-Martin Charcot beschrieb als Erster, dass hysterische Anfälle dissoziative Zustände, also das Ergebnis erlebter unerträglicher Erlebnisse, darstellten. Dadurch wurde Pierre Janet inspiriert, das Phänomen der Dissoziation für die Bewältigung traumatischer Erfahrungen zu untersuchen (Janet, 1889). Sein wichtigster Verdienst war zu erklären, wie traumatische Erfahrungen als abgespaltene Anteile der Persönlichkeit im Unterbewusstsein überdauern, sich dem Bewusstsein über lange Jahre entziehen und zu Auslösern für spätere Erkrankungen werden können. Seine heute wieder sehr aktuellen Theorien gerieten jedoch jahrzehntelang in Vergessenheit. Andere Forscher richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Rolle der Suggestibilität bei der Hysterie, sodass bald ein größeres Interesse an der Behandlung der Simulation bestand als an der Linderung der traumatischen Erinnerungen der Patienten. Stattdessen kam es zu einer Umwertung der Aussagen von Frauen, die über früheren sexuellen Missbrauch berichtet hatten

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