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Trichotillomanie. (Fortschritte der Psychotherapie, Band 37) von Bohne, Antje (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
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Trichotillomanie. (Fortschritte der Psychotherapie, Band 37)

Der Band informiert über das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei Trichotillomanie, dem wiederholten Ausreißen der eigenen Haare aufgrund eines unwiderstehlichen Impulses. Trichotillomanie führt zu einem sichtbaren Haarverlust und ruft deutliches Leiden oder Beeinträchtigungen hervor. Die Zahl derjenigen, die unter dieser Impulskontrollstörung leiden, wurde lange Zeit unterschätzt. Vielen Psychologen und Ärzten ist dieses Störungsbild unzureichend bekannt, was das Risiko von Fehldiagnosen und inadäquaten Behandlungen erhöht.

Dieses Buch enthält eine Beschreibung des Störungsbildes und referiert wesentliche Informationen zu Epidemiologie, Verlauf, Klassifikation und Differenzialdiagnostik der Störung. Darüber hinaus werden ein biopsychosoziales Störungskonzept und wichtige diagnostische Instrumente vorgestellt. Ausführlich wird schließlich die Anwendung von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungsbausteinen, wie z. B. Habit Reversal-Training, Stimuluskontrolle, Stressmanagement und kognitive Umstrukturierung bei Trichotillomanie erläutert.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783840919961
    Verlag: Hogrefe Verlag Göttingen
    Größe: 630kBytes
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Trichotillomanie. (Fortschritte der Psychotherapie, Band 37)

3 Hinweise zur Diagnostik (S. 42-43)
3.1 Diagnosestellung

Merke: In jedem diagnostischen Erstgespräch sollte eine Screeningfrage zu Trichotillomanie gestellt werden, wie z. B. "Haben Sie sich jemals Haare ausgerissen (Kopfhaare oder andere), so dass ein merklicher Haarverlust eingetreten ist?"

Eine Screeningfrage ist auch dann sinnvoll, wenn keinerlei Hinweise (z. B. aus Vorinformationen oder äußerem Erscheinungsbild) auf eine solche Problematik vorliegen. Angesichts der geschätzten hohen Komorbiditätsrate der Trichotillomanie ist davon auszugehen, dass sich ein Teil der Betroffenen wegen anderer Symptome beim Behandler vorstellt und komorbid bestehendes Haareausreißen nicht aus eigenem Antrieb in das diagnostische Gespräch einbringt - sei es aus Scham, sei es weil die Störungswertigkeit des Verhaltens unklar ist oder weil das Haareausreißen im Schatten der komorbiden Störung(en) steht. Im Fall eines positiven Screenings sollte eine gezielte Abklärung der diagnostischen Kriterien für Trichotillomanie erfolgen. Die diagnostische Abklärung des Spannungsbogens kann schwierig sein. Die korrekte Einschätzung dieses Kriteriums ist von einer ausreichenden Introspektionsfähigkeit der Betroffenen abhängig, die vor Beginn der therapeutischen Arbeit nicht ohne Weiteres vorausgesetzt werden kann (vgl. Kapitel 1.3). Insbesondere Betroffene mit "automatisiertem" Haareausreißen erleben das Reißen sowie seine Vorbedingungen und Nachwirkungen auf emotionaler und körperlicher Ebene nicht voll bewusst. Das Reißen hat hier möglicherweise den Effekt, dass emotionale und körperliche Zustände und deren Veränderungen im Zeitverlauf nicht explizit wahrgenommen werden (z. B. aufgrund eines Trancezustandes, vgl. auch die Karte "Exploration der Verhaltensmerkmale des Haareausreißens" im Anhang des Buches).

Merke: Hier ist es hilfreich, den Betroffenen die Frage zu stellen, was im Zeitverlauf passieren würde, wenn sie sich trotz bestehenden Drangs längerfristig keine Haare ausreißen könnten. Die meisten Betroffenen haben bereits Situationen erlebt, in denen sie versucht haben, dem Drang zum Haareausreißen zu widerstehen (z. B. aufgrund sozialer Kontextbedingungen, wie die Beobachtung durch andere), und haben dabei eine deutliche Span nungszunahme (z. B. in Form zunehmender Unruhe, Anspannung oder Frustration) beobachten können. Andere Betroffene können sich eine solche Situation zumindest lebhaft vorstellen und für den konkreten Fall einen entsprechenden Spannungsbogen antizipieren.

Über die Introspektionsfähigkeit hinaus kann Scham die Betroffenen davon abhalten, sich selbst und anderen einzugestehen, dass während oder nach dem Haareausreißen so etwas wie "Genuss" oder "Befriedigung" empfunden wird. Hier ist eine enttabuisierende und entpathologisierende Haltung des Diagnostikers hilfreich. Zum einen bieten sich alternative Formulierungen wie "nachlassende Anspannung" bzw. "Entspannung" an, die mit weniger Scham verbunden sind. Zum anderen sind Hinweise darauf, dass viele Menschen durch ähnliche Verhaltensweisen (wie z. B. Nägelkauen) eine Form der Entspannung erfahren, hilfreich (vgl. dazu die ethologische Perspektive zu Übersprungshandlungen in Kapitel 2.1).

Merke: Eine Trichotillomanie-Diagnose sollte nicht allein aus dem Grund abgelehnt werden, dass Betroffene im diagnostischen Erstgespräch nicht den für Impulskontrollstörungen definierten Spannungsbogen berichten (können). Vorausgesetzt dass alle anderen Störungskriterien erfüllt sind, sollte in diesen Fällen vorerst trotzdem die Verdachtsdiagnose "Trichotillomanie" gestellt werden. Mit Hilfe von Beobachtungsprotokollen und Aufmerksamkeitstraining (vgl. Kapitel 4.1.2 sowie Anhang, S. 108) bleibt dann in den folgenden Sitzungen abzuklären, ob zunehmende Spannung vorher und Erleichterung nach dem Haareausreißen im individuellen Fall zu beobachten sind (vgl. auch Karte "Explorat

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