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Vergiftete Beziehungen (Telepolis) Männer oder Frauen: Wer hat recht?

  • Erscheinungsdatum: 26.08.2016
  • Verlag: Heise Verlag
eBook (ePUB)
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Vergiftete Beziehungen (Telepolis)

'In allen Umfragen siegt die Zärtlichkeit', schrieb Wolf Wondratschek 1978, 'aber zärtliche Frauen, zärtliche Männer / wohin soll das führen...' Das gegenwärtige Klima ist von dieser Frage weit entfernt. Geht es um Frauen und Männer im Streit über Deutungshoheiten, so sind Kampf-Fronten das Gebot der Stunde. Klare Kante ist wieder gefragt und Linientreue, beinahe wie in den ideologischen Kämpfen der späten 1970er. Hate-Speech, Rape Culture, Gender-Weiber, Maskus, Femi-Nazis, toxische Maskulinität - Kampfbegriffe plakatieren die Diskussion. 'Anstatt zu argumentieren, wird gerne psychologisiert, emotionalisiert und stigmatisiert', so der Ausgangspunkt des eBooks: 'Vergiftete Beziehungen'. Was das eBook dem Leser bietet, sind Fakten und Hintergründe zur Auseinandersetzung über die Chancengleichheit von Frauen und Männern. Das Buch schaut sich Medienkampagnen zur Gleichberechtigung an. Es zeigt auf, wie sie etwa bei der Debatte über das Sexualstrafrecht in die Irre führen. Auch die Frauenquote liefert bei genauerem Blick auf die Fakten nicht das, was man sich von einer emanzipatorischen Politik erwarten könnte. Dass neu-feministische Positionen die Gesellschaft auf eine bessere, gerechtere Ordnung hinführen, wäre die helle Perspektive. Neue Lösungsversuche des Gewaltproblems werden unter die Lupe genommen: 'Safe Spaces', die Neudefinition von Schlüsselbegriffen, die mit Gewalt zu tun haben, das politisch heikle Thema 'Mikroaggressionen'. Gerade hier wird großes Irritationspotential sichtbar, da auch nicht gemachte Äußerungen als Aggression empfunden werden. Das führt zu einer von Ängsten, Vorsichten und Entzündlichkeiten geprägten Gesprächskultur, Plädiert wird für Meinungs- und Gedankenfreiheit in einer großzügigeren Form: Fenster auf, Argumente herein! Moralische Eingrenzungen sind genauer zu hinterfragen. Zumal es eine grobe Formel gibt, die sich dem laufenden Diskurs über Frauen und Männer mehr und mehr einschreibt: Männer sind Täter und Frauen sind Opfer.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 26.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957880802
    Verlag: Heise Verlag
    Größe: 3805kBytes
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Vergiftete Beziehungen (Telepolis)

Stephan Schleim
Die feministische Republik

Den Gesetzesänderungen zur Frauenquote und des Strafrechts auf den Zahn gefühlt

Nach Aussagen führender Politikerinnen und Politiker erlebte Deutschland in den letzten Jahren einige "historische Momente" und "Meilensteine" der Gleichberechtigung. Bei näherer Betrachtung erscheint diese Sichtweise aber fraglich. Insbesondere die Sexualstrafrechtsreform könnte, bislang kaum beachtet, ungewollte Folgen nach sich ziehen. Statt Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung droht dann die Kriminalisierung von Geschlechtsverkehr. Mindeststrafe: zwei Jahre.

Was ist bloß schief gegangen, wenn jetzt immer häufiger nach dem starken Staat gerufen wird, um korrigierend in das Verhältnis zwischen Frauen und Männern einzugreifen? Aktionen wie der "Equal Pay Day" gegen ungleiche Einkommen oder "Slut Walks" gegen eine "Kultur der Vergewaltigung" - so Wikipedia - machen Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich.

Dass Menschen untereinander ihre Beziehungen allem Anschein nach nicht fair und gerecht regeln können und stattdessen Institutionen wie der Gesetzgeber, Polizei und Staatsanwaltschaften einschreiten müssen, deutet in der Tat auf vergiftete Beziehungen. Oder handelt es sich bei dem neuen "Kampf der Geschlechter" vielleicht vor allem um ein Medienphänomen, das nur einen kleinen Teil der Menschen repräsentiert? Oder gar um Wichtigtuerei durch Parteien, denen die Mitglieder schwarenweise davonlaufen?

Frauenquote: Politik lobt sich selbst

In ihrer Rede zur Einführung der Frauenquote für Führungspositionen vom 6. März 2015 sprach Frauenministerin Manuela Schwesig von einem "historischen Schritt für die Gleichberechtigung von Frauen" und erinnerte dabei an den Kampf der Frauenbewegung für das aktive und passive Wahlrecht. Die Gesetzesinitiative wurde ausführlich durch die Medien begleitet.

Laut dem Gesetz müssen alle Unternehmen, die erstens voll mitbestimmt und zweitens in Deutschland börsennotiert sind, bei der Neuvergabe von Aufsichtsratsposten eine Frauenquote von 30% berücksichtigen; andernfalls bleibt der Posten unbesetzt. Das wirft zunächst die Frage auf, wie viele Firmen davon überhaupt betroffen sind. Der Verein FidAR ( Frauen in die Aufsichtsräte ) listet rund einhundert von A wie adidas AG bis W wie Wüstenrot & Württembergische AG.

Es geht um wenige hundert Karrierefrauen

Damit stellt sich als Nächstes die Frage, wie viele Frauen von dem Gesetz profitieren werden. FidAR veröffentlicht seit dessen Verabschiedung den Women-on-Board-Index , der die Verteilung von Aufsichtsratsposten zwischen den Geschlechtern misst. Demzufolge entfielen am 11. Juni 2015 337 oder 23% der insgesamt 1.475 Führungsposten auf Frauen.

Im Schnitt sind damit 106 zusätzliche Frauen in den Aufsichtsräten nötig, um die vorgeschriebenen 30% zu erreichen. Da die Unternehmen zurzeit unterschiedliche Quoten erreichen, wird die Zahl in der Praxis etwas höher liegen: So erfüllen oder überschreiten heute 24 Firmen die Richtlinie, angeführt durch die Henkel AG mit 44%. Schlusslichter wie die Fresenius SE oder die Porsche Automobil Holding SE haben aber keine einzige Frau im Vorstand sitzen. Sie werden in den kommenden Jahren wohl nur neue Aufsichtsrätinnen ernennen können.

Doch nicht so "historisch"?

Damit wird deutlich, dass der "historische Moment", von dem die Frauenministerin sprach, lediglich eine Anzahl von Frauen im unteren dreistelligen Bereich direkt betrifft. Dazu kommen noch die flexiblen Quoten, die sich laut dem Gesetz kleinere Unternehmen selbst geben müssen, sowie entsprechende Anpassungen für den öffentlichen Dienst. Diese kleineren Firmen können das Gesetz übrigens einfach unterlaufen, indem sie die Zielquote schlicht auf den Istzustand festlegen.

Wie historisch diese Änderung ist, mögen Leserinnen und Leser selbst beurteilen. Offen bleibt, inwiefern die über 40 Millionen andere

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