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Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft Prävention, Begleitung, Beratung und Psychotherapie

  • Erscheinungsdatum: 30.05.2015
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft

Die Entwicklung von sicheren Bindungen ist ein wichtiges Fundament für die körperliche, psychische und soziale Entwicklung eines Kindes. Sie kann durch vielfältige Weise innerhalb der Familie und auch innerhalb der Gesellschaft gefördert, aber auch verzögert oder verhindert werden. Die Beiträger dieses Bandes setzen sich mit den Fragen auseinander, wie ein Kind auf dem Weg zu sicheren Bindungen durch Erfahrungen in seiner Familie, in Krippe, Kindergarten, Schule und in anderen sozialen Gruppen innerhalb der Gesellschaft Sicherheit erfahren kann,wie bei Bindungsunsicherheit oder Angst psychische Auffälligkeiten wie Depression, Sucht, psychosomatische Störungen, Lernstörungen, Verhaltensprobleme, Sprachentwicklungsstörungen sowie Bindungsstörungen, Dissozialität und Gewalt entstehen können, wie psychische Auffälligkeiten und Störungen durch Prävention, Beratung und Psychotherapie verhindert oder behandelt werden können. Mit Beiträgen von: Lieselotte Ahnert, Fabienne Becker-Stoll, Sir Richard Bowlby, Katharina Braun, Inge Bretherton, Karl Heinz Brisch, Joseph Driessen, Sarah Friedman, Heather Geddes, Karin und Klaus Grossmann, Theodor Hellbrügge, Bob Marvin, Klaus Minde, John Read, Caspar Rüegg und Miriam Steele

Karl Heinz Brisch, Prof. Dr. med. habil., ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Nervenheilkunde, Psychoanalytiker, leitet die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München und hat den weltweit ersten Lehrstuhl und das Forschungsinstitut für "Early Life Care" an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg inne. Seine klinische Tätigkeit und sein Forschungsschwerpunkt umfassen den Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der Psychotherapie von bindungstraumatisierten Menschen in allen Altersgruppen. Brisch entwickelte die Präventionsprogramme "SAFE® - Sichere Ausbildung für Eltern" und "B.A.S.E® - Babywatching". Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit (GAIMH e. V. - German-Speaking Association for Infant Mental Health) und war dort viele Jahre lang im Vorstand. (www.khbrisch.de). Karl Heinz Brisch ist Veranstalter der Internationalen Bindungskonferenz, die ab 2017 jährlich in Ulm stattfindet. (www.bindungskonferenz.de) Theodor Hellbrügge (1919-2014), Prof. Dr. med., Dr. h.c. mult., em. Professor für Sozialpädiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität in München, war ein Pionier und Begründer der Sozialpädiatrie in der modernen Kinderheilkunde und ein bedeutender Kinderarzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 373
    Erscheinungsdatum: 30.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608104479
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 6288kBytes
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Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft

KATHARINA BRAUN, CARINA HELMEKE UND JÖRG BOCK
Bindung und der Einfluss der Eltern-Kind-Interaktion auf die neuronale Entwicklung präfrontaler und limbischer Regionen: Tierexperimentelle Befunde

Bindung als frühkindlicher Lernprozess

Bei vielen Tierarten, einschließlich dem Menschen, modulieren und kontrollieren die Eltern die Umgebung ihrer Nachkommen. Über ihr - für jede Spezies im Verlauf der Evolution optimiertes - Brutpflegeverhalten beeinflussen sie die physiologischen Prozesse ihrer Nachkommen und bieten ihnen dadurch die Möglichkeit, sich körperlich und geistig optimal zu entwickeln (Fleming et al. 1999). Die Interaktion mit einer (verwandten oder sonstigen) stabilen Bezugsperson führt bei Primaten, bei vielen anderen Säugern und auch bei Vögeln zum ersten nachgeburtlichen emotionalen Lernprozess, der in der Ethologie als Filialprägung bezeichnet wird. Dieser sehr schnelle und überlebensnotwendige frühkindliche Lernvorgang wurde von Ethologen klassischerweise an nestflüchtenden Vogelarten untersucht, berühmt geworden durch die auf Konrad Lorenz "geprägten" Graugansküken. Die Vogelküken lernten innerhalb der sogenannten "kritischen" oder "sensiblen" Phase ihrer Entwicklung, sich auf einen Menschen zu fixieren, da der natürliche Bezugspartner, die Mutter, nicht zur Verfügung stand (Lorenz 1935). Auf der Grundlage einer genetischen Prädisposition für spezifische Reiz-Reaktionsverkettungen kann Prägung als eine spezielle Form von assoziativem Lernen betrachtet werden. Neben der Filialprägung gibt es auch andere Formen prägungsähnlichen Lernens, wie z. B. die Sexualprägung, die Gesangsprägung bei Singvögeln oder den Erwerb von Phonempräferenzen beim Menschen beim Erlernen der Muttersprache.

Evolutionsbiologisch zeigt das Beispiel der Filialprägung, wie alt (und im darwinistischen Sinne offenbar auch sehr erfolgreich) das Prinzip der Eltern-Kind-Bindung ist. Die entsprechende biologisch-darwinistische Betrachtungsweise wurde von Bowlby in die psychologische Literatur eingeführt, dessen Interesse nicht nur der pathologischen, sondern auch der normalen Entwicklung der Kind-Mutter-Bindung galt. Im Gedankenaustausch mit Ethologen entwickelte er seine ethologisch inspirierte Version der Bindungstheorie.

Auch die heutige Entwicklungsneurobiologie/Neuroethologie betrachtet die Filialprägung als "Ur-Form" der Bindung, die mit zunehmender Höherentwicklung der Spezies sehr viel komplexere Formen annimmt (Braun et al. 2005). Bei Primaten, einschließlich dem Menschen, ist eine Vielzahl von aufeinander aufbauenden, subtil orchestrierten Erfahrungs- und Lernprozessen für die Entstehung der emotionalen Bindung zwischen dem Neugeborenen und seinen Eltern von Bedeutung; diese Lernprozesse finden innerhalb bestimmter, mehr oder weniger stringent definierter psychologischer und gehirnbiologischer Entwicklungszeitfenster, "kritischer" bzw. "sensibler" Phasen statt (Bowlby 1995; Spitz 1996). Die frühe, postnatal voranschreitende Gehirnentwicklung und die in vielen Gehirnsystemen sehr stark von Erfahrungen gesteuerte Optimierung der neuronalen Schaltkreise bilden das neuronale Substrat für die Entwicklung und Optimierung bestimmter Verhaltensweisen. Sicherlich nicht zufällig stimmen die Zeiträume der psychologisch definierten Entwicklungszeitfenster, die über den Erwerb bestimmter Fähigkeiten (wie Sehen, Feinmotorik, Laufenlernen, Spracherwerb u. v. a. m.) klassifiziert sind, recht gut mit neurobiologisch definierten Entwicklungszeitfenstern der Gehirnentwicklung überein, die über die funktionelle Entwicklung bestimmter Gehirnsysteme (Sehbahn, motorische Bahnen, Hörbahn etc.) definiert werden.

Das Bindungsverhalten entwickelt sich beim Menschen im ersten Lebensjahr. Das individuelle Bindungsverhalten und der Bindungstyp eines Neugeborenen entstehen durch die

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