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Das Gehirn meiner Großmutter Wahre Geschichten aus dem Alltag einer klinischen Psychologin von Byron, Tanya (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2015
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Das Gehirn meiner Großmutter

Eine faszinierende Reise an die brüchige Grenze
zwischen Normalität und Wahnsinn.

"Mein Interesse am Gehirn wurde geweckt, als ich die Frontallappen meiner Großmutter auf dem Fußboden ihres Wohnzimmers verspritzt sah." Tanya Byron, heute renommierte Professorin für Klinische Psychologie, war 15, als ihre Großmutter von einer heroinabhängigen schwangeren jungen Frau erschlagen wurde. Das Bild der Sterbenden hat sich der Enkelin für immer eingebrannt. Mit 20 begann Tanya Byron 1989 ihre Ausbildung zur klinischen Psychologin - weil sie verstehen wollte. Sie arbeitete mit Kindern, die sich selbst oder anderen Unfassbares zuleide taten, mit Familien, die so dunkle Geheimnisse hüteten, dass es fast unerträglich schien, darüber nachzudenken, mit Menschen, die mit Drogenabhängigkeit oder Suizidabsichten zu kämpfen hatten.

Ihre brillant erzählten Fallgeschichten aus ihren Anfangsjahren als Psychologin führen uns an die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn - und lassen uns begreifen, dass sie nicht existiert. Die verletzlichsten Menschen können Kraft geben, wer stabil erscheint kann eine zerrüttete Innenwelt verbergen.

Tanya Byron ist Professorin für klinische Psychologie und arbeitet seit über zwanzig Jahren mit Kindern und Jugendlichen. In Großbritannien ist sie als Kolumnistin und Expertin regelmäßig in Rundfunk und Fernsehen präsent. In der BBC hat sie drei eigene Ratgebersendungen und schreibt für The Times und mehrere BBC-Radiosendungen. Außerdem berät sie nationale und internationale Organisationen, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien zu den Themen psychischer Gesundheit und Erziehung arbeiten, und ist Kanzlerin der Edge Hill University.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 31.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641152659
    Verlag: btb
    Originaltitel: The Skeleton Cupboard
    Größe: 1242kBytes
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Das Gehirn meiner Großmutter

I
Die Augen sind's!

Ich saß in meinem Sprechzimmer, dem ersten Sprechzimmer meines Lebens. Wobei das Wort "Sprechzimmer" eine Übertreibung ist. George, der freundliche ältere Pförtner, der mich in der psychiatrischen Ambulanz willkommen hieß - "Willkommen in unserem glücklichen Heim" -, hatte mich darauf hingewiesen, dass das Kabuff, in dem ich saß, bis vor fünf Monaten noch ein Abstellraum gewesen war.

"Ein Abstellraum, für was?", fragte ich. Ich dachte an Asbest.

"Für alles Mögliche: Verbandsmittel, Toilettenstühle, den alten Medikamentenwagen. Erst, als die Abteilung mehr junges Blut einstellen musste, haben wir ihn umfunktioniert - irgendeine Verordnung, glaube ich."

"Welche Verordnung erlaubt ein fensterloses Sprechzimmer?"

George lächelte. "Der Frischling sieht die Springer."

"Springer?"

"Diejenigen, die schnurstracks auf die Fenster zusteuern."

Wie um alles in der Welt war ich nur auf die Idee gekommen, ich sei für diesen Job geeignet?

Allein in meinem Büro stützte ich den Kopf in die Hände - vielleicht war es ja noch nicht zu spät, die Stelle als Rechercheurin bei dieser Fernsehproduktionsfirma anzunehmen. Herrgott, ich war zweiundzwanzig, hatte meine eigene Wohnung und lebte in der wohl attraktivsten Hauptstadt der Welt. In meinem Leben gäbe es mehr Glamour, ich hätte ein besseres Gehalt, weniger Verantwortung. Was zum Teufel wollte ich mir hier nur beweisen?

Die anderen Leute in meinem Ausbildungskurs schienen viel kompetenter zu sein. Ich war nicht nur die Jüngste unserer 20-köpfigen Gruppe. Die meisten anderen kamen aus der Forschung oder hatten einen klinischen Background, und ich fühlte mich eingeschüchtert, obwohl ich sie gerade erst kennengelernt hatte. Sie schienen sich in der Materie auszukennen. Ich freute mich nicht auf unsere gemeinsame Zeit an der Uni. Ich würde sicherlich die Niete sein, so wie früher in der Schule.

Mist. Ich wusste überhaupt nichts.

Voller Selbstmitleid sah ich mich in meinem Kabuff um. Es roch muffig, ein völliger Gegensatz zu der Vorhalle aus Glas, Marmor und Chrom, durch die ich vor weniger als einer Stunde unten hereingekommen war. Dies war ein Vorzeige-Krankenhaus. Es war, als hätte ich eine andere Welt betreten - ruhig und sauber. Selbst die Schilder, die davor warnten, das Personal körperlich anzugreifen, waren in ansprechender serifenloser Schrift gedruckt - zurückhaltend, fast so, als würden sie sich für ihre krasse Botschaft entschuldigen.

Auch das Personal unten beim Empfang war freundlich - und händigte lächelnd Broschüren über Patientenrechte und Beschwerdeverfahren aus. Es war kein Krankenhaus. Es war eine Trusthouse-Forte-Hotellobby.

Zusammen mit einigen Belegschaftsmitgliedern, die unter Druck zu stehen schienen, hatte ich den Aufzug in den achten Stock genommen. Keinen interessierte es auch nur im Entferntesten, dass ich gerade dem Team beigetreten war. Ich betrachtete meinen neuen Mitarbeiterausweis und stellte sicher, dass er nach außen zeigte. "Klinische Psychologin in Ausbildung." Niemand bemerkte ihn. Er war ihnen völlig gleichgültig. Schlagartig fühlte ich mich wie die Neue am ersten Schultag.

Ich war fünf Minuten lang im achten Stock herumgeirrt, bevor ich die Tür zur psychiatrischen Ambulanz entdeckt hatte - bei Rundgang eins bis drei war ich daran vorbeigegangen, weil sie aussah wie der Eingang zu einer Art Vorratskammer. Nichts hier oben spiegelte den Pomp des unteren Krankenhausbereichs wider.

Die mürrische, rundgesichtige Frau, die mich begrüßt hatte, als ich schließlich zum Empfang der psychiatrischen Ambulanz kam, schob mir den Schlüssel zu meinem Zimmer zu, deutete auf die Tür des Kabuffs und sagte: "Sie empfangen sie dort drinnen", ohne auch nur einmal den Blick vom Woman's-Own -Magazin zu nehmen.

"Alles in Ordnung?"

Als ich bemerkte, dass Chris mir über die Schulter s

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