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Das Glück ist grau von McDougall, Christopher (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2020
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Das Glück ist grau

Wie ein Esel sich und seine Menschen verwandelte - ein Buch das beweist, dass es nie zu spät für einen Neustart ist! Warme Augen, vorwitzige Ohren, die Hufe eines Champions und das Herz eines Helden: Das ist Sherman. Doch der kleine Esel strotzte nicht immer vor Lebensfreude - ganz im Gegenteil. Als Christopher McDougall ihn bei sich aufnimmt, ist er so stark verwahrlost, dass kaum jemand an sein Überleben glaubt. Fest entschlossen, Sherman seinen Lebenswillen zurückzugeben, fasst McDougall den wahnwitzigen Plan, ihn für Eselrennen auszubilden, wie man sie in den Rocky Mountains veranstaltet. Auf seinem Weg zum selbstbewussten Läufer wird Sherman von McDougalls Familie, Freunden, Nachbarn und ein paar seiner Artgenossen begleitet. Und erweist sich dabei für einige seiner Gefährten als Quelle des Trostes und der Unterstützung. Christopher McDougall gelingt es, ein authentisches Bild des ländlichen Amerikas zu zeichnen - lebendig, liebevoll, unverkitscht. Und er führt uns vor Augen, was die meisten von uns verloren haben: die jahrtausendealte enge Verbindung von Mensch und Tier.

Christopher McDougall arbeitete als Kriegsberichterstatter in Ruanda und Angola, bevor er seinen Bestseller >Born to Run< schrieb. Seine Faszination für die Grenzen des menschlichen Potenzials führte ihn zur Entwicklung der Web-Serie >Art of the Hero< des Outside Magazins. Er lebt mit seiner Frau, zwei Töchtern, Sherman und einer bunten Mischung aus Bauernhoftieren in Lancaster County, Pennsylvania.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 22.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832170387
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: 'Running with Sherman. The donkey with the heart of a hero'
    Größe: 1489 kBytes
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Das Glück ist grau

KAPITEL 1

Ein Schatten in der Dunkelheit

In dem Moment, als der Pick-up in unsere Einfahrt einbog, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Ich hatte seit über einer Stunde auf Wes gewartet, und noch bevor er anhielt, verriet mir sein Blick, dass ich mich wappnen musste.

»Sieht übel aus«, sagte Wes, als er aus dem Wagen stieg. »Es geht ihm weit schlechter, als ich dachte.« Ich kenne Wes schon seit mehr als zehn Jahren, fast seit jenem Tag, als meine Frau Mika und ich unser Leben in Philadelphia aufgaben, um auf eine kleine Farm im Siedlungsgebiet der Amischen in Pennsylvania zu ziehen, und ich hatte ihn noch nie so ernst gesehen. Zusammen gingen wir zur Rückseite des Wagens und öffneten die Anhängertür.

Ich warf einen Blick hinein, dann griff ich sofort nach dem Handy in meiner Tasche. Zum Glück war die Nummer gespeichert.

»Scott, du musst sofort herkommen. Sieht echt schlimm aus.«

»Okay«, antwortete Scott. »Sorgt dafür, dass er es bequem hat; ich komm dann morgen früh vorbei.«

»Ja. Nein. Ich glaube, du solltest, äh ...« Ich schwieg kurz und versuchte, den Knoten in meiner Zunge zu lösen. Zwar war Scott der Experte und nicht ich, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass uns nicht mehr so viel Zeit blieb, um etwas auszurichten. Ich versuchte, ihm zu beschreiben, was ich vor mir sah.

In dem Anhänger stand ein grauer Esel, dessen Fell so kotverkrustet war, dass sein eigentlich weißer Bauch schwarz war. Es gab viele kahle Stellen in seinem Fell, an denen wunde Haut zum Vorschein kam, die höchstwahrscheinlich von Parasiten befallen war. Sein Körper war von Mangelernährung aufgetrieben wie ein Fass, das Maul eine einzige Katastrophe; ein Zahn war so verfault, dass er ausfiel, als ich ihn berührte. Aber das Schlimmste waren seine Hufe, die so grässlich lang gewachsen waren, dass sie eher wie Klauen aussahen.

»Im Ernst, Scott. Du solltest ihn dir ansehen.«

»Keine Sorge«, entgegnete Scott. »Ich hab schon so ziemlich alles gesehen. Bis morgen.«

Der Esel gehörte eigentlich einem Mitglied von Wes' Gemeinde. Wes ist ohnehin schon ein unglaublich netter Mensch, und darüber hinaus ist er als Mennonit verpflichtet, jedem Menschen - oder eher, wie dieser Fall zeigte, jeder Kreatur - in Not zu helfen. Er hatte mitbekommen, dass ein Angehöriger seiner Kirchengemeinde ein Tierhorter war und in einer verfallenen Scheune unter erbärmlichen Bedingungen Ziegen und einen Esel hielt. Der Mann war arbeitslos, und auch seine Familie litt unter seinem Messie-Syndrom; Geld, das dringend für Lebensmittel und Miete gebraucht wurde, ging stattdessen für Tierfutter drauf. Wes und mehrere Kirchenälteste hatten ihn zu überreden versucht, sich von seinen Tieren zu trennen, aber er hatte nichts davon wissen wollen. Schließlich strapazierte Wes seine eiserne Wahrheitsliebe, soweit es ihm möglich war. Wie wäre es denn, fragte er den Mann, wenn man die Tiere nur vorübergehend woanders unterbringen würde? Nur für zwei Jahre. Er könne sie bei einer guten Familie in Pflege geben, bis sie wieder gesund wären. So habe er die nötige Zeit, um eine Weide einzuzäunen und den Stall gründlich auszumisten. Das sei ja eigentlich auch keine Lüge, tröstete sich Wes, sondern eher eine Hoffnung - die Hoffnung, dass der Besitzer im Verlauf von zwei Jahren die armen Tiere vergessen und sein Leben wieder auf die Reihe kriegen würde.

»Willst du es nicht wenigstens versuchen?«, fragte Wes.

»Na schön«, sagte der Mann. »Aber es muss wirklich eine gute Familie sein.«

Wes machte sich sofort auf die Suche. Die Ziegen unterzubringen, war einfach - einen Gratis-Rasenmäher können die Leute in Lancaster immer gebrauchen -, einen Esel zu vermitteln, war dagegen verdammt schwer. Sie sind nicht nur berüchtigt dafür, störrisch und bissig zu sein und auszukeilen, sie sind auf einer Farm auch praktisch nicht zu gebrauchen. Man kann

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