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Goethe und Carl August Wechselfälle einer Freundschaft von Damm, Sigrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2020
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Goethe und Carl August

Sigrid Damm erzählt die aufregende, an Widersprüchen, Höhen und Tiefen, persönlichen und politischen Wechselfällen reiche Geschichte der über fünfzigjährigen Freundschaft zwischen Goethe und dem Weimarer Herzog Carl August.
Vom 15. Juni an, dem Tag, als Goethe die Nachricht vom Tod des Freundes erhält, wird in Rückblenden die Lebenszeit der beiden durchwandert. Goethe spricht von ihrer innigsten Seelenverbindung.
Doch es kommt immer wieder auch zu Differenzen, vor allem politischen. Carl August, der Napoleon-Hasser; Goethe, der Napoleon-Bewunderer und von dem Franzosen hofiert. Goethes Skepsis gegenüber den liberalen Bestrebungen seines Fürsten, vor allem im Hinblick auf die Preßfreiheit; von Preßfrechheit spricht er da. Während der Demagogenverfolgung in der düsteren Zeit der Restauration, als Carl August unter der Einschränkung seines Handlungsspielraums leidet, bekundet Goethe jedoch offen Solidarität mit ihm.
Das Buch erzählt - wie stets bei Sigrid Damm auf der Grundlage akribischer Recherchen erarbeitet - von einer einzigartigen lebenslangen Freundschaft zwischen zwei an Beruf und Berufung, an Temperament, Ausstrahlungskraft und Charakter so unterschiedlichen Menschen, einem schöpferischen und einem Tatmenschen, einem Dichter und einem Politiker; von einer Freundschaft, die für die deutsche Literatur folgenreich war, indem Carl August Goethe den Raum zur Schaffung seines großen Werkes gab; ohne seine Existenz würden wir nicht von Weimar als dem Ort der deutschen Klassik sprechen.

»... Er war mir August und Mäcen. Niemand braucht ich zu danken als ihm ...« (Goethe über Carl August)
»... der Mich ... in allen Wechselfällen des Lebens begleitet hat ... dessen umsichtigem Rath, dessen lebendiger Theilnahme und stets wohlgefälligen Dienstleistungen Ich den glücklichen Erfolg der wichtigsten Unternehmungen verdanke.« (Carl August über Goethe)



Sigrid Damm, in Gotha/Thüringen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Mecklenburg. Die Autorin ist Mitglied des P.E.N. und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Feuchtwanger-, den Mörike- und den Fontane-Preis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 270
    Erscheinungsdatum: 16.11.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458767046
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 2349 kBytes
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Goethe und Carl August

I

Das Jahr 1828. Der 15. Juni. Thüringen. Weimar. Das Haus am Frauenplan. Johann Wolfgang von Goethe ist im neunundsiebzigsten Lebensjahr. Er hat, wie fast täglich, zum Mittag Gäste geladen. An diesem Tag sind es der Bibliothekar Weller aus Jena mit seiner Frau, der Rat Töpfer und der junge Eckermann. Auch Goethes Sohn August ist anwesend. Man speist ausgiebig. Die Küche am Frauenplan ist berühmt. Darüber hinaus hat der Hausherr an diesem Tag eine Überraschung für seine Besucher: Aus Tirol sind Musikanten gekommen, die Brüder Franz, Balthasar und Anton Leo. Sie erfreuen die Gäste mit ihrem Spiel, ihren Liedern. Goethes Tagebuch vermerkt: die Tyroler sangen bey Tische.

Eine heiter gesellige Atmosphäre an diesem Sommertag 1828 im Hause Goethe. Überraschend wird Sohn August von einem Diener in einer äußerst dringlichen Angelegenheit hinausgerufen. Draußen erwartet ihn ein Vertreter der Regierung, es ist Kanzler von Müller. Kaum der Rede mächtig, überbringt er die Nachricht, der Großherzog Carl August sei tot. Am Abend zuvor sei er, sich auf der Rückreise von Berlin nach Weimar befindend, auf Schloß Graditz bei Torgau verstorben.

In Goethes Tagebuch daraufhin der lapidare und seltsame Eintrag: Die Nachricht vom Tode des Herzogs störte das Fest.

In der Fremde ereilt Carl August der Tod. Es ist der Abend des 14. Juni 1828.

Sein letzter Lebenstag.

Nach einem turbulenten Aufenthalt im preußischen Berlin hat er Abschied genommen. Hat die Rückreise nach Weimar angetreten.

In Wittenberg äußert er den Wunsch, sich die Zuchtpferde des Königlich-Preußischen Hauptgestüts Graditz in der Nähe von Torgau vorführen zu lassen. Seine Leidenschaft für die Jagd, für Pferde, für seine Hunde. Seinem Wunsch wird entsprochen.

Gegen zwölf die Ankunft auf Schloß Graditz, dem Ort, an dem er übernachten will. In seiner Begleitung befinden sich der Leibchirurg Volgstädt, der Hoffourier Werry sowie drei Kammerdiener beziehungsweise Lakaien und der seit langem bei ihm in Dienst stehende Major Friedrich Ernst von Germar; Letzterer zeichnet die Geschehnisse dieses Tages minutiös auf.

Ein kurzes Ausruhen, danach ein Mittagsmahl, gemeinsam mit den Militärpersonen, die ihn empfangen haben. Carl August, von den Berlin-Tagen erschöpft, ist unpäßlich, sein Magen rebelliert, er kann nichts essen, dennoch trinkt er wie immer sein Bier und raucht seine Zigarre.

Dann werden ihm im Hof des Schlosses - er sitzt auf einem dort aufgestellten Sofa - die Rassepferde vorgeführt. Die Herren Stallmeister sowie die sämtlichen Herren Offiziere sitzen im Halbkreis um ihn. Er äußert den Wunsch, auch die Mutterstuten und Fohlen zu sehen. Man fährt auf den zehn Minuten von Graditz gelegenen Weideplatz. Dort beobachtet er die Tiere und erkundigt sich nach den verschiedenen Grassorten, die auf dieser Weide wachsen.

Nach der Rückkehr auf Schloß Graditz lädt Carl August Offiziere zu sich, es wird getrunken, geredet. Die Unterhaltung kreist um militärische Dinge, unter anderem um Friedrich den Großen und seine gewonnene Schlacht bei Torgau im Jahr 1760.

Major Germar macht seinen Herrn auf die einsetzende Abendkühle aufmerksam, und man verabschiedet sich. Das weiträumige Schloß Graditz. Der Weg Carl Augusts nach oben, um in seine Gemächer zu gelangen. Die Stufen der Treppe machen ihm, wie Germar überliefert, große Atemnot, minutenlang ruht er sich auf einem Fenstersims sitzend aus. Dann muß er mehrere große Säle durchqueren. Im ersten angekommen, stützt er sich am geöffneten Fenster ab, atmet äußerst heftig. Im angrenzenden Raum das gleiche, am Fenster stehend ringt er nach Luft. Dann wird sein Atem flach, ein Brustkrampf schüttelt ihn, er verliert di

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