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Grundlagen der Psychologie von Schermer, Franz J. (eBook)

  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Grundlagen der Psychologie

Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit verlangt fundierte Kenntnisse der Psychologie für die Analyse von Problemlagen und kontrolliertes methodisches Handeln. Das Lehrbuch führt systematisch in die Allgemeine Psychologie ein. Modellvorstellungen zu kognitiven, behavioralen und emotional-motivationalen Funktionsbereichen werden dargestellt. Großer Wert wird auf die praktische Anwendung gelegt. Beobachtung, Intervention, Emotionsbewältigung sowie Mitarbeitermotivation dienen dabei als Beispiele. Für die 4. Auflage wurden Kapitel über lernpsychologisch fundierte Methoden für die Handlungsfelder Rückfallprävention und Rollenspiel hinzugefügt. Prof. em. Dr. Franz J. Schermer lehrte Psychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Prof. Dr. Arno Drinkmann lehrt Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170310681
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 3693 kBytes
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Grundlagen der Psychologie

2 Wahrnehmung, Gedächtnis und Beobachtung

In jedem Moment - den Zustand des Schlafes ausgenommen - erleben wir die vielfältigsten Arten von Wahrnehmungseindrücken. Wir sehen, hören, riechen etc., was um uns herum vor sich geht, und haben so Anteil an der uns umgebenden physikalischen und sozialen Wirklichkeit. Häufig richten wir - zumeist unwillkürlich - unser unmittelbares Verhalten nach diesen Wahrnehmungseindrücken aus. So bleiben wir bei "Rot" an der Verkehrsampel stehen, verlassen nach dem Klingelzeichen den Hörsaal, laufen bei der Wahrnehmung eines verbrannten Geruches in die Küche und nehmen den (überlaufenden) Kochtopf von der Herdplatte.

Die grundlegenden Komponenten der Wahrnehmung bestehen, wie diese Beispiele zeigen, in einem Wahrnehmungsobjekt ( Wahrnehmungsgegenstand ), einem Wahrnehmungssubjekt ( der wahrnehmenden Person ) sowie der Repräsentation des Wahrnehmungsgegenstandes in der Person ( Wahrnehmungsbild ). Dabei kann zwischen Wahrnehmung als Ergebnis, d. h. der Abbildung eines Wahrnehmungsgegenstandes im Bewusstsein des Wahrnehmungssubjekts, und Wahrnehmung als Prozess, d. h. der Art und Weise, wie dieses Abbild zustande kommt, unterschieden werden (vgl. Schönpflug & Schönpflug, 1997, S. 103). Im Alltag gehen wir im allgemeinen davon aus, dass unsere Wahrnehmungseindrücke ein verlässliches Abbild der Wirklichkeit darstellen und vertrauen am meisten dem, was wir mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört haben. Wir werden in diesem Kapitel jedoch sehen, dass dieses Vertrauen nicht immer gerechtfertigt ist. Auch aus unserem Alltag kennen wir ja Situationen, in denen beispielsweise zwei Personen trotz Beachtung des gleichen Wahrnehmungsgegenstandes zu deutlich unterschiedlichen Beurteilungen gelangen. Wahrnehmung ist also nicht als ein passiver Prozess aufzufassen, der zu einem getreuen Abbild der Wirklichkeit führt, sondern Wahrnehmung ist als ein aktiver Vorgang zu verstehen, der durch die wahrnehmende Person mitgestaltet wird (vgl. z. B. Carbon, 2015). Wahrnehmung ist - sobald es um das Erkennen eines Wahrnehmungsobjektes geht - immer mit weiteren kognitiven Funktionen vernetzt. Deshalb behandelt dieses Kapitel ausführlich grundlegende Befunde der Gedächtnispsychologie und präsentiert Modellvorstellungen zur Aufmerksamkeit. Das Wahrnehmungsgeschehen wird nachfolgend unter drei Perspektiven dargestellt werden, welche subjektiv mit der Empfindung, dem Erkennen und dem Handeln einhergehen bzw. kovariieren.

Als datengesteuerter Prozess ist Wahrnehmung durch die Merkmale des Wahrnehmungsgegenstandes und deren Verarbeitung durch die wahrnehmende Person zu verstehen. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt hier auf dem Zusammenhang von Wahrnehmung und Realität. Die Informationsverarbeitung erfolgt dabei auf der Grundlage des anatomisch-physiologischen Systems des Individuums, also seiner körperlichen Voraussetzungen zur Informationsverarbeitung. Daneben spielen bereits auf dieser Ebene genuin psychologische Aspekte eine Rolle und zwar in Form der sog. Organisationsgesetze des Wahrnehmungsgeschehens. Sowohl die körperlichen als auch die psychischen Prozesse dieser Ebene verlaufen weitgehend unbewusst und invariant, d. h., sie gelten für alle Personen in vergleichbarer Form und sind nur in sehr begrenztem Umfang beeinflussbar. Das Ergebnis dieses Prozesses stellt die Empfindung dar, worunter man eine noch nicht mit Bedeutung versehene Wahrnehmung versteht. Da der Erwachsene die ihn umgebende Wirklichkeit automatisch bedeutungsgeladen wahrnimmt, sind für ihn - anders als für Kleinkinder - reine Empfindungen nur noch dort möglich, wo er nicht auf Wissensbestände zurückgreifen kann, z. B. bei der Betrachtung eines vollkommen abstrakt gehaltenen Bildes.

Als konzeptgesteuerter Prozess ist Wahr

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