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Die Revolte des Selbst ein selbstanalytisches Verfahren - eine Kritik der Wissenschaften von Hummel, Günter von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.05.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Revolte des Selbst

Alle Revolten, die Erneuerungen versucht haben, sind von sozialen, politischen oder religiösen Quellen aus gegangen. Erst die Psychoanalyse hat damit begonnen, das Individuum aus dem Zentrum des eigenen Selbst heraus zu erneuern. Doch diese klassische Methode der Analyse des Unbewussten betont zu sehr die Theorie und stellt somit keine echte Revolte dar. Dazu bedarf es eines direkteren selbstanalytischen Verfahrens, das jeder aus sich selbst heraus entwickeln kann. Formulierungen, die in einem einzigen Schriftzug mehrere Bedeutungen enthalten, können das Unbewusste jedes Einzelnen durch mentales Üben aufbrechen und zu sich selbst befreien. Erst nach solch einer 'Revolte des Selbst' kann jeder auch nach außen hin erneuernd wirken. Dr. v. Hummel ist Arzt und Psychoanalytiker und hat sein Verfahren der Analytischen Psychokatharsis in vielen Vorträgen und Büchern veröffentlicht. Er praktiziert in München in eigener Praxis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 03.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743121577
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1261 kBytes
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Die Revolte des Selbst

1. 2 Freud und die 'Lieb-ido'

Nun gibt es bei Freud nicht nur den Genital-Trieb, sondern ein ganz komplexes Trieb-Struktur-Konzept, in dem das Wort 'sexuell' wie schon betont eine sehr ausgeweitete und umfassende Bedeutung annimmt. Nur das 'Sexuelle' hält das Leben durch Reproduktion aufrecht, zitierte ich, doch existiert auch ein 'Sexuelles' das mit Fortpflanzung nichts zu tun hat. Freuds Theorie begann mit der Auffassung eines ursprünglichen Autoerotismus, in dem viele Teiltriebe sich scheinbar unkoordiniert am eigenen Körper abreagieren. So existiert z. B. der Oraltrieb, der sich an den Stillvorgang anlehnt und dessen psychisches 'Objekt' die verinnerlichte Brust der Mutter ist. Er ist überhaupt kein biologischer Trieb mehr. Vielmehr entsteht dieser Trieb beim Menschen in dem Zwischenfeld, in dem - wie Lacan sagt - "der Anspruch sich vom Bedürfnis losreißt", d. h. der menschliche Sprechtrieb hier interveniert und den Mund-Brust-Kitzel, die Mund-Brust-Beziehung, zu einem eigenständigen Teil-Trieb macht. 13 Die Mutterbrust ist dann ein sogenanntes psychisches 'Objekt' geworden, das zwar signifikant , aber nicht mehr real sondern eben mehr virtuell ist.

Ich verweise also nochmals auf das Konzept, von Schautrieb und Sprechtrieb, die jedoch immer kombiniert, legiert sind, wie Freud sagte, und so kann man es auch so erklären, dass beim Stillvorgang die Oralzone sich erogen einen Teil-Trieb aus dieser Legierung abzweigt. Auch der genitale Trieb ist solch ein Teil-Trieb, der nach Freuds Auffassung unter dem Primat einer grundlegenden sexuellen Metapher eine Zusammenführung von Teiltrieben ermöglicht. Freud spricht diesbezüglich von der 'phallischen Phase', die beiden Geschlechtern zu eigen ist, obwohl sie einen mehr männlich klingenden Namen hat. Homo- und heterosexuelle, aber auch transsexuelle, fetischistische, voyeuristische und viele andere Formen sind alle komplexe Vorgänge, die Freud unter dem Aspekt des "polymorph und perversen" zusammenfasste. So gesehen, ist auch der scheinbar 'normalste' Heterosexuelle nicht frei von Perversionen. Ein Mann, der alle paar Monate eine andere Frau braucht und noch ein paar weitere im Kopf hat, zeigt hiermit doch auch die Schattenseite, die in ihrer jeweils spezifischen Form jeder Sexualität innewohnt. All das ist sicher nichts Neues.

Nun existieren auch andere Formen der Beziehungen und Partnerschaften. Ich will das offen lassen, denn für den Inhalt meines Buches hinsichtlich der 'Revolte des Selbst' ist dies alles nicht so relevant. Schließlich ist ja selbst die Familie oft Ziel der Revolte gewesen, so auch bei Jesus, wenn er sagte, er nicht sei gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert, um Sohn und Vater, Mutter und Tochter zu entzweien. 14 Wenn das nicht Revolte aus der Keimzelle des menschlichen Lebens heraus war! Egal und wie auch immer, ich habe diese Zeilen nur als Einleitung vor den Hauptteil meines Buches gesetzt. Es ist unmöglich den oben genannten Gender-, aber auch Sozial- und Politik-Diskurs nur annähernd in einem Kapitel zu beschreiben. Eribons Buch ist interessant und spannend, und ich will seine Revolte lediglich um die einer 'Revolte des Selbst' erweitern, einer Revolte aus der eigenen Unzulänglichkeit heraus in die wahre Freiheit.

Um auf seine Argumente nochmals kurz einzugehen: vielleicht müsste man, wenn man von dem geschlechtlich Sexuellen ausgeht, dieses von seinen Schattenseiten befreien. Das wäre wahrhaft eine Revolte, aber wahrscheinlich würde das Geschlechtliche nicht mehr so richtig sexuell zu nennen sein, denn es wäre dann fast aseptisch, kühl, neutral und langweilig. Die vielen Zugänge, die es zur Seele des Menschen gibt, speziell wenn wir darunter sein Unbewusstes verstehen, werden wohl immer einen Touch des Erotischen bewahren. Schon Platon und W. Schubart beschworen den religiösen Eros, 15 und auch Goethe versuchte aus dem erotischen Genuss e

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