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Die Therapie des Paar-Unbewussten Ein tiefenpsychologisch-hypnosystemischer Ansatz von Kachler, Roland (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.08.2015
  • Verlag: Klett-Cotta
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Die Therapie des Paar-Unbewussten

Jedes Paar durchlebt gemeinsam bewusste und unbewusste Prozesse. Letztere entscheiden über das Wohl einer Beziehung. Wie diese unbewussten Prozesse entstehen und sich verändern können und wie diese Erkenntnisse in einer Therapie genutzt werden können, zeigt Roland Kachler an vielen Beispielen und Übungen. Der Paartherapeut Kachler entwickelt anhand neuester Befunde aus Hirnforschung, Entwicklungs- und Evolutionspsychologie ein innovatives Konzept, das eine lösungsorientierte, fast spielend leichte Arbeit mit Paaren ermöglicht. Kachler legt den Fokus auf die unbewusste Paarkommunikation und paartherapeutische Interventionen in Spiegel- und Resonanzprozessen. Er erklärt, welche Rolle - die Biographien beider Partner, - die gemeinsamen Körperprozesse, - die Kollusion von Bedürfnissen, - die zueinander passenden Beziehungsschemata sowie - die Kreativität des Paar-Unbewussten spielen. Die Anleitungen zu gemeinsamen Paartrancen verdeutlichen, wie Lösungsressourcen und neue Kommunikationsmuster in der Paartherapie aus dem Paar-Unbewussten entstehen können. - Neues Behandlungskonzept in der Paartherapie - Mit vielen Fallbeispielen und rasch umsetzbaren Interventionen Zusätzliche Informationen Im Verlieben entsteht bei jedem Paar ein gemeinsames Unbewusstes. Neben der bewussten Ko-Konstruktion einer eigenen Paarwirklichkeit konstelliert sich ein relationales und resonantes Unbewusstes zwischen den Partnern. Nach den neuen Erkenntnissen der Säuglings- und Gehirnforschung kann das Paar-Unbewusste verstanden werden als affective attunement (Stern), als Feld einer geteilten Intentionalität (Tomasello), als gemeinsame Mentalisierung (Fonagy) und als ein durch die Spiegelneuronen vermitteltes Embodiment (Bauer/Gallese u. a.) von emotionalen Prozessen. Diese unbewussten Paarprozesse können in Liebes- oder Leidprozesse führen, die das Paar als Ausdruck seines besonderen Paar-Unbewussten erlebt. In diesem neuen Ansatz einer Paartherapie des Paar-Unbewussten wird aufgezeigt, wie das Paar-Unbewusste angesprochen und utilisiert werden kann, um destruktive unbewusste Prozesse eines Paares zu lösen. Das Paar wird durch eine aus dem gemeinsamen Paar-Unbewussten kommenden Symbol-, Körper- und Aufstellungsarbeit in einen Transformationsprozess eingeladen. Es kommt damit über die Resonanzen ihres Paar-Unbewussten in den Kontakt mit den konstruktiven Lösungsressourcen. So wird nicht nur das gemeinsame Paar-Unbewusste verändert, sondern auch neue Kommunikationsmuster zwischen den Partnern erlebbar gemacht. Die Leserinnen und Leser werden in die theoretischen Hintergründe des Paar-Unbewussten und in die praktische Umsetzung dieses Ansatzes in und für die Paartherapie eingeführt. Fallbeispiel, konkrete Prozessabläufe und einzelne imaginative Übungen lassen die Paartherapie mit dem Paar-Unbewussten anschaulich und spannend werden.

Roland Kachler, Diplompsychologe, Psychotherapeut und Theologe. Der erfolgreiche Buchautor arbeitet in der Trauerbegleitung und als Paartherapeut in eigener Praxis und ist in der Landesstelle für Psychologische Beratungsstellen in Stuttgart tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 196
    Erscheinungsdatum: 05.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608108279
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 5309 kBytes
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Die Therapie des Paar-Unbewussten

KAPITEL I
Das Paar-Unbewusste - Ein neues altes Konzept für die Paartherapie?

I.1 Wo bleibt das Unbewusste in der Paartherapie? - Ein notwendiger Neuanfang

In der gegenwärtigen Praxis der Paartherapie kommt das Unbewusste eines Paares und das unbewusste Zusammenspiel beider Partner als Begriff und als theoretisches Konzept nicht oder kaum vor. In den kommunikationstheoretisch fundierten und verhaltenstherapeutischen Ansätzen wird explizit nur an der konkreten und sichtbaren Paarkommunikation oder den Austauschprozessen der Partner gearbeitet (Schindler et al. 2006).

Auch die verschiedenen systemischen Ansätze der Paartherapie bearbeiten die unbewusste Ebene zwischen dem Paar nicht explizit (Retzer 2004; Hess 2006). Die systemischen Fragetechniken sprechen ohnehin eher die kognitiv zugänglichen Strukturen eines Paares an.

Manche Methoden wie die Genogramm- oder Aufstellungsarbeit scheinen jedoch durchaus unbewusste Prozesse anzunehmen, die Glück oder Unglück eines Paares ausmachen oder erklären. Auch bei der Hypothesenbildung von systemischen Paartherapeuten scheinen implizit Hypothesen von unbewussten oder zumindest vorbewussten Prozessen zwischen den Partnern einzufließen. Arbeiten die systemischen Ansätze vielleicht doch unbewusst mit den unbewussten Prozessen eines Paares? Warum also nicht direkt mit und an den unbewussten Paarprozessen arbeiten?

Der derzeit im deutschsprachigen Raum einflussreiche integrative Ansatz von Hans Jellouschek (2005) greift immer wieder, jedoch unsystematisch, die unbewusste Ebene auf, wenn er unbewusste Themen der Paardynamik, wie zum Beispiel Autonomie versus Bindung, als Grund von Paarproblemen sichtbar macht.

Im Ansatz von Jürg Willi (1975) wurde das Unbewusste der beiden Partner in der Paartherapie explizit konzeptualisiert und in das Zentrum der Paartherapie gestellt. In seinem bekannten Buch "Die Zweierbeziehung" beschreibt der Untertitel "Analyse des unbewußten Zusammenspiels in Partnerwahl und Paarkonflikt. Das Kollusions-Konzept" genau das Programm dieses Ansatzes. Willi nennt als Grundlage jeder Paarbeziehung das "gemeinsame Unbewusste", das sich aus den gemeinsamen unbewussten Grundannahmen der beiden Partner konstelliert. Doch auch bei Willi kommt der Begriff des Paar-Unbewussten nicht explizit vor. Zudem war sein Ansatz mit den Kategorien der oralen, anal-sadistischen, narzisstischen und phallischen Kollusion zunächst zu sehr an die psychoanalytische Trieb- und Entwicklungstheorie gebunden, so dass er als zu starr und begrenzt erschien, um die Vielfalt der unterschiedlichen Partnerschaften und deren Kollusion erfassen zu können. Das bleibende Verdienst dieses Ansatzes ist es, dass unbewusste Kollusionen und die daraus resultierende Aufspaltung in eine progressive und regressive Position der Partner als eigenständige Determinante einer Paarbeziehung und als Interventionsebene in die Paartherapie einbezogen werden.

Jürg Willi selbst hat seinen Ansatz der unbewussten Paarkollusion nicht wesentlich vertieft oder anhand neuerer neurowissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt (Willi 2008). Genau an dieser Stelle möchte ich mit meinem Ansatz einer tiefenpsychologisch fundierten, hypnosystemischen Paartherapie das Konzept des Paar-Unbewussten aufgreifen und durch Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften anreichern. Dabei bleibe ich dem Pionier des Paar-Unbewussten, insbesondere seinem Konzept der Kollusion, verpflichtet.
I.2 Die Wiederentdeckung des Unbewussten in den Verhaltens- und Neurowissenschaften

Nachdem in den empirischen Sozial- und Verhaltenswissenschaften, insbesondere auch der Psychologie, unbewusste Prozesse über lange Zeit als wissenschaftlich obskur, nicht beweisbar oder als unbedeutend betrachtet wurden, hat die Wiederentdeckung des Unbewussten wissenschaftliche Anerkennung gefunden und derzeit geradezu Konjunktur (Berlin 2011; Stein et al. 2006; Hassin et a

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