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Eine Triebtheorie für unsere Zeit von Müller-Pozzi, Heinz (eBook)

  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
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Online verfügbar

Eine Triebtheorie für unsere Zeit

Heinz Müller-Pozzi
Eine Triebtheorie für unsere Zeit
Sexualität und Konflikt in der Psychoanalyse
2008. 237 S., 8 Abb., Kt
ISBN: 978-3-456-84477-0

Es ist das Ziel der Neuformulierung der psychoanalytischen Trieblehre, Freuds frühe libidotheoretische Konzepte von ihrer biologistischen Ausrichtung zu befreien, Sexualität und Trieb intersubjektiv neu zu begründen.

Der Psychoanalyse droht ihr ureigenster Kern, die Triebtheorie, abhanden zu kommen, wie die verschiedenen Entwicklungen der letzen Jahrzehnte - Ichpsychologie, Selbstpsychologie, Objektbeziehungspsychologie, Bindungstheorie - deutlich machen. Es ist Aufgabe und Ziel einer Neuformulierung der Triebtheorie, Freuds frühe libidotheoretischen Konzepte von unnötigem, ja irreführendem Ballast, vor allem ihrer biologistischen Ausrichtung, zu befreien, Sexualität und Trieb auf neue Weise ins Zentrum des psychoanalytischen Konfliktdenkens zu rücken und in ihrer Bedeutung für die Konstituierung des Subjekts herauszuarbeiten. Der Autor beschreibt im Anschluss an die allgemeine Verführungstheorie von Jean Laplanche die intersubjektive Entstehung der spezifisch menschlichen infantilen Sexualität, die ihre biologische Grundlage und genitale Ausrichtung erst in den Umgestaltungen der Pubertät findet.

Eine derart fundamentale Neuformulierung eines fundamentalen Konzepts der Psychoanalyse fordert zwingend eine Revision anderer Konzepte. In einer sorgfältigen begrifflichen Analyse beschreibt der Autor das Ich des Triebes, die Bedeutung der Identifikation in der Bildung des Ichs, den Narzissmus und die Aggression in ihrem Bezug zu Trieb und Konflikt auf neue und ungewohnte Weise. Die Revitalisierung des weithin vergessenen Konzepts der Nachträglichkeit ermöglicht eine differenzierte Darstellung des verinnerlichten Konflikts und seiner Bearbeitung in der Übertragung, wie sie bis jetzt kaum möglich war. Das Buch ist ein Eckpfeiler einer konzisen und konsistenten allgemeinen psychoanalytischen Theorie.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 238
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456944777
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 1503kBytes
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Eine Triebtheorie für unsere Zeit

3. Der Andere und die infantile Sexualität (S. 39-40)

Das Befriedigungserlebnis

Die Frage, wie der Mensch zu seiner ihm eigenartigen, nicht endogen vorgegebenen, infantilen Sexualität kommt, ist damit aber erst zur Hälfte beleuchtet. Ich habe ihre Entstehung aus der Perspektive des werdenden Subjekts beschrieben. Wenn auch bereits gebrochen durch die Theorie der Anlehnung, hat Freud die infantile Sexualität doch im Wesentlichen als primären, in der biologischen Lebensordnung begründeten und angeborenen Trieb aufgefasst, der sich gleichsam naturwüchsig-biologisch aus sich selbst heraus entwickelt. Der Widerspruch dieser Annahme zur Entstehung durch Anlehnung störte ihn nicht.

In einer radikal anders zentrierten bzw. dezentrierten Interpretation der zweiten der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie entpuppt sich jedoch die Entstehung der infantilen Sexualität als polarer intersubjektiver Prozess. Nun gilt es, den anderen Pol, die Bedeutung des Anderen in der Entstehung der infantilen Sexualität, näher ins Auge zu fassen. Das Befriedigungserlebnis ist mein zweiter Ansatz, mich der infantilen Sexualität anzunähern. Freud hat das Konzept des Befriedungserlebnisses bereits 1895 im Entwurf und 1900 in der Traumdeutung, also bereits zehn Jahre vor der Einführung der infantilen Sexualität, entworfen, es dann aber nicht weitergeführt. Das Befriedigungserlebnis könnte recht eigentlich das organisierende Moment einer Triebtheorie werden, die die Entstehung des Triebes und der infantilen Sexualität im Feld des Anderen situiert.

Obwohl Freud ganz mit der Frage der Sexualität beschäftigt war, bleiben in seinen Konstruktionen eines psychischen Apparats die Bedürfnisse der Selbsterhaltung leitend, was es ihm, ich habe bereits darauf hingewiesen, schwer machte, den ökonomischen Gesichtspunkt der Libidotheorie angemessen zu formulieren. Das gilt gleichermaßen für das Konzept des Befriedigungserlebnisses, das Freud eigenartigerweise nicht in die Drei Abhandlungen aufgenommen hat. Ich möchte es darum nachträglich in die Entstehung der infantilen Sexualität eintragen. Das heißt, dass ich die entsprechenden Texte Freuds anachronistisch und nicht exegetisch lese, die Bedeutung des Befriedigungserlebnisses über seine Rolle hinaus, die ihm Freud in der Selbsterhaltung zuwies, ins Libidinöse verlängere und dem Anderen, den Freud nur als Initiator andeutet, die bestimmende Rolle zuweise, die ihm in der Entstehung der Sexualität in Tat undWahrheit zukommt.

Seine dynamische, strukturierende und organisierende Bedeutung gewinnt das Befriedigungserlebnis in Bezug zur anthropologischen Grundvoraussetzung, der vorzeitigen Geburt des Menschen. Es schildert die Befriedigung der Bedürfnisse des Neugeborenen durch eine Mutter, die anders als das Muttertier, nicht über angeborene Instinktschaltungen mit demNeugeborenen und den Äußerungen seiner Bedürfnisse sicher verbunden ist. Die Befriedigung der lebenswichtigen Bedürfnisse des Kindes muss "intersubjektiv", durch intentionale und eigenaktive "fremde Hilfe" eines "erfahrenen Individuums", den "Nebenmenschen", erfolgen. Ich lese nun das Befriedigungserlebnis als eine andere Explikation der Anlehnung und werde die beiden Texte von 1895 und 1900 kombinieren. "In der Form der großen Körperbedürfnisse tritt die Not des Lebens zuerst an ihn (den Säugling, H. M.-P.) heran. Die durch das innere Bedürfnis gesetzte Erregung wird sich einen Abfluss in die Motilität suchen, die man als 'Innere Veränderung' oder als 'Ausdruck der Gemütsbewegung' bezeichnen kann. Das hungrige Kind wird hilflos schreien oder zappeln. Die Situation bleibt aber unverändert, ..." (1900a, 571). Reizaufhebung ist nur möglich durch einen Eingriff, welcher im Körperinneren die Entbindung der Erregung "für eineWeile beseitigt, und dieser Eingriff erfordert eine Veränderung in der Außenwelt (Nahrungszufuhr, Nähe des Sexualobjektes), welche als spezifische Aktion nur auf bestimmten Wegen

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