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Philosophische Grundlagen der Psychoanalyse von Schöpf, Alfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Philosophische Grundlagen der Psychoanalyse

Dieses Werk beleuchtet aus philosophischer Sicht die neuere Psychoanalyse, die zwischen der klinisch ausgerichteten Kleinianischen Theorie und der extraklinisch orientierten neueren Säuglingsforschung entstanden ist. Dabei zeigt sich ein therapeutisch und wissenschaftlich fruchtbarer Gegensatz zwischen dem klinisch rekonstruierten Unbewussten des Säuglings nach Melanie Klein und dem in direkter Beobachtung untersuchten Unbewussten nach Daniel Stern. Insbesondere für die psychoanalytische Lehre von der Abwehr zeichnen sich neue Perspektiven ab. Nicht zuletzt wird die Diskussion auch in die Wissenschaftsphilosophie und -geschichte eingeordnet.

Dr. Alfred Schöpf ist em. Professor für Philosophie der Universität Würzburg und praktizierender Analytiker und Lehranalytiker am Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse in Würzburg.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 19.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170239708
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 1047 kBytes
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Philosophische Grundlagen der Psychoanalyse

1 Ist die Psychoanalyse ein Kind der Aufklärung (Kant) oder des romantischen Gegenpols (Schelling)?

Einführung

Eine erste Frage, die sich jedem mit der Psychoanalyse und der Philosophie Befassten stellt, betrifft die strikte Unterscheidung, welche die Aufklärung zwischen dem bewussten Leben des Menschen und seinen unbewussten Erfahrungen eingeführt hat. Welchen Bereich erfahren wir in unserem Erleben in bewusster Weise, welcher bleibt dabei unbewusst? Wie hat das 19 Jhd. wissenschaftsgeschichtlich diese Fragen beantwortet? Welche methodischen Zugänge zum unbewussten Anteil unseres Erlebens hat es entwickelt?
Lernziele der Kapitel 1–3

- Die methodische Differenzierung der Denkwege, welche im 19 Jhd. unbewusste Dimensionen erschlossen haben.

- Liegt das Schwergewicht mehr auf der begrifflichen Klarheit über unbewusste Erlebnisse oder auf der gefühlten Intuition?

- Sind psychische Erlebnisse primär über Reiz-Reaktions-Zusammenhänge erfassbar (messbare Schwellen des Bewusstseins) oder über Beschreibungen introspektiv gewonnener psychischer Akte?

- Wie sind unbewusste Prozesse motiviert? Leiblich-seelisch, zwischenmenschlich oder beides? Was ist ein unbewusster Wille? Geht es dabei primär um Sexualität oder Macht?

Eine Klärung des Wissenschaftsstatus der Psychoanalyse muss auch historisch ansetzen. Spätestens seit F. Nietzsche (GM 1968 Vorr., 28) ist die "Genealogie" ein Muss, um Klarheit zu schaffen. Man würde allerdings sehr weit ausholen, wenn man bis zu den beiden großen Traditionen des Abendlandes zurückgehen würde. Immerhin gibt es da einen Wissenstypus von der Struktur Vergessen-Erinnern, der von Platon über Augustinus ins Mittelalter reicht und Erkennen zentral als Erinnern fasst. Der andere Wissenstypus dagegen hat die Struktur Empeiria-Begriffliche Ordnung und geht von Aristoteles über Thomas ins Mittelalter. Hier schon Vorläufer der Psychoanalyse zu suchen, wäre zu unspezifisch und zu weit hergeholt (Pongratz, 1967, S. 181 f.). Zweifelsohne ist aber die neuzeitliche Aufklärung die entscheidende Schaltstelle in der Disposition der Wissenschaften für die folgenden Jahrhunderte. Hier wollen wir mit der Frage ansetzen: Ist die Psychoanalyse ein Kind der Aufklärung oder ist sie eher dem romantischen Gegenpol zuzuordnen? Auskunft holen wir uns bei der zentralen Figur der Aufklärung I. Kant und als Quelle benützen wir seine "Anthropologie in pragmatischer Hinsicht". Doch zunächst erinnern wir uns, mit welchen Kriterien Kant arbeitet und welche großen Trennlinien und Unterscheidungen daraus abzuleiten sind.

Philosophische Grundlage jeder möglichen Erfahrung ist das Bewusstseinsfeld und die philosophische Aufgabe besteht darin, ein Bewusstsein von diesem Bewusstsein zu gewinnen. Anders ausgedrückt: Wenn das Bewusstsein sich in Vorstellungen gliedert, zielt die philosophische Klärung darauf, eine Vorstellung von diesen Vorstellungen zu gewinnen. Der Philosophie geht es also um reflektiertes Selbstbewusstsein, freilich nicht irgendwelcher Art, sondern methodisch begründetes Selbstbewusstsein. Als Maßstab dient R. Descartes Kriterium der Klarheit und Deutlichkeit der Vorstellungen (clare et distincte). Dieses ist dann erfüllt, wenn die Vorstellungen sowohl gegenüber anderen sicher abgegrenzt als auch in sich exakt gegliedert werden können. Eine solche exakte Bestimmung ist nach Ansicht der Aufklärung jedoch nur durch mathematisch gesichertes und denknotwendiges Wissen zu erreichen. Auf diese Weise halten nur zwei Wissensbereiche der Prüfung durch Aufklärung

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