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Psychoanalyse und Gesellschaftswissenschaften Wegweiser und Meilensteine eines Dialogs von Haubl, Rolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Psychoanalyse und Gesellschaftswissenschaften

Am Beispiel von 16 maßgebenden Autoren und ihrer wichtigsten Schriften wird die Kooperation zwischen Psychoanalyse und Gesellschaftswissenschaften dargestellt und aus heutiger Sicht diskutiert. So entsteht ein Überblick, was bereits geleistet wurde und wie das tradierte Theorie- und Forschungsprogramm neu belebt werden kann. Beide wissenschaftlichen Disziplinen können voneinander profitieren, aber nur dann, wenn sie um ihre jeweilige Eigenlogik wissen und sie berücksichtigen.

Dr. Dr. Rolf Haubl war Professor für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Direktor des Sigmund-Freud-Instituts. Dr. Johann August Schülein war Professor für Soziologie an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 242
    Erscheinungsdatum: 26.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170317680
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 1118 kBytes
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Psychoanalyse und Gesellschaftswissenschaften

3 Die gesellschaftswissenschaftliche Aneignung der Psychoanalyse in sechzehn Autorenporträts

Im Folgenden wird - in alphabetischer Folge - eine Reihe von prominenten gesellschaftswissenschaftlichen Autoren porträtiert, die auf die eine oder andere Weise ihre eigenen Denkwerkzeuge schärften, indem sie sich mehr oder weniger explizit an Vorstellungen von Freud und der Psychoanalyse abgearbeitet haben.
Lernziele

Die Porträts sollen

- einen Überblick über prominente und wichtige Versuche vermitteln, psychoanalytische Konzepte in gesellschaftswissenschaftliche Theorien zu integrieren, um deren Erklärungskraft zu verbessern;

- Denkweise und Theoriesprache der porträtierten Autoren vorstellen und zugänglich machen, weshalb wir sie ausführlich zu Wort kommen lassen;

- die Bedeutung hervorheben, den die porträtierten Autoren der gesellschaftlichen Produktion von Unbewusstheit für die gesellschaftliche Integration zuschreiben;

- das spannungsreiche Verhältnis von gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven (die vom Vorrang des Sozialen ausgehen) und der psychoanalytischen Betonung des Biologischen ausloten;

- das nicht minder spannungsreiche Verhältnis von Historizität und anthropologischer Universalität in den Gesellschaftswissenschaften und der Psychoanalyse verdeutlichen;

- den Anspruch, die Psychoanalyse für eine emanzipatorische Gesellschaftspolitik zu nutzen, kritisch reflektieren;

- die Notwendigkeit einer interdisziplinären Kooperation zwischen der Psychoanalyse und den Gesellschaftswissenschaften begründen, aber auch auf die Schwierigkeiten von Interdisziplinarität aufmerksam machen.
3.1 Theodor W. Adorno: Psychoanalyse als Kritik - Kritik der Psychoanalyse

Adorno (1903-1969) war ein deutscher Philosoph, Soziologe und Musikwissenschaftler. Neben Max Horkheimer zählt er zu den Begründern der "Kritischen Theorie" bzw. "Frankfurter Schule". Ab 1931 lehrte er an der Universität in Frankfurt am Main, bis er 1933 von den Nationalsozialisten ein Lehrverbot erhielt und in die USA emigrierte, da er als Jude mit Verfolgung rechnen musste. In den USA wurde er am ebenfalls exilierten Institut für Sozialforschung angestellt, um empirische Untersuchungen durchzuführen, die über den "autoritären Charakter" als eine der psychischen Voraussetzungen des Nationalsozialismus Aufschluss geben sollten.

1947 entstand die Dialektik der Aufklärung , die Adorno zusammen mit Horkheimer schrieb. Neben den Minima moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben (1944-1947) gehört das Buch zu seinen breitenwirksamsten Schriften. Nach seiner Rückkehr aus den USA in das Nachkriegsdeutschland wurde Adorno einer der Direktoren des ebenfalls zurückgekehrten Instituts für Sozialforschung und machte sich bald als einer der wortgewaltigsten Kapitalismuskritiker des deutschen "Wirtschaftswunders" über die akademische Welt hinaus einen Namen. So setzte er sich unermüdlich in Interviews und öffentlichen Gesprächen für eine Erziehung zur Mündigkeit (1959-1969) ein. Als Intellektueller gehörte er zu den geistigen Vätern der Studentenbewegung, deren Radikalisierung ihn aber mehr und mehr erschreckte.

Adorno war sein Leben lang an der Genese des "autoritären Charakters" interessiert, zu dessen Leitsymptomen der Antisemitismus gehört. Dabei hat er erkannt, dass es wenig nützt, bei der Erfassung von "Oberflächenmeinungen" stehen zu bleiben. Denn diese entpuppen sich bei genauerer Analyse als Fassaden (Adorno, 1950, S. 15 f.). Um hinter diese Fassaden blicken zu können, bedarf es einer Methodologie mit größerer Tiefenschärfe. Und die hat Adorno in "intensiven klin

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