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Psychoanalyse und Psychosomatik Die leiblichen Grundlagen der Psychodynamik von Storck, Timo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Psychoanalyse und Psychosomatik

Freud und Leib liegen nah beieinander: Die Konzepte der Psychoanalyse verweisen auf die Anbindung an Leibliches und erfordern eine differenzierte Konzeption des Leib-Seele-Verhältnisses. Beginnend mit Freuds Bemerkungen zur Aktualneurose tauchen Fragestellungen der Entwicklungspsychopathologie, Psychodynamik und Behandlungstechnik auf. Zunächst werden die konzeptuellen Entwicklungen in allgemeiner Hinsicht geprüft, bevor Diagnostik, Klassifikation und spezielle Krankheitslehre behandelt werden. Der Band schließt mit Behandlungssettings, gesellschaftlichen Aspekten der Psychosomatik sowie exemplarischen Forschungsfeldern.

Timo Storck ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Psychologischen Hochschule Berlin und wiss. Mitarbeiter an der Medizinischen Universität Wien sowie psychologischer Psychotherapeut (AP/TP).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 13.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170248397
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 3047 kBytes
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Psychoanalyse und Psychosomatik

1 Einleitung: Freud und Leib liegen nah beieinander

Einführung

In einigen ihrer zentralen Begriffe - (infantile) Sexualität, Trieb, Konversion, erogene Zone - thematisiert die Psychoanalyse seit Freud die Leiblichkeit des Menschen und dessen psychosomatische Grundverfasstheit. Dem steht gegenüber, dass zumindest Freud keine psychosomatische Krankheitslehre entwickelt hat und sich der Behandelbarkeit von Patientinnen und Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen gegenüber sehr skeptisch gezeigt hat. Wie kann also die Psychoanalyse als Psychosomatik formuliert werden? Ein weiterer Ausgangspunkt besteht in der unhintergehbaren Interdisziplinarität der psychoanalytischen Psychosomatik: Diese berührt Felder der Medizin, Psychologie, Soziologie, Neurobiologie und Philosophie. Was ist von psychoanalytischer Seite nötig, um in einen entsprechenden Dia- bzw. Polylog einzutreten, und worin besteht ihr Beitrag zu einer psychosomatischen Anthropologie?
Lernziele

- Den psychosomatischen, d. h. leibseelischen Charakter zentraler psychoanalytischer Konzepte erkennen

- Die Art der Beteiligung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen an der Psychosomatik wahrnehmen und unterscheiden

- Den spezifischen Beitrag der Psychoanalyse zur Psychosomatik ausweisen

Freud und Leib liegen nah beieinander. Der Begründer der Psychoanalyse nahm nicht nur neurophysiologische bzw. neuropsychologische Überlegungen zum Ausgangspunkt, um seine Konflikttheorie oder seine Praxis der Traumdeutung und der analytischen Kur zu begründen, er formulierte auch in zentralen psychoanalytischen Konzepten und Krankheitskonzeptionen im Kern Psychosomatisches: Was könnte beispielsweise ein psychosomatischeres Geschehen sein als die Scheinschwangerschaft von Anna O., derjenigen Patientin Josef Breuers, welcher dieser und Freud bereits in den Studien über Hysterie (Freud, 1895d) die wesentlichen Bestimmungen der Psychoanalyse zuschreiben: die talking cure . Bekanntlich entwickelt Freud aus der irritierenden Konstellation, dass Anna O. fest davon überzeugt war, das einer Liebes- und Sexualbeziehung entsprungene Kind Breuers zu erwarten, einige Grundkonzepte der Psychoanalyse, insbesondere das der unbewussten Fantasie. Deren Wirkung ist hier, so muss erkannt werden, eine bidirektionale: Sie entspringt sowohl leiblichen, triebhaften, psychosomatischen Vorgängen, als sie auch auf diese zurückwirkt. Die unbewusste Fantasie bzw. der unbewusste, auf Breuer gerichtete Triebwunsch Anna O.s zeitigt somatische Ereignisse, die Scheinschwangerschaft. Hier sind psychoanalytische Begriffe von Konversion oder der später von Freud beschriebene "rätselhafte Sprung" ins Somatische bereits angelegt - ebenso wie die Konzeption der infantilen Sexualität. An dieser lässt sich nun der Hinweis auf den psychosomatischen Charakter der psychoanalytischen Theorie des Psychischen am eindrücklichsten markieren, ist es doch die Sexualität, die weder auf den Körper/Leib (zur konzeptuellen Unterscheidung beider Kap. 2 ), noch auf das psychische Erleben verzichten kann bzw. sich einer Spaltung beider verschließt, es sei denn im Rahmen einer (psychosomatischen) Pathologie.

Konsequenterweise beschreibt die Freud'sche Psychoanalyse den Trieb als "Grenzbegriff zwischen Psyche und Soma" (Freud, 1915c, S. 214) bzw. als "Grenzbegriff zwischen psychologischer und biologischer Auffassung" (Freud, 1912e, S. 410 f.) und als "eine[n] der Begriff der Abgrenzung des Seelischen vom Körperlichen" (Freud, 1905d, S. 70). Deutlich wird dies auch, wenn Freud (a. a. O.) vom Trieb als der "psychische[n] Repräsentanz einer kontinuierlich fließenden, innersomatischen Reizquelle" spricht. Dies macht nicht nur deutl

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